Mittwoch, 6. September 2017

Back to the roots

Ich denke es dürfte mittlerweile bei Einigen angekommen sein, doch trotzdem noch mal ganz offiziell: 



Ich bin mittlerweile seit über einem Monat wieder in Deutschland! 

Davon war ich aber vor allem in der ersten Zeit kaum zu Hause, da ich in Mainz zu Besuch bei meiner ehemaligen Mitbewohnerin Nicki war, danach auf Nachbereitungsseminar in Wiesbaden gegangen bin und zu guter Letzt im Familienurlaub in Polen war. Die letzten Tage war Nicki bei mir zu Besuch und jetzt steht auch schon wieder mein nächster Umzug an. Ich habe nämlich die Zulassung zum Studium meiner ersten Wahl bekommen. Hurra! 


Bild aus dem Seminar 
Glücklich mit meiner Zulassung


Rückblick auf mein Jahr



Eine solche Kulturschock-Kurve von der Ankunft im
Gastland bis einige Zeit nach der Rückkehr in die Heimat
Zu meinem Unverständnis habe ich auf Seminaren und von den verschiedensten Menschen oft gehört, dass der heftigste Kulturschock erst dann kommt, wenn man wieder zurück in die Heimat kommt. Ein wenig nachvollziehbar wurde dies dann, als ich bereits einige Monate in Ruanda lebte und immer noch auf den sogenannten ersten Kulturschock wartete. 

Im Vergleich zu den anderen Freiwilligen hatte ich nie die typische "Heimweh- oder Traurigkeitsphase", doch ich wollte den Tag nicht vor dem Abend loben, da ich dachte, dass dies bei mir einfach nur später als bei den anderen kommt. Aus der Retroperspektive kann ich nun sagen, dass dies bis zum Ende so geblieben ist.
Wie ihr wahrscheinlich mitbekommen habt, habe mich von Anfang an sehr wohl gefühlt und super schnell eingelebt. 

Zumindest verglichen mit den Musanze-Freiwilligen, aber bestimmt zu weiten Teilen auch mit den Kigali-Freiwilligen, war ich die Einzige, die zu 100% mit der Gesamtsituation (Wohnsituation, Arbeit, Kultur, Land) zufrieden war. Ein Mal meinte meine Mitbewohnerin auch zu mir "das ist als hättest du einen Sechser im Lotto bekommen" und genau so war es für mich auch. 
Natürlich gab es ab und an mal kleinere Dinge, die mir etwas zu schaffen machten, die mich auch bis zum Ende hin noch störten (die ich auch teilweise auf dem Blog beschrieben habe), doch verglichen mit den unglaublich schönen Dingen, die ich erlebt habe, sind sie nicht mal der Rede wert. 
Alles in allem habe ich mich gefühlt, als wäre ich am richtigen Ort gelandet.


Besonders die letzten Monate wollte ich nochmal so richtig genießen und vor allem auch viel bewirken. 

Unterrichten der Abschlussklasse 




Mit den Senior 6 Schülern 
Somit habe zusätzlich noch den Englisch-Unterricht in einer Abschlussklasse (Senior 6, vergleichbar mit Klasse 12 bei uns) übernommen, was mir großen Spaß bereitet hat. 
Das hatte mir auch wirklich gefehlt, unabhängig unterrichten zu können (ohne Übersetzung) und von den Inhalten her auch mal in die Tiefe gehen zu können. 
Ich konnte Grammatik mit den Schülern machen, aber habe im Wechsel auch viele Diskussionen über interessante Themen mit ihnen geführt. Ein Thema war beispielsweise "marriage", wo wir erstmal die Fakten zwischen Deutschland und Ruanda verglichen haben, dann aber auch über sehr wichtige, hauptsächlich kulturelle Dinge, sprachen. Ein großes Thema war die Mitgift, was in Ruanda eine unglaublich große Rolle spielt und mich persönlich immer ziemlich traurig macht. Die Mitgift ist einer der größten Gründe, warum es in Ruanda immer noch so viele Ehen gibt, die nicht aus Liebe, sondern aus finanziellen Gründen geschlossen werden und dies hängt zum Großteil von den Eltern ab. 


Mit einer Senior-6-Schülerin

Beim Unterrichten dieser Klasse verzichtete ich auf eine autoritäre "Lehrer-Rolle" meinerseits, sondern setzte eher auf ein recht freundschaftliches Verhältnis zu den Schülern, die im Schnitt nur ein oder zwei Jahre jünger als ich waren. So fuhr ich auch ganz gut. Ich hatte die vollste Aufmerksamkeit und ein großes Interesse der Schüler, natürlich gab es weniger und mehr interessierte Schüler, geschwätzigere und stillere, doch im großen und ganzen war ich hellauf begeistert von dieser Truppe. Es handelte sich auch um eine sehr kleine Gruppe von nur maximal 13 Schülern, wodurch individuelleres Unterrichten möglich wurde. 
So konnte ich auch sehr schnell eine gute Beziehung zu den Schülern aufbauen, da dies einfach ein viel direkterer Kontakt von Anfang an war. 

Ruandisch Geburtstag feiern 


Mein Geburtstag war auch eins meiner Highlights, weil alles so schön spontan funktionierte. 
Am Tag selbst wusste ich noch nicht richtig was ich machen werde, hatte dann aber einen wunderschönen Tag in der Schule, wo mir Lieder vorgesungen wurden und wir viel Spaß hatten.  
Am Abend kamen dann meine Freunde nach Hause und wir haben gemeinsam gegessen und getanzt!




