Lang lang ist's her, als ich den letzten Post verfasst habe... Eigentlich sind es "nur" drei Wochen, doch es fühlt sich an wie eine Ewigkeit, weil schon wieder so viel passiert ist.
Besonders die letzten Woche war eine ziemlich stressige. Das schlimmste zuerst: Nickis Handy wurde aus ihrer Jackentasche gestohlen als wir gemeinsam mit drei Freiwilligen aus Kigali, die uns über das Wochenende in Musanze besucht haben, in der Harmonica-Bar feiern waren. In der Harmonica ist donnerstags immer Karaoke angesagt. Jedenfalls handelte sich um ein weniger als drei Monate altes Smartphone. In einem Moment hatte sie es noch bei sich und als sie einige Sekunden später wieder auf das Handy schauen wollte, war die Tasche leider komplett leer. Das komische an der Sache ist, dass ich die ganze Zeit ein paar Zentimeter von ihr entfernt stand und dass um uns herum eigentlich kaum Menschen waren. Das war bestimmt jemand mit Erfahrung in solchen Dingen...
Naja, aus diesem Grund musste ich mein Handy eine Woche mit ihr teilen, mittlerweile hat sie sich wieder genau das gleiche gekauft. Mir wurden auch schon meine Air Max VOM HOF innerhalb unserer Terrasse gestohlen. Trotzdem fühlen wir uns in Musanze eigentlich ziemlich wohl, bezogen auf die Sicherheit & Co. Ich fühle mich hier sogar sicherer als in so manchen europäischen Städten.
A propos Handy, ich muss euch auch noch eine Handy-Story von mir erzählen, aber davor erst etwas anderes: In der Woche vom 10. bis zum 17. Oktober fanden gleich zwei wichtige Feiern in Kigali statt. Am Donnerstag die erste: Die Begrüßung der Delegation aus Rheinland-Pfalz in der Jumelage. Um es verständlicher auszudrücken: Leute im Anzug, die auch etwas mit der Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda zu tun haben. Und wir Freiwillige der Jumelage waren auch dazz eingeladen. Der Hof der Jumelage war kaum wiederzuerkennen, pico bello dekoriert und das Essen war ziemlich lecker, allein dafür hat es sich schon gelohnt gekommen zu sein. Es gab kleine Häppchen z.B. Mini-Chapatis mit einem Klecks Avocado und Gemüse oben drauf, gegrillte Kartoffeln, Brochettes (Fleisch-Spieße, die ich als Vegetarierin natürlich nicht probiert habe), Mini-Pizzen sowie Mini-Quiches. Aber das Beste kam zum Schluss: Zimt-Crêpes und Erdbeer-Küchlein, ERDBEER-Küchlein!! Wir haben uns so gefreut, da dies die ersten Erdbeeren waren, die wir hier in Ruanda gegessen haben. Außerdem gab es einige Reden und traditionelle Tänze inklusive Musik.
Am nächsten Tag fand ebenfalls eine Feier statt, dieses Mal aber wirklich im großen Stil: Die offizielle Feier des deutschen Botschafters in Ruanda.
Alle deutschen Menschen, die derzeit in Ruanda leben und arbeiten wurden persönlich mit einer ziemlich schicken Einladung per Mail eingeladen, aber auch ein paar Ruander. Somit auch alle deutsche Freiwillige aus ganz Ruanda. Es waren wirklich viele Menschen anwesend, hauptsächlich aber ältere Menschen in Anzügen. Die Kleiderordnung "formell" stand sogar explizit auf unserer Einladung.
Diese Feier hätte ein Ausschnitt aus einem Film sein können, so fancy war sie. Fast schon ein bisschen too much und ziemlich paradox, vor allem in einem Land wie Ruanda. Wir Freiwillige haben uns dabei auch ziemlich unwohl gefühlt, zum Einen aufgrund der ganzen Aufmachung, zum Anderen weil die geladenen Gäste eigentlich ausschließlich Weiße waren und von Schwarzen bedient wurden.
Naja, zu uns hieß es schon einige Wochen vorher, dass wir Freiwilligen uns dieses Jahr unter allen Umständen benehmen müssen, um den Ruf der Freiwilligen vor dem Botschafter wieder ins rechte Licht zu rücken, da dieser im letzten Jahr wohl etwas beschädigt wurde.
Verlockenderweise stand auf dem Grundstück des Botschafters, hinter einer Absperrung, die zu dem Zeitpunkt als ich mit drei anderen Freiwilligen ihn von Näherem betrachten wollte, schon nicht mehr da war, ein Pool. Ein Freiwilliger scherzte ein bisschen und nahm mich auf den Arm und meinte im Spaß, dass er mich nun in den Pool werfen wird. Ich wusste aber ganz genau, dass er dies nicht machen würde, da ich vorher zu ihm meinte, dass ich mein Handy in der Hosentasche habe und weil dies einfach ein totaler Skandal auf solch einer schicken Feier gewesen wäre.
Was ich nicht wusste, war, dass eine andere Freiwillige damit kein Problem hatte und kurzer Hand einfach uns beide in den Pool schubste. Ich konnte gar nicht so schnell denken, im nächsten Moment war ich, gemeinsam mit meinem schicken (und wohlgemerkt hellem) Outfit im Pool des Botschafters. Ich trug eine weiße enge Jeans (mit schwarzer Unterwäsche) und eine hellrosa Spitzen-Bluse. Das Schlimmste an dem "Sturz" war aber, dass mein Handy währenddessen aus der Hosentasche fiel und nun am Boden des Pools lag. Ich war so geschockt, dass ich es nach mindestens vier Tauchgängen immer noch nicht schaffte, das Handy aus dem Pool zu fischen. Also sprang die Übeltäterin pflichtbewusst auch noch in den Pool, um den Schaden so klein wie möglich zu halten. Eigentlich gilt mein Handy ja als "wasserdicht" aber mittlerweile weiß ich, dass man da nicht so viel drauf geben kann, da dies zwar immerhin 30 Minuten halten soll, aber nur in reinem Wasser ohne Chlor und Salz und nur bis zu einer Tiefe von 1,5 Metern und der Pool war eindeutig tiefer. Zudem gibt es keine Garantie auf Wasserschäden - ziemlich unpraktisch. Kurz danach funktionierte es aber noch. Wir wussten, dass wir so, komplett durchnässt am ganzen Körper, nicht wieder nach oben zu den anderen Menschen gehen konnten. Also liefen wir so unauffällig wie möglich zur Straße und fuhren dann pitschnass mit den Motos zu unserer Schlafgelegenheit. Auf dieser Fahrt fing das Handy an, herumzuspinnen sodass nicht mal mehr die Knöpfe bedienbar waren und ich es somit nicht ausschalten konnte. Das war auch der Grund, warum ich zwei Tage lang nicht erreichbar war, ich legte es nämlich so bald ich ankam, in eine Dose mit Reis und zum Glück funktioniert es nun wieder. Nochmal GLÜCK GEHABT!!
Wir waren in den letzten Tagen auch ein bisschen auf Reisen! :)
Ciao Ciao
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen