Mittwoch, 21. Juni 2017

Besuch von Marie 10.5. - 31.5.

In den letzten drei Mai-Wochen habe ich eine geniale Zeit erlebt, denn (für die "Faulies" unter euch, die meinen letzten Blogeintrag noch nicht gelesen haben) ich habe meinen ersten und gleichzeitig auch letzten Besuch aus Deutschland bekommen, von Marie, meiner Freundin aus Deutschland.


Begonnen hat das Ganze damit, dass Marie ca. 2 Stunden alleine am Flughafen warten musste, bevor die Pünktlichkeit-in-Person namens Rebekka auftauchte.

Ich war den ganzen Tag schon total aufgeregt, dass ich einer Person meines engsten Kreises nun endlich mein Leben in Ruanda zeigen kann, doch ausgerechnet an diesem wichtigen Tag, kamen eine Reihe von Ereignissen nacheinander, die bewirkten dass ich zu spät kam: 
Ich musste länger als geplant in der Arbeit bleiben, außerdem wurde zu allem Unglück einige Tage vorher eine neue Geschwindikeitsbegrenzung für die Strecke nach Kigali festgelegt, von der ich bis dato nichts wusste und ich habe ausgerechnet einen "Bimmelbus" erwischt, der gefühlt alle 10 Minuten anhielt, um Menschen aus- und einzuladen. Aber zum Thema Bimmelbus später mehr. Jaja immer diese Ausreden.

Das Wiedersehen war für mich überhaupt nicht "komisch" in dem Sinne, dass wir uns seit neun Monaten nicht mehr gesehen hatten und dass eine alte Freundin nun in meinem neuen Leben auftaucht, für mich war es wirklich so, als hätten wir uns gestern das letzte Mal gesehen.
Das lag bestimmt auch daran, dass Kigali und vor allem der Flughafen, nicht mein zu Hause ist. Wäre sie einfach so in Musanze aufgetaucht, wäre das bestimmt nochmal "unrealer" gewesen. 

Vom Flughafen aus habe ich Marie dann sofort ins kalte Wasser geworfen, ich habe ihr nämlich offenbart, dass wir nun das Moto nehmen werden, um zu unserem Schlafplatz zu kommen. 
Trotz anfänglichem Misstrauen, hat sie die erste Moto-Fahrt ihres Lebens super gut gemeistert und sogar richtig lieben gelernt. Moto-Fahren ist toll!! 


Marie auf dem Moto 


Unsere gemeinsame Zeit lässt sich grob in vier Teile gliedern:

1. Die ersten zwei Tage in Kigali, waren wie bei mir damals ein langsames Ankommen in dem fremden Land. Vor allem Kigalis Innenstadt ist ja auch wirklich ganz anders als der Rest Ruandas. Gemeinsam haben wir die wichtigsten Spots nochmal angeschaut (Innenstadt, Märkte, Jumelage und Genocoide-Memorial).
Schon am ersten Tag haben wir mal wieder (da dies nun unser dritter gemeinsamer "Urlaub" war) festgestellt, dass wir komplett auf einer Wellenlänge sind.


Auf dem Dach des Ubumwe Hotels


2. Die Hochzeit bzw. La dotte (Mitgiftfeier), war, obwohl wir so viele tolle Dinge erlebt haben, unser großes Highlight. 
Diese hatte bereits einen lustigen Start, bevor sie überhaupt angefangen hatte. 
Kurz vorher erfuhr ich nämlich von meinen Freunden, dass zwei von den vier "Filles d'honneur" (was so etwas wie die Brautjugfern des Bräutigams sind) kurzfristig ausfielen und man somit sofort an uns gedacht hat (ich hatte Marie Besuch natürlich bereits angekündigt).

Am Sonntagmorgen wurden wir von der ganzen Crew mit unseren Brautjunfer-Gewändern, den so genannten "mishananas" abgeholt. Nach drei Stunden "Sardinen-Fahrt" (in einem "Minibus" eingequetscht hoch 10, ich saß sogar zwischen zwei Sitzen, wobei der eine höher war als der andere) kamen wir dann am Wohnort der Eltern der Braut an. 
Es waren zwei große Zelte aufgebaut, eines für die Familie und Freunde der Braut und das andere für die des Bräuigams (wo wir ebenfalls drin saßen). Die beiden Sprecher (aus jedem Zelt einer) diskutierten nun über die Mitgift, die Anzahl der Kühe, die der Bräutigam an die Familie der Braut zahlen muss. Als sie sich auf acht geeinigt hatten, bekam man die Braut das erste Mal zu Gesicht. Danach kam unser Part.
Wir hatten natürlich keinen Plan von alledem und waren auf die Anweisungen der anderen beiden Mädels angewiesen. So wurden wir irgendwann nacheinander losgeschickt. Selbstverständlich endete dies dann so, dass ich meine Anweisung nicht verstand und gefühlt fünf Minuten lang versucht habe herauszufinden wo ich mit meinem Geschenk hinlaufen sollte als ich schon längst dran war und Marie ihr Geschenk an eine falsche Frau überreicht hat. Ich dachte wir hätten uns jetzt komplett blamiert, doch die anderen schienen es gar nicht bemerkt zu haben oder fanden es nicht der Rede wert, denn uns wurde nue ein "Daumen hoch" gezeigt als wir fertig waren.
Danach forderte uns der Moderator der Feier auf mit unseren männlichen Partnern, vor ALLEN Gästen zu tanzen. Wir waren aber nicht die Einzigen, die nicht tanzen konnten (Puh!). 
Zum Schluss wurde getrunken und gegessen und wir als "Staff" durften uns natürlich als erste beim Buffet bedienen. 

Vor der Hochzeit mit unseren Geschenken und den zwei anderen "Filles d'honneur" 

Im Bus 






3. Erschöpft aber glücklich kamen wir dann in meinem Wohnort an, wo die Einführung in mein Leben in Musanze begann. 

Ich machte sie bekannt mit den für mich wichtigsten Orten und Menschen, zeigte ihr meine Arbeit in der Schule und meine Freizeit. Das war mit Abstand der wichtigste und Teil des Besuches für mich und so weit ich weiß für Marie ebenfalls. Es war eine bunte Mischung aus die-Zeit-zu-Hause-genießen und die Stadt, die Schule und die Menschen zu sehen, jedoch machten wir auch einen Ausflug nach Gisenyi, wo wir eine Bootstour zur kongolesischen Grenze unternahmen und bei den Hot-Springs waren (wovon ich bereits letztes Jahr berichtet habe).



Marie schaut mir beim Unterrichten zu


Bootstour auf dem Kivusee

Hotsprings Gisenyi








In der Schule mit 






4. Die letzte Etappe war dann die Reise in der Reise für Marie, unser einwöchiger Urlaub in Uganda, der zur Hälfte aus einer Backpacker-Tour bestand. 

Bevor es losging hatten wir uns lediglich für Kampala (Ugandas Hauptstadt) einige Dinge aufgeschrieben, alles andere entschieden wir spontan vor Ort. 


        1) Nach 11 Stunden Fahrtzeit kamen wir in Kampala an und gingen dann schlafen, als wir bereits das erste Krähen eines Hahnes im Nachbargarten hörten. Drei Tage lang nächtigten wir bei vier Freiwilligen und erkundeten tagsüber die Stadt. Der Owino-Market zählt zu den größten Second-Hand Märkten Ostafrikas, eine angenehmere Alternative zum Einkaufen waren für uns aber die Green Shops, welche vom System her, abgesehen von den Preisen, mit normalen (Second-Hand) Kleidungsläden aus Europa vergleichbar sind und man zur Abwechslung mal Zeit zum Aussuchen und Anprobieren hat und nicht alle 2 Minuten Dinge angedreht bekommt.




Gaddafi Moschee

Wir mussten uns verschleiern, um eintreten zu dürfen 



Direkt in der Nähe unseres Schlafplatzes befand sich der Baha'i Tempel, ein Fleckchen Natur mitten in Kampala, ein super Ausgleich zu dem munteren und lauten Treiben dieser anstrengenden Stadt. Am selben Tag besichtigten wir außerdem die Gaddafi Moschee und den Fruit Market Kampalas.

Baha'i Tempel

Den Donnerstag verbrachten wir in dem sehr schicken Monyonyo Speke Resort, welches sich direkt am Lake Victoria befand. In diesem Resort befand sich ebenfalls ein Pferdestall, wodurch wir darauf eigentlich aufmerksam wurden. 
Nach einem gemütlichen Austritt ließen wir den restlichen Tag am Pool, so richtig Touri-mäßig ausklingen.   



       2) Am nächsten Tag frühmorgens machten wir uns auf nach Jinja, der zweitgrößten Stadt Ugandas, die wirklich staubig war! Hier verbrachten wir den ganzen Tag im Nile River Explorers, wo wir Stand-up-Paddeling und Kayaking, inklusive schwimmen im Nil waren. 
Als es schon dunkel war, schauten wir uns noch die Stadt by night an, da es am nächsten Tag frühmorgens wieder zurück nach Kampala ging, um von dort aus den Bus nach...

Der Nil

      3) ... Entebbe, die Stadt am Viktoria See mit Ugandas Flughafen, zu nehmen. Hier verbrachten wir den Tag am Strand des Viktoria Sees, ohne zu wissen, wie wir von dort aus weiter reisen wollten. 
Spontan fanden wir für die Nacht dann ein Guest House und fuhren dann am nächsten Morgen mit einer Mini-Fähre an das gegenüberliegende Ufer des Viktoria Sees. 


Lake Victoria



    4) Unser eigentlicher Plan war eigentlich, von Entebbe aus irgendwie zum Lake Bunyonyi zu kommen. Die Fahrt war jedoch länger als gedacht und es hat immer relativ viel Zeit gebraucht, einen Anschlussbus zu finden, also fuhren wir von Mpigi aus (die Stadt in der Nähe des gegenüberliegenden Ufer) nach Masaka und von dort aus nach Kabale, wo wir händeringend nach einem Bus zur Grenze nach Ruanda gesucht haben. Diese Busfahrt, dicht gefolgt von der Fahrt nach Entebbe, war mit Abstand die abenteuerlichste, oder auf gut deutsch die schrecklichste Busfahrt unserer Reise. In Uganda befinden sich auf den Straßen überall "Speed bumbers", die die Geschwindigkeit der Fahrer regulieren soll, undzwar meistens fünf hintereinander. Wir saßen direkt AUF dem Hinterrad und wurden alle 2 Minuten gefühlt 2 Meter in die Luft geschleudert wo wir uns sämtliche Körperteile anstießen und die Fenster sich im Minutentakt von alleine öffneten und uns zu Eisklötzen machte. Dahingegen würde uns dann bewusst, dass die 40km-Fahrt von Kampala nach Entebbe eine 4-Sterne-Fahrt war, es dauerte zwar ca. 1,5 Stunden und in der Rekordzeit wurden alle 10 Sekunden Leute raus- und reingelassen, doch wenigstens konnten wir auf unseren 4-Buchstaben sitzen bleiben. 
Als wir dann kurz vor unserem Ziel waren und uns wenige Kilometer vor der Grenze befanden, war der Bus an seiner Endhaltestelle angekommen und uns wurde dringlichst davon abgeraten bei Nacht weiter mit dem Boda Boda (Motos in Uganda) zur Grenze gefahren und nebenbei bekamen wir mit dass diese um 1 Uhr nachts sowieso schon geschlossen sei. 

So kurz vor dem Ziel.

Warten auf den Bus

Im Bus

Jedenfalls verbrachten wir die letzte Nacht dann noch in einem sehr günstigen Hostel (3,50€ pro Person mit Frühstück) und gingen dann am nächsten Tag mit frischer Energie über die Grenze. 

Unser Abenteuer Uganda nahm somit ein Ende. Wir waren das perfekte Team. Jeder Tag war anders und abwechslungsreich. Doch ich war überglücklich als wir wieder in Musanze ankamen und auch Marie meinte dass sie in Musanze auch ein Stück "Heimatfeeling" hatte.


Die drei Wochen waren gänzlich anders, als ich mein Leben hier bisher erlebt hatte. Maries Besuch hat mir (und umgekehrt sicherlich auch) in jeglicher Hinsicht viel gegeben: Ich konnte mein Leben einer für mich sehr wichtigen Person hautnah zeigen, wodurch sie ihre Eindrücke wiederum an meine Familie weitergeben kann (und bereits getan hat), durch ihre Wahrnehmungen hatte ich die Gelegenheit Dinge, die für mich schon alltäglich geworden sind, nochmal mit anderen Augen zu sehen, außerdem war es auch unglaublich schön Maries Eindrücke zu hören, wie sie mich in Ruanda wahrgenommen hat. Sie meinte, dass diese ganze Situation: das Land, die Arbeit etc. so gut zu mir passt und so stimmig ist, was mich unglaublich gefreut hat, dies aus dem Mund einer anderen, super wichtigen Person für mich zu hören. 

Trotzdem habe ich nach ihrer Abreise wieder erstmal einige Tage gebraucht, um wieder in den Alltag und das Leben reinzukommen und ganz das Gefühl des "Hier-Wohnens" zu bekommen und die kleine innerliche Verwirrung zu verlieren, da ich mich während der Zeit und des Urlaubs oft auch wie ein Tourist gefühlt habe und auch einige Male sehr an Deutschland erinnert wurde (wenn ich zum Beispiel unter einer heißen Dusche stand oder als wir durch das Ruwenzori-Gebirge gefahren sind, das von der Landschaft her dem Schwarzwald sehr geähnelt hat). 
Das Reisen war wundervoll und eine tolle gemeinsame Erfahrung, doch ich bin hier hergekommen, um hier zu leben und nicht um zu reisen oder Touri-Hotspots zu besichtigen, denn das war auch bisher das, was mich am meisten geprägt hat. 

Alles in allem haben wir wirklich "Qualy-Time" miteinander verbracht, was uns beiden sicherlich viel gegeben hat.



Bald kommt ein Blogeintrag darüber, wie ich meinen Geburtstag in Ruanda gefeiert habe.

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