Meine Gäste 

Auf traditionell ruandische Art muss das Geburtstagskind den Kuchen anschneiden...


...und dann jedem Gast ein kleines Stück davon in den Mund geben

Die Arbeit mit den Batwa-Kindern 


Auch in der Schule mit den Kindern haben wir in den letzten Monaten noch mal richtig viel organisiert und schöne Erlebnisse gehabt. 


Championship 


Einführung in die Sports-4-Peace-Regeln

Eins davon war z.B. die Sports-4-Peace-Championship, die Honoré, Enock und ich zusammen organisiert hatten. Finanziert wurde dies von einer Spenderin unseres Projektes, die genau zu deisem Zweck finanzielle Mittel bereitstellte. Wir luden Fußball- und Handballteams der umliegenden Schulen ein. Unmengen an Kindern und Erwachsenen strömten aus ihren Häusern herbei. Dadurch fühlten sich die Spieler natürlich umso geehrter. Gespielt wurde nach den Sports-4-Peace-Regeln, was von Honoré, dem Sport- und Disziplinlehrer mit Sports-4-Peace-Ausbildung angeleitet wurde. Bedingung für die Teilnahme war aber, dass in jedem Team auch Mädchen mitspielen müsse. Dies war zwar absolut fremd für die Meisten, doch wurde von den Zuschauern sehr gut aufgenommen. Wenn ein Mädchen den Ball hatte oder sogar den entscheidenden Schuss hinlegte, hörte man überall erstaunte Rufe: "umukobga!", was übersetzt Mädchen heißt. Am Ende gab es eine Stärkung für die Spieler und auch eine Ehrung. Alle Teilnehmer bekamen ein Schulheft und zwei Stifte, die beiden Gewinnerteams bekamen zusätzlich einen Ball der jeweiligen Sportart für ihr Team. 

Beim Handballspiel


Beim Fußballspiel



































Die begeisterten Zuschauer




















Trip nach Kigali


Das absolute Highlight für die Kids und mich war aber unser gemeinsamer Trip nach Kigali, der ebenfalls durch Spenden an unser Projekt finanziert wurde.
Die Kinder waren außer sich vor Freude. So etwas habe ich noch nie erlebt. 
Falls ihr den Blog ab und zu mal verfolgt habt, könnt ihr euch vielleicht ein wenig vorstellen wie diese Kinder gelebt haben. Die meisten Eltern haben nicht die Möglichkeiten, um sie täglich mit ausreichend Essen zu versorgen. Geld für Transportkosten ist somit undenkbar. 
Die Kinder, selbst die kleinsten, laufen täglich eine Stunde in die Schule und den gleichen Weg zurück. Aus diesem Grund haben viele von ihnen auch noch nicht viel mehr außerhalb ihres Dorfes gesehen, selbst in Musanze waren die meisten noch nie. Trotzdem zogen sie für diesen besonderen Tag alle ihre schönsten Klamotten an!
Schon allein als wir in der Stadt durchfuhren zeigten sie sich gegenseitig ganz aufgeregt die Gebäude, wie z.B. das Krankenhaus oder den neuen Markt. 
So ging das ungefähr die ganzen zwei Stunden, die wir im Bus saßen, da sie immer wieder etwas Neues entdecken konnten. In Kigali, der Hauptstadt, war die Aufregung am größten. Es war so schön zu sehen, wie sie sich gefreut haben, Ampeln oder Autobrücken zu sehen und wie interessiert sie die für sie neuen Dinge wahrgenommen haben. 

Mit den Kids im Bus 




















Hier hatten wir ein Treffen mit der "Root Foundation", ein Projekt für Straßenkinder, was für beide Seiten ein sehr bereicherndes Treffen war.
Die Kinder der Root Foundation haben uns ein Programm, bestehend aus Theaterstücken, sportlichen und musikalischen Einlagen vorgestellt und auch wir haben den Kindern der Root Foundation den "Räuber Hotzenplotz" und eine Tanzeinlage von unserem ältesten Kind vorgestellt.
Wir haben viel Inspiration (z.B. bezogen auf die Akrobatik) mit nach Musanze genommen und unsere Kinder meinten, dass sie dadurch gelernt haben, dass sie keine Angst mehr haben müssen, etwas vor fremden Menschen vorzustellen. 
Danach hatten die Kinder noch Zeit sich gegenseitig kennen zu lernen und ein wenig auszutauschen. Auf dem Rückweg haben wir mit unserem Bus, den wir gemietet hatten, eine kleine Tour durch Kigali gemacht und sind dann wieder nach Hause gefahren. 
Ich habe mich so für die Kinder gefreut, dass sie ihren Horizont um ein kleines Stück erweitern durften. 

Der Räuber Hotzenplotz


Eine abgewandelte Variante: Der Räuber bittet um Vergebung 



















Unsere Kids vermischt mit den Kids der Root Foundation


Gemeinsamer Kreis und Spiele mit allen Kindern


Die Akrobatik-Gruppe der Root-Foundation mit zwei
unserer Jungs (mitte, weiß und rechts, lila)





















































































Änderungen im Projekt 


Im Projekt hat sich auch noch viel getan. Mitte Juli kam noch eine der Spender unseres Projektes nach Musanze, um die Kinder zu besuchen. Sie brachte neue Ideen in das Projekt, zu dem jetzt noch eine Hygiene-Komponente dazukommen soll und auch die Mütter mehr einbezogen werden sollen. Ich bin zwar traurig, dass ich diesen Neuanfang nicht mehr mit begleiten kann, doch bin mir sicher, dass das mit der neuen Freiwilligen, die sich bereits dort befindet, sehr gut funktionieren wird. 
Zum Abschied bekamen die Kinder von mir, abgesehen von ein paar kleineren Geschenken, ein selbstgemachtes Fotoalbum, voll mit unseren wunderbaren Erinnerungen. Der Abschied war wirklich emotional und tränenreich. 

Ich mit Enocks Familie 
Auch sonst bin ich sehr zufrieden, dass zum Ende hin noch viele positive Dinge geschehen konnten. Das größte Projekt in dieser Hinsicht war auf jeden Fall die Finanzierung des Hauses für Enock, meinem Verantwortlichen, Kollegen und inoffiziell auch Hauptperson des Batwa-Projektes. 
Offiziell war er nur Angestellter von unserer Chefin, einer ruandischen Schwester. Inoffiziell war er die einzig aktive Person im Projekt, die trotz des überaus geringen Lohnes nicht regelmäßig bezahlt wurde. Er hatte dadurch ziemlich zu kämpfen, da er selbst drei Kinder und seine Frau versorgen muss. Ein Spender unseres Batwa-Projektes übernahm, zusammen mit meiner Mutter die Kosten für das Haus.








Enock und ich

















Mentale Vorbereitung 


Als ich in Ruanda lebte war es für mich nur schwer vorstellbar, mein Traumleben dort wieder verlassen zu müssen. Allein die Vorstellung daran war schmerzlich. Zu meinem Erstaunen legte sich dies aber ein klein wenig in den letzten Wochen vor meiner Ausreise, blieb aber trotzdem vorhanden. Ich konnte mich sogar schon ein wenig darauf freuen Familie und Freunde wieder zu sehen.
Dass ich bald wieder in Deutschland sein werde blieb für mich jedoch ziemlich surreal.
Gegen Ende des letzten Jahres überlegte ich auch kurzzeitig den Freiwilligendienst zu verlängern, doch verabschiedete mich dann wieder von diesem Gedanken, da ich merkte, dass dies für mich nur ein "Hinauszögern" des Studiums gewesen wäre und ich nächstes Jahr genauso dastünde, denn wie man so schön sagt, "aufgeschoben ist nicht aufgehoben". 


Ankunft


Also habe ich mein Jahr wie geplant beendet, tränenreiche Abschiede erlebt, Ruanda aber für immer einen Platz in meinem Herzen eingeräumt. 

Ankommens-Selfie am Flughafen (ich ein biiisschen müde) 

Mittlerweile bezeichne ich Ruanda als mein zweites Zuhause und das wird es auch bleiben solange ich zum Studieren in Deutschland sein werde ...und danach, zumindest nach meinem jetzigen Plan, vielleicht sogar mein erstes.

In Deutschland angekommen fühlte ich mich zu Beginn zum Einen, als wäre meine ganze wertvolle Zeit nur ein Traum oder ein kurzer Urlaub gewesen, denn in Deutschland hatte sich nichts verändert. Die Vertrautheit mit meiner Familie ist die gleiche geblieben, ich alleine habe mich verändert, nicht mein Umfeld.  
Zum Anderen aber, was ich erst merkte als ich wieder nach Hause kam, fühlte ich mich auf ein Mal unglaublich fremd. 
Und hier kam dann der bereits oben genannte "Kulturschock" in Deutschland. 


Kulturschock


Das Eintreten in die Wohnung habe ich so lange herausgezögert, wie nur möglich, weil ich bereits ahnte, dass mir das etwas zu schaffen machen wird. 
Als ich mir das neu renovierte kleine Bad meiner ehemaligen Einliegerwohnung anschaute (wobei das Renovieren wirklich höchste Zeit war), stand ich nur noch mit offenem Mund da. 
So ging es dann weiter, als ich mir die Zimmer der Wohnung meiner Familie anschaute, voll mit diesem ganzen deutschen Überfluss
Direkt danach ging es zum Kaffe und Kuchen zu den Nachbarn. Ich hatte mich immer noch nicht gefasst und aß dort dann zum ersten Mal seit einem Jahr Käsekuchen. Ich bestaunte den vollen Tisch mit verschiedenen Kuchen, Tee, Kaffee und "Unmengen" an "noblem" Geschirr. 

Dann war es erstmal genug für den ersten Tag. 

Die Folgetage habe ich überwiegend zu Hause verbracht, um Freunde zu treffen habe ich mich dann nach und nach doch aus dem Haus "getraut". 
Vor allem den Ausflug zu einem Supermarkt habe ich so weit wie möglich vor mir hergeschoben. Früher habe ich sehr gerne den Wocheneinkauf für mich und meine Familie getätigt, nach meiner Rückkehr jedoch hat mich diese unglaublich große Auswahl an Produkten eher überfordert. 

Ich kann meine ersten Eindrücke nicht anders als "Überforderung" beschreiben. 
Aus dem Grund habe ich auch fast eine Woche lang bei meiner Familie gewohnt, anstatt in meiner eigenen kleinen Einliegerwohnung zu leben und zu schlafen. 
So im Überfluss zu leben hat mich beschämt und unglaublich traurig gemacht. 
(Wahrscheinlich auch) um mein Gewissen zu beruhigen, habe ich in der Anfangszeit nur kalt geduscht und das erste was ich in meiner Wohnung tat, war meinen Kleiderschrank auszuräumen und einige Dinge, die noch in meiner Wohnung gelagert waren, auszusortieren. 
Zum Einen wollte ich mich dadurch sicherlich auch symbolisch von meinem "alten" Leben trennen, zum größten Teil jedoch empfand ich diese Menge einfach als unnötig, schon fast belastend. 
Die aussortierte Kleidung und auch einige andere Dinge werde ich, sobald ich das nächste Mal in Ruanda sein werde, mitnehmen und dort verteilen. 
Denn die Textilien, die wir in die Altkleidersammlung schmeißen, werden wie ich mitbekam nicht kostenlos verteilt, sondern landen z.B. in (Ost-)Afrika auf Märkten. 


Konsumgesellschaft


Ich glaube ihr ahnt schon womit ich zu Beginn am meisten zu hadern hatte: Unsere Konsumgesellschaft. Zurück in diese Lebensweise zu kommen, von der ich ja jetzt wieder ein Teil sein werde, hat mich (bestimmt zum x-ten Mal) überfordert, vor allem aber schockiert und beschämt. 

Wahrscheinlich hieltet ihr mich für total bescheuert, als ihr gelesen habt, dass es für mich wie ein „Schock“ war, wieder in die deutsche Lebensweise zu kommen.
Vielleicht ist es für euch aber auch ein bisschen nachvollziehbarer geworden, warum ich mich bei der Ankunft gefühlt habe, als würden die Menschen in Deutschland das Geld aus dem Fenster werfen, als würden sie mit all den unnötigen Anschaffungen/ Ausgaben nur an den neuesten Trend oder das neueste Auto im Kopf haben, anstatt sich mal Gedanken darüber zu machen, dass anderen Menschen zur gleichen Zeit nur an einem anderen Ort täglich um ihr Überleben kämpfen müssen. 

Nach mittlerweile mehr als einem Monat hat sich diese Überforderung natürlich Stück für Stück wieder gelegt und es wurde alltäglicher. Auch dieser anfängliche "Missmut" gegen unsere Gesellschaft hat sich wieder gelegt. Wenn ich jetzt zurückdenke wie ich mich am ersten Tag fühlte muss ich fast schmunzeln.

Trotzdem kann ich diesen Konsum / Materialismus nun mit ganz anderen Augen sehen und stehe ihm jetzt mehr als kritisch gegenüber. 

Nicht nur dieser Konsum gibt mir zu bedenken, sondern damit verbunden auch unsere Wegwerfgesellschaft
Wenn man schon immer hier aufgewachsen ist oder es noch nie anders erlebt hat, macht man sich darüber keine Gedanken, doch mit ein bisschen Abstand sieht man, dass das unfassbar ist, was wir mittlerweile als normal bzw. selbstverständlich ansehen und wie viel Müll jeder von uns jeden Tag produziert. 
Natürlich sind wir in einer Gesellschaft, in der fast jedes Lebensmittel (aber nicht nur Lebensmittel, sondern auch alle anderen Produkte) mit Verpackung verkauft wird, trotzdem könnte eigentlich jeder von uns ohne großen Aufwand etwas dagegen unternehmen. 
Es macht zum Beispiel einen Unterschied, ob man das Gemüse auf dem Markt bzw. auf einem Hofladen oder im Supermarkt mit viel Verpackung kauft. Dazu kommt, dass dies auch einen Unterschied für die eigene Gesundheit macht. Oder ob man Lebensmittel, die man sowieso häufiger braucht, wie z.B. Joghurt oder Käse, in großen Verpackungen oder in kleinen Einzelverpackungen kauft. 
Jeder kann selbst entscheiden, ob er an der Kasse eine Plastiktüte kauft, oder ob er einen mitgebrachten Stoffbeutel verwendet. 
In Ruanda zum Beispiel sind Plastiktüten schon seit Jahren verboten, was der Umwelt sehr zu gute kommt und Kigali, die Hauptstadt gilt sogar als sauberste Hauptstadt Afrikas. Kenia folgt diesem Beispiel jetzt und hat nun auch Plastiktüten verboten. Was das angeht sind uns diese Länder schon einen großen Schritt voraus! 
Beim Grillen auf Einweggeschirr zu verzichten und stattdessen auf wiederverwertbares Geschirr zu setzten ist ebenfalls für jedermann möglich. Auch auf billige Wegwerfprodukte wie z.B. Plastikspielzeug kann man weitestgehend verzichten. 
Dies sind nur einige Beispiele, die leicht umsetzbar sind und durch die jeder mithelfen kann, etwas reflektierter mit unserer Welt umzugehen. 


Lebensstandard: Ruanda vs. Deutschland 


Ich habe hautnah mitbekommen mit wie wenig Menschen anderswo auf der Welt auskommen müssen. 
Allein mit diesen Dingen, die sich beim Flug nach Ruanda in meinem Koffer befanden, hatte ich mehr Besitz als die meisten Menschen in Ruanda. Auch in unserer Wohnung befand sich nicht viel; ein Bett und ein Regal für jeden, ein paar Wohnzimmer -und Küchenmöbel, doch selbst das war mehr als die meisten Menschen dort besaßen. 
In Ruanda haben viele Menschen noch nie im Leben eine richtige (finanzielle) Sicherheit erlebt oder oft trotz Job die eigene Familie nicht ernähren können, da sie entweder nicht oder zu gering bezahlt wurden.
Der Arbeitsmarkt ist so schlecht, dass es Unmengen an Arbeitslosen gibt und man quasi von einem Tag auf den anderen auf der Straße landen kann.

Wenn wir in Deutschland über wenig finanzielle Mittel verfügen, können wir uns vielleicht keinen Urlaub leisten können, keinen Flachbildfernseher, oder ein Smartphone. Dass wir anstatt 30 Schuhpaaren "nur" 3, anstatt 10 Jacken nur eine oder anstatt Markenkleidung auf Secondhandware angewiesen sind. 
In Deutschland muss viel passieren, dass man trotz der Bereitschaft zu arbeiten, auf der Straße landet. Bei uns gibt es staatliche Unterstützung für arbeitslose, arbeitsunfähige oder körperlich beeinträchtigte bzw. kranke Menschen, dies gibt es sogar für Familien, Kinder, Schüler oder Studenten, für Alte, Kranke, Witwen und Waisen. 
Wir meckern oft, doch uns ist in keinster Weise bewusst wie hoch unser Lebensstandard eigentlich ist und wie gut es uns eigentlich geht. 

Ich will mit diesen Worten natürlich weder die ruandische noch die deutsche Lebensweise verallgemeinern, doch ich wollte aus meiner Perspektive beschreiben, wie markant ich die Unterschiede in den beiden Ländern wahrgenommen habe. 
Natürlich habe ich es überspitzt dargestellt, denn ihr wisst selbst, dass es auch bei uns Menschen gibt, die um ihre Existenz kämpfen müssen oder sogar auf der Straße leben. Gleichermaßen gibt es in Ruanda aber auch überaus wohlhabende Menschen. Doch ich habe versucht die durchschnittlichen Lebensweisen in beiden Ländern zu beschreiben.

Aufwachen


Ich hoffe ihr habt nach diesem bedrückenden Text überhaupt noch Lust weiter zu lesen. 
Das Ziel des Textes war nicht, dass ihr euch nun tagtäglich von Gewissensbissen quälen lasst, sondern ich habe eher beabsichtigt, die Wachsamkeit bzw. die Sensibilität unserer Gesellschaft ein wenig zu erhöhen, um nicht mehr ganz so "blind" zu sein, wie wir es vorher waren, indem wir dachten, dass die Realität, in der wir leben überall auf der Welt existiert. Oder indem wir gar nicht erst darüber nachdachten wie Menschen aus dem globalen Süden wohl leben.   
Ich hoffe, dass wir nun diesen Tunnelblick, mit dem wir nur unser eigenes Leben und unsere eigenen Probleme betrachten, ein Stück weit ablegen können und uns nun auch bewusster darüber sind, dass die Art wie wir leben bei weitem kein Standard auf der ganzen Welt ist. 

Das größte Ziel was ich persönlich mir gesetzt habe, ist aufzupassen, diesem Konsumdenken nicht wieder komplett zu verfallen und stets kritisch und reflektiert bleiben zu können; selbst als Teil dieser Gesellschaft. 

Ich habe aber auch den großen Wunsch, dass ich mit dieser Einstellung nicht die einzige Person bleibe, sondern dass mehr Menschen und irgendwann alle, ihre Augen öffnen werden und merken, dass dieser Egoismus falsch ist und dass jeder Einzelne beginnt, etwas dagegen zu unternehmen. 

Falls sich das irgendjemand von euch auch noch mal durch den Kopf gehen lassen möchte. 
Vielleicht sogar mal auf einen Restaurant- oder Kinobesuch verzichten möchte und das Geld das man dafür verwendet hätte, lieber mit Herz weitergeben möchte, kann sich nochmal diesen Artikel (einfach gelbe Schrift anklicken) durchlesen. 
Ihr könnt euch dann sehr gerne bei mir persönlich per Mail (rebekka.ha@hotmail.de) melden um alles weitere zu besprechen. 


Jetzt noch ein paar abschließende Worte zu meinen Spendern, Lesern, Interessenten, Freunden und Bekannten: 


Liebe Leute, 

ich entschuldige mich nochmal vielmals dafür, dass ich den Blog in den letzten Monaten sehr schleifen ließ und euch nicht mehr regelmäßig über alles informiert habe. Doch so ein Eintrag (selbst wenn es nicht so wirkt) ist auch mit etwas Zeitaufwand verbunden und ich wollte nicht einfach schnell irgendetwas verfassen damit es erledigt ist, sondern versuchen, zumindest inhaltlich, auch etwas qualitativ Hochwertiges zu schreiben (ich weiß aber nicht, ob mir das immer gelungen ist haha).  
Ich hoffe ihr seid mir deswegen nicht mehr böse, vielleicht konnte ich dies ja sogar mit diesem Eintrag ein Stück weit wieder gut machen. 

