Mittwoch, 22. Februar 2017

Meine letzten Erlebnisse (Bildungsprojekt, Zwischenseminar, Theateraufführung, Beerdigung und Schulfeste)

Ich glaube, das könnte sich etwas schwierig gestalten, die letzten Wochen, in denen SO viel passiert ist, in einem Post zusammenzufassen. In letzter Zeit fand ein Ereignis nach dem anderen statt, sodass ich abends meistens völlig erschöpft, wie ein Stein, ins Bett fiel und es am nächsten Morgen einfach so weiterging.

Es gibt einige Ereignisse von denen ich euch im Folgenden gerne berichten werde:


Meine neueste Innovation - ein Fahrrad 

Also zuallererst eine ziemlich coole Neuigkeit (ich hoffe ich wiederhole mich nicht), seit Dezember bin ich eine stolze Fahrradbesitzerin. Enock hat mir geholfen ein ziemlich gutes Mountainbike für ca. 100.000 Franc zu bekommen. Ich finde das war eine ziemlich gute Innovation!
So bin ich einerseits unabhängig von den Motos (obwohl das eigentlich nicht so das Problem wäre, die gibt es nämlich ÜBERALL), doch ich halte mich gleichzeitig auch noch ein bisschen fit.
Ganz hoch zur Schule bin ich bisher noch nicht gefahren, weil das kontinuierlich bergauf geht und allein schon mit den Motos um die 20 Minuten dauert, aber ich fahre bis zu der Straße, die nach Kinigi führt (und Nyange liegt auf dem Weg). Von dort aus nehme ich dann je nach dem, ob einer kommt oder nicht, den Bus oder das Moto. Zurück nehme ich wie gehabt die Fahrrad-Taxis. Somit habe ich mir auch schon mal die Fahrtkosten ein wenig reduziert.

Wirklich witzig sind die Blicke und die erstaunten Rufe der Ruander, wenn ich mit meinem Fahrrad durch die Gegend düse und sie einen "Muzungu" auf dem Fahrrad sehen.

Aktion: Bildung für Dorfkinder 

Das erste größere Ereignis, von dem ich euch berichten möchte fand am 18. Januar statt. Ein Longtrip mit Enock und einem Bekannten von ihm. Dadurch, dass ich beim letzten Trip mit diesem Bekannten nicht so gute Erfahrungen gemacht habe (Nicki und ich waren den ganzen Tag unterwegs, um letztendlich eine Schule für 5 Minuten zu betreten, damit Fotos von uns gemacht werden können, während wir gerade unsere Namen ins Gästebuch eintragen... Weiße Leute mitbringen kommt halt immer gut...), ging ich dieses Mal nicht ganz ohne Vorbehalte ran, doch dieser Trip hat sich als eine super Sache entpuppt.

Wir fuhren mit dem Bus nach Rukeri Village in den Modende Sector (Rubavu District), welches ca. 17 km von Gisenyi entfernt liegt, der Stadt am Kivusee, in der ich auch schon einige Male war.
Von dort aus mussten wir dann erstmal noch 5 km zu Fuß zu dem "Umudugudu" laufen, da es dorthin keine geteerten oder befahrbaren Straßen gibt. Zurück ging es dann nochmal genauso lange...eine kleine Wanderung durch die grüne Natur, was mir ziemlich gut gefallen hat :)

In diesem Dorf leben ungefähr 300 Menschen inklusive etliche Kinder in ärmlichen Verhältnissen, die nicht zur Schule gehen. Dadurch, dass sich der Staat bisher noch nicht um diese Menschen gekümmert hat wollte Enocks Bekannter, zusammen mit sämtlichen Chiefs, Verantwortlichen und hochstehenden Menschen etc. des Dorfes und der Umgebung eine Rede halten, um die Eltern zu überzeugen, ihre Kinder in die Schule zu schicken.
Bei dieser Aktion war ich natürlich Feuer und Flamme, weil dies wirklich auch etwas ist, das mir am Herzen liegt. Bildung ist zwar nicht alles, doch hauptsächlich dadurch kann der Teufelskreis der Armut durchbrochen werden.
Jeder von diesen Leuten hielt zu Beginn eine kleine Rede mit Gründen, warum es wichtig wäre, die Kinder in die Schule zu schicken und als Abschluss haben dann die Frauen auf traditionelle Art getanzt, gesungen und geklatscht. Selbst ich durfte einige Sätze sagen und vor diesen Menschen eine kleine Rede halten, die dann übersetzt wurde. Für mich war das natürlich eine große Ehre, doch trotzdem ist mir klar, dass ich dieses Privileg (wie so viele andere) nur hatte, weil ich weiß bin, aus dem reichen Europa komme und ich deshalb von den Menschen einen unglaublich großen Respekt entgegengebracht bekomme.  Mein letzter Blogeintrag zum Thema "Weißsein in Ruanda" hier klicken

Die Eltern beim Tanzen
Die Kinder des Dorfes 





...Übrigens habe ich erfahren, dass tatsächlich zu Schulbeginn am 23. Januar, 88 Kinder des Dorfes, das erste Mal zur Schule gingen. Ein voller Erfolg also!







Zwischenseminar 

Das Zwischenseminar, welches vom 23.1.17 bis zum 27.1. in Gisenyi stattfand, ist der nächste größere Punkt, von dem ich berichten möchte. Dieses Seminar fand für die Freiwilligen von Volunta (unsere deutsche Entsendeorganisation), mit denen ich auch schon in Deutschland auf dem Vorbereitungsseminar war, statt.

Um jetzt gleich schon mal eines vorwegzunehmen: Das Seminar war genau so ein Seminar, wie jedes Seminar sein sollte. Es war wunderbar und hat seinen Zweck erfüllt! Dies lag aber ganz sicher zu einem großen Teil an unserem tollen Seminarleiter, der mittlerweile Master-Lehramtsstudent ist und damals selbst einen Freiwilligendienst in Lateinamerika absolviert hat.
Der Ort des Seminars (wunderschöne Natur direkt am Kivusee) war auch genau richtig gewählt, perfekt um seine Gedanken schweifen zu lassen.

Insbesondere die ersten Tage des Seminars waren super. Man hatte wirklich die Gelegenheit, die vergangenen sechs Monate anhand von Aufgaben/ Übungen zu reflektieren und hatte sogar noch viel Zeit für sich selbst nachzudenken.
Auch ich kam innerhalb dieser knappen Woche zu vielen (Selbst-)Erkenntnissen.

Unter anderem wurde mir bewusst, wie stark meine Liebe zu meinem ruandischen Leben geworden ist und dementsprechend, wie gering meine Motivation geworden ist, wieder nach Deutschland zurück zu kommen.
Mein Leben in Freiheit gebe ich nur ungern wieder auf und etwas Theoretisches zu tun und nur am Schreibtisch bzw. in der Uni zu sitzen und zu lernen ist für mich unvorstellbar, wenn ich sehe wie viel ich bei den Kindern bewirken kann und mit wie viel Engagement und Leidenschaft ich diese Arbeit tue. Aber das Studieren stellt nun mal die nächste Episode meines Lebens dar...

Der Seminar-Plan

Der Kivusee



Unser Hotel

Seminarinhalte, die ich in mein Tagebuch geklebt habe


Der Garten beim Hotel
















Schul-Festival (Sport-4-Peace) mit Theater-Aufführung

Pyramidenbauen
Das kleine Festival am 4. Februar an unserer Schule, das ich zusammen mit Enock und Honoré (der Sport und Disziplin-Lehrer unserer Schule, auf dessen Mitgift-Feier wir waren) organisiert habe war mein Highlight der letzten Monaten.
Honoré war beim Sport-4-Peace Training der Jumelage in Kigali dabei und hat sich somit um den sportlichen Teil des Festivals gekümmert. Ich habe mit den Kindern ein Theaterstück über den Räuber Hotzenplotz (robber Hotzenplotz auf Englisch) eingeübt, welches wir vorher als Lektüre gelesen hatten und Enock hat sich um die gesamte Organisation gekümmert. Angefangen von Essen, Trinken, Soundsystem, Sitzgelegenheiten bis hin zum Einladen der Gäste und dem Organisieren der Kinder.

Zwei andere Freiwillige aus Musanze, mittig mein Schüler, der den Räuber Hotzenplotz gespielt hat
Zu Beginn lief es ein wenig chaotisch ab, da die Gäste kamen und keiner etwas über den Ablauf wusste, doch ich kann es immer noch nicht glauben wie schön es sich entwickelt hat. Zu Beginn spielten die Kinder Sportspiele des Sport-4-Peace Programms, die Kinder haben auch Akrobatik gezeigt (wie Pyramiden bauen, Räder, Handstände etc.) danach wurden einige kleinere Spiele zusammen mit den Eltern und anderen Gästen gespielt und danach kam unser Theaterstück.

Willi Meckes, unser "Ehrengast" aus Deutschland und auch alle anderen Gäste (Kinder aus der Umgebung, sämtliche Schulleiter, Chiefs, Geistliche und vor allem auch die Eltern der Batwa-Kinder) konnten ihre Begeisterung über das Theaterstück und die anderen Aktivitäten nicht in Worten ausdrücken.
Ich war unglaublich stolz auf "meine" Kinder und hatte selbst unglaublich viel Spaß daran.
Mit meinen Theater-Kids




Bei den Theaterproben


Akrobatik pur 



Eine kleine Szene aus dem Theaterstück




Beerdigung

Ein nicht ganz so schönes Thema muss ich auch noch ansprechen, da dies auch zu meinen Erlebnissen der letzten Wochen gehört.

Der Junge (vorne)
Letzte Woche am Mittwoch Abend (8.2.) bekam ich von Enock eine Nachricht, in der es hieß, dass letzte Nacht ein Elternteil eines Kindes gestorben sei. Am nächsten Tag in der Schule erzählte er mir dann die ganze Geschichte.
Es ging um den Vater von einem unserer "kleinen" Kinder. Die Familie hätte seinen Körper in der Nacht in der Nähe des Hauses gefunden und entdeckt, dass sein Körper wohl mit mehreren Machete-Hieben getroffen wurde. Da es sich offenbar um einen Mord handelte, nahm die Polizei seinen Körper mit, doch der Täter wurde bis jetzt noch nicht identifiziert.
Obwohl ich die Familie nicht kannte und auch zu dem Jungen nicht so viel zu tun hatte, wollte ich der Familie irgendwie trotzdem mein Mitgefühl zeigen. Außerdem bedeutet das für Familien mit solch wenigen finanziellen Mittel fast der finanzielle Ruin.
Also haben Enock und ich das Fahrrad geschnappt und sind von unserer Schule aus (Nyange) in das Center von Kinigi gefahren (was wirklich wirklich anstrengend war und ziemlich lange gedauert hat). Dort auf dem Markt habe ich dann erstmal 2 kg Bohnen, Reis und Mais für die Familie besorgt, damit sie wenigstens für die Anfangszeit eine kleine Unterstützung haben. Für die Kinder haben wir dann noch Süßes (Bonbons, Lutscher, etc.) besorgt und für den Jungen eine neue Hose und ein T-Shirt. Das war wirklich das Mindeste, was ich hätte machen können.

Nach unserem Marktbesuch haben wir uns weiter auf dem Weg zu dem Haus der Familie gemacht. Weiterhin bergauf.
Als wir dann dort ankamen war schon die ganze Nachbarschaft um das Haus der Familie versammelt und genau in dem Moment kam auch das Auto mit dem Leichnam an. Wir kamen gerade rechtzeitig zur Beerdigung.
Dadurch dass es hier kaum Friedhöfen gibt, war im Garten schon ein großes Loch ausgehoben. Der Leichnam wurde in einem selbstgebauten Holz-Sarg mit Plastikfolie als Bedeckung transportiert.
Dadurch dass die Familie nicht bei der Kirche war (äußerst ungewöhnlich für Ruander, doch in manchen Fällen auf Dörfern schon häufiger anzutreffen) kam auch kein Pfarrer, sondern nur der Chief des Dorfes. Dieser hielt eine kleine Rede, während sich die engste Familie des verstorbenen Vaters im Haus aufhielt.
Der Junge war erst gar nicht da und Enock meinte, dass dies wahrscheinlich zu viel für ihn gewesen sei und er deswegen nicht dabei sein wollte. Aber auch ich empfand tiefes Mitgefühl für diese Familie und musste auch schwer mit den Tränen kämpfen.
Währenddessen wurde der Sarg in die Erde gelassen und wieder mit Erde bedeckt. Zum Schluss wurden von Familienangehörigen noch Blumen darauf verteilt. Als dies zu Ende war fragte mich der Chief, ob ich noch etwas zu sagen hätte (natürlich die einzige Weiße) und alle Augen richteten sich auf mich.
Ich fand dies nicht ganz so angebracht, weil ich die Familie und vor allem den Vater nicht persönlich kannte und nur weil mir hier aufgrund meiner Hautfarbe (siehe "Die Behandlung von Weißen ...und wie wir hier als etwas Besseres gelten") ein unglaublich großer Respekt entgegengebracht wird, fand ich nicht, dass ich das Recht hatte, eine große Rede zu schwingen. Also überbrachte ich nur mein Beileid und wünschte der Familie viel Kraft und Hoffnung und dass sie sich nicht zu sehr von der Trauer lähmen lassen.
Am Ende gingen wir noch ins Haus, um der Familie das Geschenk zu überbringen und dort sah ich dann, wie jung die Frau des verstorbenen Mannes war. Sie sah so aus, als wäre sie im gleichen Alter wie ich gewesen, wenn nicht sogar etwas jünger und hatte noch ein kleines Baby auf dem Rücken. Ich habe dann erfahren, dass ihr Mann 20 Jahre alt wurde. Zur Erinnerung, ihr ältester Sohn ist acht Jahre alt! In Ruanda ist das Heiraten für Frauen eigentlich erst ab einem Alter von 21 Jahren erlaubt, aber an diese Regel halten sich eigentlich nur die Menschen in den Städten.


Das T-Shirt für den Jungen

Das Grab
























Besuch einer deutschen Schülergruppe 

Genau vor einer Woche, am Sonntag, den 12.2.17 haben uns 15 Schüler und Schülerinnen mit drei Lehrern der neunten und zehnten Klasse einer Realschule aus Rheinland-Pfalz an unserer Schule in Nyange besucht. Erzählt wurde uns, dass diese Reise schon über etliche Monate hinweg geplant und vorbereitet wurde. Und dass die Schüler selbst einen großen Teil der Kosten durch Spendenaktionen usw. finanziert hatten. Letztendlich musste jeder Schüler zusätzlich noch 600€ zahlen. Die Schüler, die dabei waren mussten auch an einem richtigen Bewerbungsverfahren teilnehmen, sodass die verantwortlichen Lehrer wirklich sicher gehen konnten, dass die Schüler für diese Reise geeignet sind. Mir machte es auch wirklich den Eindruck, dass die Schüler wirklich ehrliches Interesse an unserer Arbeit/ unserem Projekt hatten und am Liebsten gleich alle in Ruanda geblieben wären.

Speziell für diesen Anlass haben wir nochmal all unsere Kinder zusammengetrommelt und in die Schule eingeladen. Dadurch dass wir das Theaterstück sowieso noch intus hatten, nahmen wir dies als Gelegenheit, das Können der Kinder nochmals zu zeigen.
Ich denke für beide Seiten war dieses Treffen interessant. Unsere Kinder waren zu Beginn jedoch ziemlich überfordert, als sie diese große "Abazungu"-Gruppe (Mehrzahl von Muzungu) auf sich zukommen sahen. So viele Weiße auf einem Haufen hatten sie noch nie gesehen.
Nach dem Theaterstück spielten einige deutsche Schüler dann noch mit ihnen Fußball, Volleyball und andere kleine Spiele und dann war die Zeit auch schon wieder vorbei.
Als Abschiedsgeschenk bekamen die Kinder dann noch neue Bälle von der Schule geschenkt und Trainigs-Kleidung, worüber sie sich ehrlich und riesig freuten. Richtige Bälle und generell Sport- und Spielmaterialien sind hier leider wirklich Mangelware.




Die Geschenkübergabe

Gemeinsames Tanzen



























Festival in Burera 

Das letzte Ereignis, von dem ich euch erzählen möchte, hat diese Woche Mittwoch (15.2.) stattgefunden. Dieses Festival wurde von unserer Chefin, Soeur Florida, organisiert, die die Arbeit mit den Batwa-Kindern ins Leben gerufen hat, zu der ich aber im Alltag eigentlich nie zu tun habe. Mit Enock arbeite ich tagtäglich zusammen, da er die ausführende Hand von der Schwester ist.

Sie hat diese Feier als Abschiedsfeier für Willi Meckes organisiert, der nun in Rente geht und seit 1988 jedes Jahr in Ruanda war und ziemlich viel Entwicklungshilfe betrieben hat.
Dieses Festival fand an einer anderen Schule, ca. 40 Minuten mit dem Minibus von Musanze entfernt, statt. Wir durften sogar etwa 20 Kinder von unseren Kindern mitnehmen, zwar nur die größeren, doch sie haben sich riesig gefreut. Es war wirklich schön zu sehen und zu hören, wie aufgeregt die Kinder waren, einmal Minibus fahren zu dürfen und einfach mal (wenn auch nur ca. 12 km) raus aus ihrer Umgebung zu kommen. Sie haben große Reisebusse bestaunt und ein Schüler, der im gleichen Alter wie ich ist (weil er bereits für ein paar Jahre arbeiten war und sich dann doch entschieden hat nochmal etwas zu Lernen) meinte ganz stolz: "Rwanda is best country!".

Wie immer auf solchen Veranstaltungen saßen die höher gestellten Personen auf richtigen Stühlen im Zelt und die anderen außerhalb auf dem Boden. Zu den höher gestellten zählten natürlich auch wir Freiwilligen. Es gab Tanz -und Gesangsdarstellungen und sogar unsere Kinder, die das traditionelle Tanzen erst letztes Wochenende bei einem Treffen mit Eltern und Kindern gelernt hatten, durften für einige Minuten vortanzen und Herrn Meckes ein Geschenk überreichen.

Danach wurden die geladenen Gäste (zum Glück auch unsere Kinder) zur Kirche geführt, wo es dann für jeden einen Maiskolben zum Essen gab. Wir als höher gestellte Personen durften wie auf einer Bühne vor den "normalen" Gästen platz nehmen und bekamen sogar noch eine Limonade zum Maiskolben dazu. Die anderen durften uns dabei zusehen wie wir als erste die Getränke und das Essen serviert bekamen.

Tanzvorstellung

Die Busfahrt mit den Kids



Enock mit unseren Kids


Unsere Kids mit Herrn Meckes



Das war's erstmal mit den Erlebnissen. Natürlich gab es noch eine Menge mehr Dinge, doch ich habe mich mal auf diese Anzahl beschränkt. Wie ihr seht war die letzte Zeit sehr sehr ereignisreich und deshalb verging sie für mich sogar noch schneller als davor.
Anfang Januar hat Nicki ihr Praktikum in Kigali in einer Behinderteneinrichtung für Kinder im Bereich der Physiotherapie begonnen und war deshalb auch ziemlich wenig bei mir in Musanze. Mittlerweile ist dies wieder beendet, doch sie möchte nun in Zukunft pro Woche zwei Tage dort in Kigali arbeiten und den Rest der Woche nach wie vor bei mir.




P.S. Falls ihr es nicht aus den ganzen Erlebnissen herauslesen konntet: Mir geht es immer noch super hier und bald werdet ihr auch meinen zweiten Zwischenbericht über meinen aktuellen Gefühlszustand zu lesen bekommen, da ich mittlerweile nun schon über einem halben Jahr in Ruanda lebe.












Weißsein in Ruanda ...und wie wir hier als etwas Besseres gelten


Dieses Thema habe ich bereits in meinem ersten Zwischenbericht, welchen ich auf Englisch verfasst habe, angesprochen und als "Muzungu-Problem" betitelt. Trotzdem wollte ich dies nochmal auf Deutsch ansprechen, da es bestimmt doch einige Nicht-Englisch-Sprachler gibt, die davon gerne erfahren würden.


