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Mittwoch, 22. Februar 2017

Weißsein in Ruanda ...und wie wir hier als etwas Besseres gelten


Dieses Thema habe ich bereits in meinem ersten Zwischenbericht, welchen ich auf Englisch verfasst habe, angesprochen und als "Muzungu-Problem" betitelt. Trotzdem wollte ich dies nochmal auf Deutsch ansprechen, da es bestimmt doch einige Nicht-Englisch-Sprachler gibt, die davon gerne erfahren würden.


Einfach nur aufgrund unserer Hautfarbe, die unsere Herkunft offenbart, erfahren wir (damit meine ich die Freiwilligen hier in Ruanda und alle anderen "Weißen", die sich in Ruanda aufhalten) hier so oft eine "andere" Behandlung.
Meistens werden wir zwar im positiven Sinne anders behandelt (im Vergleich zum Rassismus, wo Schwarze wirklich aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert werden), wie z.B. wenn wir im Krankenhaus trotz großer Warteschlange als erste drankommen oder wenn extra für uns Leute aus dem Bus "geworfen" werden, damit wir als Weiße nicht auf den nächsten Bus warten müssen. Doch  trotzdem fühlt man sich total unwohl damit, weil man genau weiß, dass das falsch ist. Wir wissen genau, dass wir nichts "Besseres" als Schwarze sind und nur weil wir eine weiße Hautfarbe haben und aus Europa kommen, haben wir nicht mehr Respekt verdient als andere Menschen.

In Deutschland wäre es beispielsweise nie möglich gewesen, dass ich als Schulabgängerin ohne jegliche Qualifikationen auf so einer wichtigen Veranstaltung, bei der versucht wurde die Kinder eines Dorfes in die Schule zu bringen (siehe Blogeintrag " Meine letzten Erlebnisse ", Titel "Aktion: Bildung für Dorfkinder ") eine Rede hätte halten dürfen und dass meine Aspekte und Gründe dann auch noch so ernst genommen werden.

Dieses unaufhörliche Interesse an uns ist aber auch in den meisten Fällen ziemlich oberflächlich. Beispielsweise werden wir unzählige Male auf der Straße oder an öffentlichen Orten angesprochen/ "angeflirtet", zu Dates eingeladen oder nach unserer Nummer gefragt, selbst von unseren Ärzten, Vermietern, etc. und in den meisten Fällen ist es leider so, dass hier kein ehrliches Interesse an uns als Person besteht, sondern einfach nur die Hautfarbe und die damit verbundenen Erwartungen/ Träume im Fokus stehen.
Zu Beginn war es für uns auch wirklich schwer zu unterscheiden, wer wirklich ehrlich an uns interessiert war und wer andere Hintergedanken hatte. Dies machte es uns unheimlich schwer richtige und ehrliche Freundschaften mit "Locals" aufzubauen.
Dann gibt es auch noch die Sprachbarriere, die es zusätzlich noch schwerer macht, tiefe Gespräche mit Einheimischen zu führen, da wir dafür nicht gut genug Kinyarwanda sprechen und die Englisch- bzw. Französischkenntnisse der Ruander meistens auch dafür nicht ausreichend sind.

Trotzdem war dieses Problem für mich innerhalb der ersten paar Monate viel größer und wichtiger als es jetzt ist. Einerseits habe ich mich ein Stück weit daran gewöhnt, andererseits habe ich (glaube ich zumindest) eine bessere Menschenkenntnis entwickelt, sodass ich in einigen Fällen sofort sagen kann, ob diese Person nur an meiner Hautfarbe interessiert ist oder ob es sich doch lohnen würde, sie näher kennen zulernen.
Ich habe zwar nicht viele, aber mittlerweile gibt es hier wirklich ein paar Leute, bei denen ich merke, dass die Hautfarbe keine Rolle spielt und ich ihnen mein 100%-iges Vertrauen entgegenbringen kann.


... Das nochmal als kleine Wiederholung, da dieses wirklich eines der Themen ist, welches uns als weiße Leute in Ruanda am meisten überhaupt beschäftigt und mit dem wir stark zu kämpfen hatten/ haben. Dadurch dass ich dieses Thema als so wichtig empfinde, wollte ich einen eigenen Blogeintrag mit eigener Überschrift daraus machen, obwohl ich eigentlich geplant hatte, alle meine letzten Erlebnisse in einem Post zu vereinen. Also, für alle, die gerne von den Ereignissen lesen würden (inklusive eine Menge Bilder), die ich in der Zeit seit dem Weihnachts- bzw. Neujahrsurlaub bis jetzt erlebt habe, einfach Hier klicken