Es war mir aber auch noch wichtig nochmal für alle zu sagen, dass ich sehr gerne meine Erlebnisse und Erfahrungen, die ich in Ruanda gemacht habe veröffentlicht habe, doch ihr solltet immer im Hinterkopf behalten, dass das alles aus meiner Perspektive beschrieben war und dass andere Menschen, die auch in Ruanda gewesen sind, sogar mit gleicher oder ähnlicher Arbeitsstelle ganz andere Dinge wahrnehmen bzw. erleben können, als ich es getan habe. Ich will auf keinen Fall als Ruanda-Expertin angesehen werden und schon drei Mal nicht als Afrika-Expertin, denn in Afrika gibt es 55 Länder und ich habe in einem davon ein Jahr lang gelebt und zwei weitere bereist. 

Vorerst war dies nun mein letzter Post, trotzdem bin ich mir noch nicht sicher, ob ich mich nicht doch noch mal hier melden werde, falls ich Mitteilungsdrang haben werde oder etwas Erzählenswertes erleben werde. 

Jedenfalls verabschiede ich mich jetzt schon mal für die nächste Zeit von meinem Blog und bedanke mich auch herzlich bei allen für das Lesen meiner Einträge. 

Das größte Dankeschön geht aber an meine Spender, ohne die das Jahr und alles was damit zusammen hängt, gar nicht erst möglich gewesen wäre. Ich bin euch/Ihnen von Herzen dankbar dafür.


Ich bedanke mich aber auch bei allen, die mich nicht groß finanziell, sondern mental unterstützt, vorbereitet und bestärkt haben. 
Dieses Jahr war das beste, prägendste und erfahrungsreichste Jahr meines Lebens!

Viele liebe Grüße und bestimmt bis irgendwann mal,
eure Rebekka 



Last but not least a very short summary in English: 

One year full of unforgettable impressions already ended...

This year was more than just an experience, this year let me see the world with different eyes. This year let me develop my character and gave me improtant things for my personal life.

This year was the best year of my life.

I have never been so sad and thankful at the same time in my life, have never cried so much before leaving. 

I gave a lot but I got back way more than that.


G O O D B Y E       R W A N D A 








Mittwoch, 21. Juni 2017

Besuch von Marie 10.5. - 31.5.

In den letzten drei Mai-Wochen habe ich eine geniale Zeit erlebt, denn (für die "Faulies" unter euch, die meinen letzten Blogeintrag noch nicht gelesen haben) ich habe meinen ersten und gleichzeitig auch letzten Besuch aus Deutschland bekommen, von Marie, meiner Freundin aus Deutschland.


Begonnen hat das Ganze damit, dass Marie ca. 2 Stunden alleine am Flughafen warten musste, bevor die Pünktlichkeit-in-Person namens Rebekka auftauchte.

Ich war den ganzen Tag schon total aufgeregt, dass ich einer Person meines engsten Kreises nun endlich mein Leben in Ruanda zeigen kann, doch ausgerechnet an diesem wichtigen Tag, kamen eine Reihe von Ereignissen nacheinander, die bewirkten dass ich zu spät kam: 
Ich musste länger als geplant in der Arbeit bleiben, außerdem wurde zu allem Unglück einige Tage vorher eine neue Geschwindikeitsbegrenzung für die Strecke nach Kigali festgelegt, von der ich bis dato nichts wusste und ich habe ausgerechnet einen "Bimmelbus" erwischt, der gefühlt alle 10 Minuten anhielt, um Menschen aus- und einzuladen. Aber zum Thema Bimmelbus später mehr. Jaja immer diese Ausreden.

Das Wiedersehen war für mich überhaupt nicht "komisch" in dem Sinne, dass wir uns seit neun Monaten nicht mehr gesehen hatten und dass eine alte Freundin nun in meinem neuen Leben auftaucht, für mich war es wirklich so, als hätten wir uns gestern das letzte Mal gesehen.
Das lag bestimmt auch daran, dass Kigali und vor allem der Flughafen, nicht mein zu Hause ist. Wäre sie einfach so in Musanze aufgetaucht, wäre das bestimmt nochmal "unrealer" gewesen. 

Vom Flughafen aus habe ich Marie dann sofort ins kalte Wasser geworfen, ich habe ihr nämlich offenbart, dass wir nun das Moto nehmen werden, um zu unserem Schlafplatz zu kommen. 
Trotz anfänglichem Misstrauen, hat sie die erste Moto-Fahrt ihres Lebens super gut gemeistert und sogar richtig lieben gelernt. Moto-Fahren ist toll!! 


Marie auf dem Moto 


Unsere gemeinsame Zeit lässt sich grob in vier Teile gliedern:

1. Die ersten zwei Tage in Kigali, waren wie bei mir damals ein langsames Ankommen in dem fremden Land. Vor allem Kigalis Innenstadt ist ja auch wirklich ganz anders als der Rest Ruandas. Gemeinsam haben wir die wichtigsten Spots nochmal angeschaut (Innenstadt, Märkte, Jumelage und Genocoide-Memorial).
Schon am ersten Tag haben wir mal wieder (da dies nun unser dritter gemeinsamer "Urlaub" war) festgestellt, dass wir komplett auf einer Wellenlänge sind.


Auf dem Dach des Ubumwe Hotels


2. Die Hochzeit bzw. La dotte (Mitgiftfeier), war, obwohl wir so viele tolle Dinge erlebt haben, unser großes Highlight. 
Diese hatte bereits einen lustigen Start, bevor sie überhaupt angefangen hatte. 
Kurz vorher erfuhr ich nämlich von meinen Freunden, dass zwei von den vier "Filles d'honneur" (was so etwas wie die Brautjugfern des Bräutigams sind) kurzfristig ausfielen und man somit sofort an uns gedacht hat (ich hatte Marie Besuch natürlich bereits angekündigt).

