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Dienstag, 11. Oktober 2016

Mitgift-Feier & Kirche (2-Monatiges)

Wie schnell die letzten zwei Monate vergingen:o Gestern vor zwei Monaten musste ich mich am Flughafen von meiner Familie verabschieden und genau heute vor zwei Monaten sind wir in Kigali gelandet!! Jetzt ist schon 1/6 meiner Zeit hier vorbei!

Von meinem letzten ereignisreichen Wochenende muss ich euch wieder berichten:

Mitgift-Feier

Am Samstag, den 8.10. waren Nicki und ich auf einer Mitgift-Feier eingeladen. Wir haben uns um 8:30 Uhr morgens am Busbahnhof getroffen, für die Feier hat das Brautpaar extra einen Bus gemietet, der dann aber erst fast zwei Stunden später losfuhr. Die Fahrt in den Norden dauerte auch ca. zwei Stunden, genauso wie die Feier an sich, 
Dieser Ausdruck existiert auf Deutsch sicherlich nicht, da es diese Feier bei uns auch so nicht gibt, aber mir fällt gerade kein besserer ein. Normalerweise ist es so, dass zuerst die Mitgift-Feier stattfindet und danach die Hochzeit, was auch von den Leuten und vor allem der Familie der Frau, besser angesehen ist, doch bei Honoré (dem Bräutigam) und seiner Frau war es umgekehrt. Die Hochzeit fand im Juni statt. Honoré ist der 29-jährige Disziplin- und Sportlehrer unserer Schule, seine Frau ist 23 Jahre alt und seit August haben sie eine gemeinsame Tochter. Bei der Mitgift-Feier wird gefeiert, dass der Mann, der Familie seiner Frau eine Kuh schenkt. Dies fand aber nicht am Tag der Feier statt, sondern davor. Außerdem entscheidet sich an dem Tag, ob die Familie der Frau den Mann als Schwiegersohn akzeptiert. 
Generell ist es hier so, dass das Alter der Braut und des Bräutigams bei der Hochzeit auf dem Dorf viel niedriger ist als in der Stadt. Von den Kinderehen der Batwa habe ich ja bereits ziemlich am Anfang berichtet, dass dies beispielsweise ein Alter von 13 Jahren sein kann. Per Gesetz ist es aber für Frauen erst ab 20 Jahren und für Männer ab 21 Jahren erlaubt zu heiraten, soweit ich das noch im Kopf habe, 

Auf dem kurzen Weg von dem Ort, an dem der Bus hielt, bis zu dem Haus der Eltern der Braut, wo die Feier stattfand, trugen viele Frauen traditionelle Körbe auf dem Kopf als Geschenk für das Brautpaar. Eine von diesen Frauen übergab mir ihren Korb, den ich dann versuchte auf dem Kopf zu balancieren. Das wollte ich schon immer mal ausprobieren, doch bei den ruandischen Frauen sieht das immer viel einfacher aus als es ist. Der Korb war wirklich schwer und freihändig habe ich das leider nicht geschafft, aber hey, aller Anfang ist schwer. 

Es war unglaublich toll, solch eine Tradition hautnah mitzuerleben. Die Feier war super. Es wurde getanzt (traditionelle Tänzer), gesungen, gegessen (Buffet)... und getrunken! Alkohol und vor allem Bier spielt hier in Ruanda, entgegen meiner Erwartungen, eine wirklich große Rolle. Sogar sonntags nach dem Gottesdienst ist es üblich, sich nochmal zum Biertrinken zu treffen. 



Hier ich am Trinken von dem Bier-Mehl-Mix
Ganz zu Beginn der Feier, als alle auf ihre Plätze verteilt wurden, wurde jedem erstmal eine Bierflasche in die Hand gedrückt. Außerdem wurde ein traditionelles Getränk durch die Reihen gegeben, welches ziemlich häufig bei unserem BUSFAHRER hängenblieb: Ein Bier-Mehl-Mix-Getränk dessen Namen ich vergessen habe. Das Bananenbier ist hier ebenfalls sehr populär und ziemlich hochprozentig (14%), aber auch das "normale" Bier fängt hier bei 5 oder 6 Prozent an. Der Busfahrer hat ein Bier nach dem anderen getrunken und kein einziger Gast, der später wieder auf den Fahrer angewiesen war, hat sich darüber beschwert. Das fand ich ziemlich schockierend, da ich schon die Hinfahrt mit einem ziemlich großen Bus über tausend Berge und Kurven ziemlich abenteuerlich fand ...und die Vorstellung, diese Fahrt mit einem angetrunkenen Busfahrer nochmal erleben zu müssen fand ich nicht ganz so lustig. Außer mir (und teilweise auch den anderen Freiwillige) hat dies aber niemanden gestört. 


So sah die Gegend neben dem Haus der Familie der Braut aus 

Trotzdem war der Ausblick während der Fahrt atemberaubend, man konnte sich gar nicht satt
Zur Zeit ist das Wetter zu meiner Freude übrigens ziemlich warm und sonnig :) 







Wir Freiwillige zusammen: 
Ganz links Jonas, der mit Sophia (hinten) zusammen wohnt und arbeitet, hinten links Konstantin, der an der gleichen Schule wie Nicki und ich arbeitet, aber andere Aufgaben hat (Gitarrenunterricht) und rechts Nicki, meine Mitbewohnerin















Zu Beginn gab es viele Reden am Mikrofon, von denen wir nicht viel verstanden haben, da natürlich alles auf Kinyarwanda war. Unter anderem fand ein Gespräch zwischen den beiden Familien statt. Danach begann das traditionelle Tanzen von der besten Tänzergruppe der Region, das von Trommeln und Gesang begleitet wurde. Im Anschluss daran gab es Buffet. 

Hier ein paar Bilder von der Feier:

Das Brautpaar

Die traditionellen Tänzer















Hier noch ein kurzes Video von der Feier
Zum Schluss fand die Geschenkübergabe statt. Wir Freiwilligen haben Honoré und seiner Frau gemeinsam einen Topf geschenkt gefüllt mit einer Babydecke, einem Babykleidchen, einer Uhr für Honoré und zwei Bierflaschen. Nach der Geschenkübergabe haben wir gemeinsam ein Bild gemacht. 

















Obwohl die Feier effektiv nur zwei Stunden gedauert hat, kamen wir erst gegen 20 Uhr wieder in Musanze an. Ein langer, aber super interessanter Tag! :)


Kirche

Am Sonntag, den 11.10. war ich mit Danny und einem Bekannten von ihm in der Kirche. Eine katholische Messe auf Französisch! Ich habe zwar trotzdem nicht viel verstanden, da das Französisch ziemlich gewöhnungsbedürftig war, aber die Lieder haben mir super gut gefallen. 

Das ist die größte Kirche in Musanze 
Der Glaube spielt hier wirklich eine viel größere Rolle als in Deutschland/ Europa. Es ist total normal, dass so gut wie jeder sonntags in die Kirche geht, auch Jugendliche in unserem Alter. Es ist eher unnormal, wenn man nicht geht. So gut wie alle sind hier gläubig und die Religionszugehörigkeit spielt auch eine ziemlich große Rolle. Zum Beispiel Enock, der Sozialarbeiter unserer Schule, war überglücklich als er hörte, dass Nicki und ich, wie er, evangelisch sind. 
Mit dem Glauben wird auch viel offener umgegangen als in Deutschland. Als ich krank war, meinten Enock und Danny zu mir, dass sie für mich beten und Enock richtete mir auch von seiner Familie und den Kindern in der Schule aus, dass auch sie für meine Gesundheit beten. Das fand ich wirklich toll :-) 

Nun sitze ich schon seit mindestens drei Stunden im La Paillotte, unserem Stammlokal, in dem es kostenloses WLAN gibt und es wird Zeit, mich auf den Weg nach Hause zu begeben.

Viele liebe Grüße aus Ruanda <3