Samstag, 17. Dezember 2016

Meine Arbeit während den Schulferien

Mittlerweile (eigentlich schon etwas länger) sind in Ruanda Schulferien. Das sind die einzigen Ferien, die die Kids haben, aber dafür  sind die auch ziemlich lang. Sie sind über drei Monate lang (der komplette November,  Dezember und Januar, sowie etwas vom September und vom Februar)! Viele der anderen Freiwilligen, die an Schulen arbeiten haben während dieser Zeit frei. Dadurch dass Nicki und ich aber mit den Batwa-Kindern zusammen arbeiten, liegt bei uns der Fokus gerade auf den Ferien, da sie ohne uns sonst keine Beschäftigung hätten und sonst die Zeit für zwielichtige Beschäftigungen wie z.B. Stehlen nutzen würden. In einer meiner ersten Einträge habe ich ja bereits erklärt, dass die Batwas, oder auch Twa genannt, eigentlich die ärmste Ethnie überhaupt sind. In der Ferienzeit arbeiten wir von 8 bis 12 Uhr und danach gibt es für die Kinder essen, was für sie die größte Motivation überhaupt ist, in die Schule zu kommen.

Eins von unseren gefühlt 5000 Quatschbildern
Das Haus, in dem die Kinder nach der Schule etwas zu essen bekommen (die Köchin bekommt ca. 16€ im Monat)



Für mich ist die Ferienzeit eine wundervolle Zeit, da man super kreativ arbeiten kann und alle möglichen Projekte starten kann. Während der Schulzeit herrschte für mich immer der Druck, etwas "Ordendliches" bzw. "Produktives" auf die Beine stellen zu müssen, aber wahrscheinlich habe ich mir den Druck nur selbst gemacht und während der Ferienzeit habe ich eher das Gefühl, dass ich auch mal andere Dinge machen zu dürfen, die nicht nur stupides Unterrichten sind. Welche Projekte das sind, werde ich euch hier vorstellen:

Das Wichtigste  ist wohl das Räuber-Hotzenplotz-Projekt. Noch bevor ich hier her gekommen bin,  habe ich mir den Räuber Hotzenplotz als Lektüre auf Englisch bestellt, weil das als Kind mein absolutes Lieblingsbuch war und ich es unzählige Male als Gute-Nacht-Lektüre von meiner Mama vorgelesen bekommen habe.
Also habe ich auch angefangen, es den Kindern vorzulesen und kleinere Dinge daran anzuschließen, wie beispielsweise Hotzenplotz-Ausmalbilder, kleinere Theater-Szenen, oder einfach das Lernen von Wörtern aus dem Buch, sowie deren Wortfamilien. Was mir auch davor noch gar nicht bewusst war, ist, dass auch der Inhalt ziemlich gut passt, da es ja die Thematik des Stehlens beinhaltet. Auf der anderen Seite jedoch, birgt es auch Nachteile, z.B. dass es ziemlich langwierig ist. Ich bin gerade beim vierten Kapitel des Buches, da es sich ganz schön in die Länge zieht und dass stupides Vorlesen nach einer Weile auch ziemlich langweilig wird. Somit muss ich natürlich auch die Kinder aktiv werden lassen, indem ich ihnen Fragen stelle, sie einzelne Szenen spielen lasse oder wir neue Wörter aus dem Buch lernen. Außerdem bin ich total auf Enock angewiesen, der mir die Sätze übersetzt und somit kann ich, zumindest während ich mit dem Buch weitermache, nicht alleine unterrichten. Des Weiteren kann ich auch nicht allen gerecht werden, da manche es genießen, vorgelesen zu bekommen und andere, meistens die älteren, fitteren Schüler lieber selbst aktiv werden wollen und Vokabeln lernen möchten. Achso, übrigens ist dies das erste richtige Buch, das die Kinder in ihrem ganzen Leben gelesen haben, bzw. vorgelesen bekommen.

Hier ein paar Bilder von den Kids mit ihren Ausmalbildern:






Wenn wir schon bei Premieren sind, die Kids haben vor kurzem auch den ersten Film in ihrem Leben gesehen, nämlich zwei Filme von Tom und Jerry (der erste war irgendetwas mit Sherlock Holmes und der zweite mit einem Drachen). Inhaltlich vielleicht nicht unbedingt pädagogisch wertvoll oder mit irgendeiner wichtigen Moral, doch ich dachte dass Tom und Jerry für den Anfang eigentlich ziemlich geeignet ist, da es sprachlich überhaupt nicht anspruchsvoll ist. Ungefähr 40 Kinder haben auf meinen kleinen Laptop geschaut, doch sie waren so glücklich, dass die Größe des Bildschirms überhaupt nicht relevant war.



Was ebenfalls erwähnenswert ist, ist das Adventskalender-Projekt. Nicki und ich haben für 46 Kinder kleine Geschenke besorgt (jeweils ein Stift, eine kleine Schokolade und einen Lolli) und 46 Papiertüten, die die Kinder selbst bemalen durften. Insgesamt haben wir 14€ dafür ausgegeben, was ja wirklich in Ordnung ist. Also sind alle Tüten, bis auf die 24. für Enock, doppelt und jeden Tag dürfen zwei andere Kinder ihr Tütchen öffnen. Ich glaube, dass das für die Kinder besser als Weihnachten ist, da sie aus wirklich armen Verhältnissen stammen.