Am Sonntagmorgen wurden wir von der ganzen Crew mit unseren Brautjunfer-Gewändern, den so genannten "mishananas" abgeholt. Nach drei Stunden "Sardinen-Fahrt" (in einem "Minibus" eingequetscht hoch 10, ich saß sogar zwischen zwei Sitzen, wobei der eine höher war als der andere) kamen wir dann am Wohnort der Eltern der Braut an. 
Es waren zwei große Zelte aufgebaut, eines für die Familie und Freunde der Braut und das andere für die des Bräuigams (wo wir ebenfalls drin saßen). Die beiden Sprecher (aus jedem Zelt einer) diskutierten nun über die Mitgift, die Anzahl der Kühe, die der Bräutigam an die Familie der Braut zahlen muss. Als sie sich auf acht geeinigt hatten, bekam man die Braut das erste Mal zu Gesicht. Danach kam unser Part.
Wir hatten natürlich keinen Plan von alledem und waren auf die Anweisungen der anderen beiden Mädels angewiesen. So wurden wir irgendwann nacheinander losgeschickt. Selbstverständlich endete dies dann so, dass ich meine Anweisung nicht verstand und gefühlt fünf Minuten lang versucht habe herauszufinden wo ich mit meinem Geschenk hinlaufen sollte als ich schon längst dran war und Marie ihr Geschenk an eine falsche Frau überreicht hat. Ich dachte wir hätten uns jetzt komplett blamiert, doch die anderen schienen es gar nicht bemerkt zu haben oder fanden es nicht der Rede wert, denn uns wurde nue ein "Daumen hoch" gezeigt als wir fertig waren.
Danach forderte uns der Moderator der Feier auf mit unseren männlichen Partnern, vor ALLEN Gästen zu tanzen. Wir waren aber nicht die Einzigen, die nicht tanzen konnten (Puh!). 
Zum Schluss wurde getrunken und gegessen und wir als "Staff" durften uns natürlich als erste beim Buffet bedienen. 

Vor der Hochzeit mit unseren Geschenken und den zwei anderen "Filles d'honneur" 

Im Bus 






3. Erschöpft aber glücklich kamen wir dann in meinem Wohnort an, wo die Einführung in mein Leben in Musanze begann. 

Ich machte sie bekannt mit den für mich wichtigsten Orten und Menschen, zeigte ihr meine Arbeit in der Schule und meine Freizeit. Das war mit Abstand der wichtigste und Teil des Besuches für mich und so weit ich weiß für Marie ebenfalls. Es war eine bunte Mischung aus die-Zeit-zu-Hause-genießen und die Stadt, die Schule und die Menschen zu sehen, jedoch machten wir auch einen Ausflug nach Gisenyi, wo wir eine Bootstour zur kongolesischen Grenze unternahmen und bei den Hot-Springs waren (wovon ich bereits letztes Jahr berichtet habe).



Marie schaut mir beim Unterrichten zu


Bootstour auf dem Kivusee

Hotsprings Gisenyi








In der Schule mit 






4. Die letzte Etappe war dann die Reise in der Reise für Marie, unser einwöchiger Urlaub in Uganda, der zur Hälfte aus einer Backpacker-Tour bestand. 

Bevor es losging hatten wir uns lediglich für Kampala (Ugandas Hauptstadt) einige Dinge aufgeschrieben, alles andere entschieden wir spontan vor Ort. 


        1) Nach 11 Stunden Fahrtzeit kamen wir in Kampala an und gingen dann schlafen, als wir bereits das erste Krähen eines Hahnes im Nachbargarten hörten. Drei Tage lang nächtigten wir bei vier Freiwilligen und erkundeten tagsüber die Stadt. Der Owino-Market zählt zu den größten Second-Hand Märkten Ostafrikas, eine angenehmere Alternative zum Einkaufen waren für uns aber die Green Shops, welche vom System her, abgesehen von den Preisen, mit normalen (Second-Hand) Kleidungsläden aus Europa vergleichbar sind und man zur Abwechslung mal Zeit zum Aussuchen und Anprobieren hat und nicht alle 2 Minuten Dinge angedreht bekommt.




Gaddafi Moschee

Wir mussten uns verschleiern, um eintreten zu dürfen 



Direkt in der Nähe unseres Schlafplatzes befand sich der Baha'i Tempel, ein Fleckchen Natur mitten in Kampala, ein super Ausgleich zu dem munteren und lauten Treiben dieser anstrengenden Stadt. Am selben Tag besichtigten wir außerdem die Gaddafi Moschee und den Fruit Market Kampalas.

Baha'i Tempel

Den Donnerstag verbrachten wir in dem sehr schicken Monyonyo Speke Resort, welches sich direkt am Lake Victoria befand. In diesem Resort befand sich ebenfalls ein Pferdestall, wodurch wir darauf eigentlich aufmerksam wurden. 
Nach einem gemütlichen Austritt ließen wir den restlichen Tag am Pool, so richtig Touri-mäßig ausklingen.   



       2) Am nächsten Tag frühmorgens machten wir uns auf nach Jinja, der zweitgrößten Stadt Ugandas, die wirklich staubig war! Hier verbrachten wir den ganzen Tag im Nile River Explorers, wo wir Stand-up-Paddeling und Kayaking, inklusive schwimmen im Nil waren. 
Als es schon dunkel war, schauten wir uns noch die Stadt by night an, da es am nächsten Tag frühmorgens wieder zurück nach Kampala ging, um von dort aus den Bus nach...