Einfach nur aufgrund unserer Hautfarbe, die unsere Herkunft offenbart, erfahren wir (damit meine ich die Freiwilligen hier in Ruanda und alle anderen "Weißen", die sich in Ruanda aufhalten) hier so oft eine "andere" Behandlung.
Meistens werden wir zwar im positiven Sinne anders behandelt (im Vergleich zum Rassismus, wo Schwarze wirklich aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert werden), wie z.B. wenn wir im Krankenhaus trotz großer Warteschlange als erste drankommen oder wenn extra für uns Leute aus dem Bus "geworfen" werden, damit wir als Weiße nicht auf den nächsten Bus warten müssen. Doch  trotzdem fühlt man sich total unwohl damit, weil man genau weiß, dass das falsch ist. Wir wissen genau, dass wir nichts "Besseres" als Schwarze sind und nur weil wir eine weiße Hautfarbe haben und aus Europa kommen, haben wir nicht mehr Respekt verdient als andere Menschen.

In Deutschland wäre es beispielsweise nie möglich gewesen, dass ich als Schulabgängerin ohne jegliche Qualifikationen auf so einer wichtigen Veranstaltung, bei der versucht wurde die Kinder eines Dorfes in die Schule zu bringen (siehe Blogeintrag " Meine letzten Erlebnisse ", Titel "Aktion: Bildung für Dorfkinder ") eine Rede hätte halten dürfen und dass meine Aspekte und Gründe dann auch noch so ernst genommen werden.

Dieses unaufhörliche Interesse an uns ist aber auch in den meisten Fällen ziemlich oberflächlich. Beispielsweise werden wir unzählige Male auf der Straße oder an öffentlichen Orten angesprochen/ "angeflirtet", zu Dates eingeladen oder nach unserer Nummer gefragt, selbst von unseren Ärzten, Vermietern, etc. und in den meisten Fällen ist es leider so, dass hier kein ehrliches Interesse an uns als Person besteht, sondern einfach nur die Hautfarbe und die damit verbundenen Erwartungen/ Träume im Fokus stehen.
Zu Beginn war es für uns auch wirklich schwer zu unterscheiden, wer wirklich ehrlich an uns interessiert war und wer andere Hintergedanken hatte. Dies machte es uns unheimlich schwer richtige und ehrliche Freundschaften mit "Locals" aufzubauen.
Dann gibt es auch noch die Sprachbarriere, die es zusätzlich noch schwerer macht, tiefe Gespräche mit Einheimischen zu führen, da wir dafür nicht gut genug Kinyarwanda sprechen und die Englisch- bzw. Französischkenntnisse der Ruander meistens auch dafür nicht ausreichend sind.

Trotzdem war dieses Problem für mich innerhalb der ersten paar Monate viel größer und wichtiger als es jetzt ist. Einerseits habe ich mich ein Stück weit daran gewöhnt, andererseits habe ich (glaube ich zumindest) eine bessere Menschenkenntnis entwickelt, sodass ich in einigen Fällen sofort sagen kann, ob diese Person nur an meiner Hautfarbe interessiert ist oder ob es sich doch lohnen würde, sie näher kennen zulernen.
Ich habe zwar nicht viele, aber mittlerweile gibt es hier wirklich ein paar Leute, bei denen ich merke, dass die Hautfarbe keine Rolle spielt und ich ihnen mein 100%-iges Vertrauen entgegenbringen kann.


... Das nochmal als kleine Wiederholung, da dieses wirklich eines der Themen ist, welches uns als weiße Leute in Ruanda am meisten überhaupt beschäftigt und mit dem wir stark zu kämpfen hatten/ haben. Dadurch dass ich dieses Thema als so wichtig empfinde, wollte ich einen eigenen Blogeintrag mit eigener Überschrift daraus machen, obwohl ich eigentlich geplant hatte, alle meine letzten Erlebnisse in einem Post zu vereinen. Also, für alle, die gerne von den Ereignissen lesen würden (inklusive eine Menge Bilder), die ich in der Zeit seit dem Weihnachts- bzw. Neujahrsurlaub bis jetzt erlebt habe, einfach Hier klicken