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Mittwoch, 23. November 2016

Mein neues Haustier

Yaminga, das Findelkind

Ich habe suuuuuuper Neuigkeiten!!! Letztes Wochenende (18.11. - 20.11.) waren Nicki und ich mal wieder in Kigali, um Freunde zu treffen. Es war eine super Wochenende, z.B. war ich im Kino, in Doctor Strange, sogar in 3D! Das Kino gibt es noch nicht so lange und ist top modern :-) Außerdem war ich mit einer anderen Freiwilligen aus Kigali in diversen Supermärkten, was für mich mal wieder total cool war, dass es in Musanze nicht mal mehr einen einzigen gibt (was mir wirklich fehlt!)... Ein Store ware besonders riesig, das war so ein Laden, in dem auch Firmen einkaufen, dort gab es alles... Sogar Weihnachtsschmuck, was hier eine absolute Seltenheit ist! Die Vorweihnachtszeit spielt hier nämlich, anders wie in Deutschland keine so große Rolle, bis auf ein paar große Supermärkte in Kigali, habe ich hier noch keinen Weihnachtsbaum oder ähnliche Deko gesehen. Da habe ich dann gleich mal die Gelegenheit genutzt und Nickis Geburtstagsgeschenk gekauft, welches ich jedoch nicht genauer beschreiben werde (falls Nicki sich mal auf meinen Blog verirren sollte :D).

Das absolute Highlight des Wochenende war jedoch Folgendes: Nach dem Kino am Freitag  (gegen 21:30 Uhr abends) fand ich auf dem Rückweg zur Jumelage ein mini kleines Kätzchen auf der Straße, das an den Bordstein gekauert da lag. Es sah ziemlich schüchtern und verwahrlost aus. Es war dreckig und hatte auch eine verklebte Nase. Dadurch dass weder die Mutter noch irgendwelche Geschwister in der Nähe waren, merkte ich, dass es sich wohl um eine verstoßene Katze handeln muss. Ich dachte, dass sie hier auf der Straße wohl nicht alleine überleben wird, also packte ich sie in meine Jacke und bin ab in den Supermarkt, um etwas Milch für sie zu kaufen, wobei sich dann herausstellte, dass ich keine Milch, sondern Naturjoghurt gekauft hatte. In der Jumelage (meine Schlafgelegenheit für dieses Wochenende) versuchte ich ihr etwas Joghurt verdünnt mit Wasser zu geben, woran sie aber nicht wirklich interessiert war. Ich denke sie musste sich erstmal erholen von dem Schock, der ihr zugestoßen ist und auch von dem Kummer, alleine der Welt ausgeliefert zu sein, denn sie schlief die ganze Nacht durch. Am nächsten Tag schleckte sie jedoch tatsächlich ein paar Mal an der Joghurt-Wasser-Mischung. Danach bin ich erstmal wieder zurück zum Supermarkt  (ein zweites Mal mit Katze auf dem Arm), wo ich mal wieder die Attraktion des Tages war, um ein Körbchen für sie zu kaufen. Übrigens, sie hat auch schon einen Namen bekommen: Yaminga! Eigentlich heißt das "dünn" auf Kinyarwanda, so werden die ruandischen Supermodels genannt und man schreibt es so: Nyampinga, doch ich finde den Namen wunderschön :)
Danach ging es erstmal ab zum Tierarzt, was sich als ziemliche Herausforderung entpuppte.
Um einen Tierarzt in Kigali ausfindig zu machen, benutze ich erstmal Tante Google, wo ich mich dann für einen amerikanischen Tierarzt in der Nähe des RDB-Offices entschied. Also suchte ich mir ein Moto, sagte "RDB" und stieg mit Katze auf, wobei mich mindestens fünf Menschen schmunzelnd beobachteten. Ich dachte mir, dass ich dann, wenn ich dort angekommen bin, bestimmt Menschen fragen kann, die mir dann bei meiner Suche nach der Veterinary Clinic behilflich sind. Pusteblume. Kein einziger wußte, wo hier ein Tierarzt sein soll. Zum Glück fand ich dann im Internet zufällig zwei Telefonnummer einer anderen Tierklinik, die erste Nummer hat mich nach ein paar Sätzen weggedrückt und bei der anderen habe ich das Telefon nachdem ich meine Frage gefühlt fünf Mal wiederholt habe, an eine Dame aus dem RDB Office weitergegeben, die dann für mich nach dem Weg gefragt hat und mich anschließend aufs Moto gesetzt. Als das Moto dann anhielt und keine Anstalten machte weiter zu fahren, ging ich dann erstmal auf die Suche nach einer Tierklinik. Als ich dann ein Schild mit "Veterinary Pharmacy" gefunden habe, dachte ich sei meinem Ziel schon ein Stückchen näher gekommen und habe einfach mal mein Glück versucht und auf alle möglichen Weisen gefragt: "Where is the vet?". Nach einigen Antworten, die ausschließlich aus "yes" bestanden, kam letztendlich dann ein: "here". Das war also die "Tierklinik". Es sah eher aus wie eine etwas heruntergekommene Apotheke.
Ich zeigte dem "Arzt" die Katze und er fragte mich: "Is she ill?", worauf ich dann nur meinte: "That's what I wanted to ask you". Er gab mir dann ein Medikament für ihre Schnauze, das man mit Watte auf ihre Nase geben soll, ein Flohschampoo, eine Entwurmungstablette und eine Spritze (keine Ahnung gegen was). Er meinte sie sei zwischen 2 und 3 Wochen alt, was ich auch geschätzt habe und meinte ich solle ihr Milch und Fleischssauce zum Essen geben und nach ca. einer Woche dann Reis und Fleisch.
Also bin ich dann mit Katze und 10.000 Francs (ca. 12 €) weniger wieder aufs Moto gestiegen und wieder zurück in die Jumelage gefahren.

Dort bin ich dann noch bis Sonntag geblieben, wo sie sich auch noch wirklich gut erholt hat.

Die Busfahrt mit ihr am Sonntag war auch ziemlich witzig. Auf der Motofahrt habe ich sie unter mein T-Shirt gesteckt, um sicher zu gehen, dass sie nicht während der Fahrt anspringt. Das hat den Motofahrer schon zum Lachen gebracht, aber die Blicke der Fahrgäste im Bus waren unbezahlbar. Ich stieg ein mit Yaminga unter meinem T-Shirt und natürlich haben die Leute bemerkt, dass sich etwas in meiner Bauchgegend bewegt. Als der Bus dann losfuhr, deckte ich das Geheimnis dann auf und holte sie heraus. Ziemlich witzig, wie sich dann alle Blicke auf mich bzw. Yaminga richteten. Ich meine wir Weißen sind sowieso IMMER eine Attraktion, doch mit Babykatze fühlt man sich dann wirklich wie ein Promi.

Mittlerweile geht es Yaminga super, sie hat sogar schon angefangen, Trockenfutter für Babykatzen zu essen, welches ich nach langer Suche für viel Geld (ca. 17€ für 2kg) in einem Laden in Kigali gefunden habe.

Hier ein paar Bilder von meinem Findelkind:

Yaminga, als ich sie gefunden habe 
Auf der Busfahrt

So und nun zu einem Thema, was mit Yaminga zu tun hat. Ruander und Tiere. Eine Sache für sich... Ruander haben zu Tieren, die wir als Haustiere halten, ein ganz anderes Verhältnis, als ich es aus Deutschland gewöhnt bin. Hier gibt es kaum Haustiere, allerhöchstens Hunde, die die Funktion eines Wachhundes haben. Somit war dies für die Menschen im Bus auch ziemlich ungewöhnlich zu sehen, dass ich Yaminga auf meinem Schoß schlafen ließ, sie streichelte etc. Solch einen Umgang mit Tieren sind sie nicht gewohnt. Auf der Busfahrt bin ich auch mit einem Ruander, etwa in meinem Alter, ins Gespräch gekommen und er fragte mich, warum ich Katzen mag und was ich an Katzen mag, ob es die Nase oder die Augen sind usw. Ich meinte dann zu ihm, daß Tiere auch Geschöpfe Gottes sind, die genau wie Menschen, Liebe verdient haben. Mit der Antwort war er zufrieden. In Ruanda sind ja eh die meisten tiefgläubig. Seine Nachbarin meinte dann, dass sie dachte dass ich ein "premature baby" unter dem Shirt hatte. Lustig. Als ich dann in Musanze ankam, merkte ich dass viele Leute, vor allem auch Kinder, schlichtweg Angst vor Katzen haben (insbesondere auch total vor Hunden, dies ist aber auch auf die Geschichte (Genozid & Co) zurückzuführen). Unser Nachbar (jetzt Ex-Nachbar) zum Beispiel hat sich nicht getraut in ihre Nähe zu gehen und auch als ich einem Kind ein Bild von ihr zeigte, meinte es, es hätte Angst davor. Auch meinen Kids in der Schule habe ich davon erzählt und als ich dann meinte, dass sie mit mir im Bett schläft, habe ich an ihren Reaktionen schon gemerkt, dass sie das ziemlich abwegig finden. Naja, dann wird es mal höchste Zeit, sie davon zu überzeugen, was für eine Bereicherung so ein Tier sein kann.
Ach ja, als ich Nicki am Telefon erzählt habe, dass ich gerade eine Katze von der Straße aufgesammelt habe, meinte sie nur "ah ok" und dachte sich wahrscheinlich nur: "Mal wieder so eine typische Rebekka-Aktion".
Naja, genug für heute. Der nächste Blogeintrag wird von der Ferienarbeit in der Schule handeln und was wir so für Projekte mit den Kids machen.
Viele liebe Grüße aus Ruanda! :-)

Gute Nacht :-)) 



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