Der Nil

      3) ... Entebbe, die Stadt am Viktoria See mit Ugandas Flughafen, zu nehmen. Hier verbrachten wir den Tag am Strand des Viktoria Sees, ohne zu wissen, wie wir von dort aus weiter reisen wollten. 
Spontan fanden wir für die Nacht dann ein Guest House und fuhren dann am nächsten Morgen mit einer Mini-Fähre an das gegenüberliegende Ufer des Viktoria Sees. 


Lake Victoria



    4) Unser eigentlicher Plan war eigentlich, von Entebbe aus irgendwie zum Lake Bunyonyi zu kommen. Die Fahrt war jedoch länger als gedacht und es hat immer relativ viel Zeit gebraucht, einen Anschlussbus zu finden, also fuhren wir von Mpigi aus (die Stadt in der Nähe des gegenüberliegenden Ufer) nach Masaka und von dort aus nach Kabale, wo wir händeringend nach einem Bus zur Grenze nach Ruanda gesucht haben. Diese Busfahrt, dicht gefolgt von der Fahrt nach Entebbe, war mit Abstand die abenteuerlichste, oder auf gut deutsch die schrecklichste Busfahrt unserer Reise. In Uganda befinden sich auf den Straßen überall "Speed bumbers", die die Geschwindigkeit der Fahrer regulieren soll, undzwar meistens fünf hintereinander. Wir saßen direkt AUF dem Hinterrad und wurden alle 2 Minuten gefühlt 2 Meter in die Luft geschleudert wo wir uns sämtliche Körperteile anstießen und die Fenster sich im Minutentakt von alleine öffneten und uns zu Eisklötzen machte. Dahingegen würde uns dann bewusst, dass die 40km-Fahrt von Kampala nach Entebbe eine 4-Sterne-Fahrt war, es dauerte zwar ca. 1,5 Stunden und in der Rekordzeit wurden alle 10 Sekunden Leute raus- und reingelassen, doch wenigstens konnten wir auf unseren 4-Buchstaben sitzen bleiben. 
Als wir dann kurz vor unserem Ziel waren und uns wenige Kilometer vor der Grenze befanden, war der Bus an seiner Endhaltestelle angekommen und uns wurde dringlichst davon abgeraten bei Nacht weiter mit dem Boda Boda (Motos in Uganda) zur Grenze gefahren und nebenbei bekamen wir mit dass diese um 1 Uhr nachts sowieso schon geschlossen sei. 

So kurz vor dem Ziel.

Warten auf den Bus

Im Bus

Jedenfalls verbrachten wir die letzte Nacht dann noch in einem sehr günstigen Hostel (3,50€ pro Person mit Frühstück) und gingen dann am nächsten Tag mit frischer Energie über die Grenze. 

Unser Abenteuer Uganda nahm somit ein Ende. Wir waren das perfekte Team. Jeder Tag war anders und abwechslungsreich. Doch ich war überglücklich als wir wieder in Musanze ankamen und auch Marie meinte dass sie in Musanze auch ein Stück "Heimatfeeling" hatte.


Die drei Wochen waren gänzlich anders, als ich mein Leben hier bisher erlebt hatte. Maries Besuch hat mir (und umgekehrt sicherlich auch) in jeglicher Hinsicht viel gegeben: Ich konnte mein Leben einer für mich sehr wichtigen Person hautnah zeigen, wodurch sie ihre Eindrücke wiederum an meine Familie weitergeben kann (und bereits getan hat), durch ihre Wahrnehmungen hatte ich die Gelegenheit Dinge, die für mich schon alltäglich geworden sind, nochmal mit anderen Augen zu sehen, außerdem war es auch unglaublich schön Maries Eindrücke zu hören, wie sie mich in Ruanda wahrgenommen hat. Sie meinte, dass diese ganze Situation: das Land, die Arbeit etc. so gut zu mir passt und so stimmig ist, was mich unglaublich gefreut hat, dies aus dem Mund einer anderen, super wichtigen Person für mich zu hören. 

Trotzdem habe ich nach ihrer Abreise wieder erstmal einige Tage gebraucht, um wieder in den Alltag und das Leben reinzukommen und ganz das Gefühl des "Hier-Wohnens" zu bekommen und die kleine innerliche Verwirrung zu verlieren, da ich mich während der Zeit und des Urlaubs oft auch wie ein Tourist gefühlt habe und auch einige Male sehr an Deutschland erinnert wurde (wenn ich zum Beispiel unter einer heißen Dusche stand oder als wir durch das Ruwenzori-Gebirge gefahren sind, das von der Landschaft her dem Schwarzwald sehr geähnelt hat). 
Das Reisen war wundervoll und eine tolle gemeinsame Erfahrung, doch ich bin hier hergekommen, um hier zu leben und nicht um zu reisen oder Touri-Hotspots zu besichtigen, denn das war auch bisher das, was mich am meisten geprägt hat. 

Alles in allem haben wir wirklich "Qualy-Time" miteinander verbracht, was uns beiden sicherlich viel gegeben hat.



Bald kommt ein Blogeintrag darüber, wie ich meinen Geburtstag in Ruanda gefeiert habe.