 

Wie schon oben erwähnt, haben wir in der Ferienzeit fast 46 Kinder wenn alle da sind, was im Vergleich zur Schulzeit wirklich super viele sind. Das liegt daran, dass während der Ferienzeit ALLE Batwa Kinder aus der Umgebung zu uns kommen und nicht nur die Batwa-Kinder aus unserer Schule.

Übrigens bin ich nun seit Anfang dieser Woche alleine auf der Arbeit. Nicki möchte nämlich die Stelle wechseln, da sie gemerkt hat, dass das Unterrichten, auch wenn es "nur" Sport ist, nicht ihr Ding ist. Sie hat während der Ferienzeit auch mal das Englisch-Unterrichten ausprobiert, doch ist letztendlich zu dem Schluss gekommen, dass sie an dieser Schule auffhören wird zu arbeiten. Sie hat auch schon mit unserer Mentorin gesprochen, die zum Glück sehr verständnisvoll war, da es Nicki in letzter Zeit wirklich nicht gut ging und das zum großen Teil auch an der Arbeit liegt. Sie hat für Nicki nun ein einmonatiges Praktikum in Kigali organisiert, in einer physiotherapeutischen Praxis, wo der Leiter wohl auch ein ziemlich gutes Englisch spricht. Darauf freut sie sich schon sehr, weil sie in Deutschland auch Phsysiotherapie studieren möchte. Für diese Zeit wird so dann auch in Kinski wohnen, was ich ziemlich schade finde, dann für einen Monat alleine zu wohnen und ich bin mal gespannt wie das so wird.


In der Zwischenzeit, in der Nicki ihr Motivationstief hatte, war die Koordination in der Schule ab und zu mal nicht ganz so einfach, da sie sich teilweise nur 7-8 Schüler aus der großen Gruppe rausgenommen hat und ich die restlichen Schüler mit komplett unterschiedlichen Leistungsniveaus und Altersstufen unterrichten musste. Die ersten Tage, die ich jetzt aber alleine gearbeitet habe, liefen wirklich gut und ich freue mich jeden Tag auf die kleinen Belger :)

In letzter Zeit verflog die Zeit noch schneller als davor, ich wusste nicht, dass das überhaupt möglich ist. Das erste Dezember-Wochenende war Nickis Geburtstagswochenende und in den zwei Wochen danach, war ich eigentlich nur auf Achse und war gefühlt nur zum Schlafen zu Hause. Wir waren sehr oft in Kigali, wo auch eine Weihnachtsfeier der Jumelage stattfand, an der wir Freiwillige an den Ständen geholfen haben (ich war beispielsweise am Glühweinstand) und es hat ziemlich Spaß gemacht. Außerdem hat sich nun endlich der Stress mit meinem Handy erledigt (die Pool-Aktion hat es wohl doch nicht so unbeschadet überlebt, der Screen war komplett defekt und die Repeeatur kostet in Ruanda ca. 270€. Dadurch, dass ich die Hoffnung hatte, dass die Reparatur in Deutschland billiger ist, habe ich mir hier ein neues, billigeres Handy gekauft und habe meins einer Freiwilligen mitgegeben, die Weihnachten in Deutschland verbringt, da sie dort eine Operation über sich ergehen lassen muss.
Außerdem habe ich einen kompletten Tag für meinen Bruder geopfert, der Hilfe per Skype bei seiner Eurokom gebraucht hat (mündliche Abschlussprüfung in Englisch an der Realschule).

Vor kurzem haben wir es endlich geschafft, eine Führung in den Caves von Musanze zu nehmen. Hier ein paar Bilder:



Außerdem gehen wir seit kurzem auch an und zu im Fitnesstudio von Musanze Sport machen. Es ist ein einziger Raum, mit 2 Laufbändern, Fahrrädern, anderen Geräten und einem Bereich, wo jeden Abend bis auf Sonntag ein Aerobic-Kurs stattfindet.


Nun muss ich noch bis Dienstag nächstes Woche arbeiten (20.12.) und über Weihnachten geht es dann Für und mal wieder nach Kenia in den Urlaub (zuerst Nairobi, dann Kisumu und Silvester werden wir mit den anderen Freiwilligen in Mombasa verbringen).

Yaminga geht es übrigens auch super, sie wächst und gedeiht und ist eine ziemlich freche Nudel geworden!

Liebe Grüße und ich wünsche euch allen schon mal Frohe Weihnachten und einem guten Rutsch :)

P.S. Die Weihnachtsstimmung fehlt hier ein bisschen, da wir tagsüber mit T-Shirts und Tops rumlaufen und hier so gut wie nirgends Weihnachtsdeko zu finden ist. Wir haben aber in Kigali in einem Supermarkt Schokoladen-Adventskalender und eine Lichterkette gefunden damit unser Haus wenigstens ein bisschen weihnachtlich wird.

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