Mittwoch, 21. Juni 2017

Besuch von Marie 10.5. - 31.5.

In den letzten drei Mai-Wochen habe ich eine geniale Zeit erlebt, denn (für die "Faulies" unter euch, die meinen letzten Blogeintrag noch nicht gelesen haben) ich habe meinen ersten und gleichzeitig auch letzten Besuch aus Deutschland bekommen, von Marie, meiner Freundin aus Deutschland.


Begonnen hat das Ganze damit, dass Marie ca. 2 Stunden alleine am Flughafen warten musste, bevor die Pünktlichkeit-in-Person namens Rebekka auftauchte.

Ich war den ganzen Tag schon total aufgeregt, dass ich einer Person meines engsten Kreises nun endlich mein Leben in Ruanda zeigen kann, doch ausgerechnet an diesem wichtigen Tag, kamen eine Reihe von Ereignissen nacheinander, die bewirkten dass ich zu spät kam: 
Ich musste länger als geplant in der Arbeit bleiben, außerdem wurde zu allem Unglück einige Tage vorher eine neue Geschwindikeitsbegrenzung für die Strecke nach Kigali festgelegt, von der ich bis dato nichts wusste und ich habe ausgerechnet einen "Bimmelbus" erwischt, der gefühlt alle 10 Minuten anhielt, um Menschen aus- und einzuladen. Aber zum Thema Bimmelbus später mehr. Jaja immer diese Ausreden.

Das Wiedersehen war für mich überhaupt nicht "komisch" in dem Sinne, dass wir uns seit neun Monaten nicht mehr gesehen hatten und dass eine alte Freundin nun in meinem neuen Leben auftaucht, für mich war es wirklich so, als hätten wir uns gestern das letzte Mal gesehen.
Das lag bestimmt auch daran, dass Kigali und vor allem der Flughafen, nicht mein zu Hause ist. Wäre sie einfach so in Musanze aufgetaucht, wäre das bestimmt nochmal "unrealer" gewesen. 

Vom Flughafen aus habe ich Marie dann sofort ins kalte Wasser geworfen, ich habe ihr nämlich offenbart, dass wir nun das Moto nehmen werden, um zu unserem Schlafplatz zu kommen. 
Trotz anfänglichem Misstrauen, hat sie die erste Moto-Fahrt ihres Lebens super gut gemeistert und sogar richtig lieben gelernt. Moto-Fahren ist toll!! 


Marie auf dem Moto 


Unsere gemeinsame Zeit lässt sich grob in vier Teile gliedern:

1. Die ersten zwei Tage in Kigali, waren wie bei mir damals ein langsames Ankommen in dem fremden Land. Vor allem Kigalis Innenstadt ist ja auch wirklich ganz anders als der Rest Ruandas. Gemeinsam haben wir die wichtigsten Spots nochmal angeschaut (Innenstadt, Märkte, Jumelage und Genocoide-Memorial).
Schon am ersten Tag haben wir mal wieder (da dies nun unser dritter gemeinsamer "Urlaub" war) festgestellt, dass wir komplett auf einer Wellenlänge sind.


Auf dem Dach des Ubumwe Hotels


2. Die Hochzeit bzw. La dotte (Mitgiftfeier), war, obwohl wir so viele tolle Dinge erlebt haben, unser großes Highlight. 
Diese hatte bereits einen lustigen Start, bevor sie überhaupt angefangen hatte. 
Kurz vorher erfuhr ich nämlich von meinen Freunden, dass zwei von den vier "Filles d'honneur" (was so etwas wie die Brautjugfern des Bräutigams sind) kurzfristig ausfielen und man somit sofort an uns gedacht hat (ich hatte Marie Besuch natürlich bereits angekündigt).

Am Sonntagmorgen wurden wir von der ganzen Crew mit unseren Brautjunfer-Gewändern, den so genannten "mishananas" abgeholt. Nach drei Stunden "Sardinen-Fahrt" (in einem "Minibus" eingequetscht hoch 10, ich saß sogar zwischen zwei Sitzen, wobei der eine höher war als der andere) kamen wir dann am Wohnort der Eltern der Braut an. 
Es waren zwei große Zelte aufgebaut, eines für die Familie und Freunde der Braut und das andere für die des Bräuigams (wo wir ebenfalls drin saßen). Die beiden Sprecher (aus jedem Zelt einer) diskutierten nun über die Mitgift, die Anzahl der Kühe, die der Bräutigam an die Familie der Braut zahlen muss. Als sie sich auf acht geeinigt hatten, bekam man die Braut das erste Mal zu Gesicht. Danach kam unser Part.
Wir hatten natürlich keinen Plan von alledem und waren auf die Anweisungen der anderen beiden Mädels angewiesen. So wurden wir irgendwann nacheinander losgeschickt. Selbstverständlich endete dies dann so, dass ich meine Anweisung nicht verstand und gefühlt fünf Minuten lang versucht habe herauszufinden wo ich mit meinem Geschenk hinlaufen sollte als ich schon längst dran war und Marie ihr Geschenk an eine falsche Frau überreicht hat. Ich dachte wir hätten uns jetzt komplett blamiert, doch die anderen schienen es gar nicht bemerkt zu haben oder fanden es nicht der Rede wert, denn uns wurde nue ein "Daumen hoch" gezeigt als wir fertig waren.
Danach forderte uns der Moderator der Feier auf mit unseren männlichen Partnern, vor ALLEN Gästen zu tanzen. Wir waren aber nicht die Einzigen, die nicht tanzen konnten (Puh!). 
Zum Schluss wurde getrunken und gegessen und wir als "Staff" durften uns natürlich als erste beim Buffet bedienen. 

Vor der Hochzeit mit unseren Geschenken und den zwei anderen "Filles d'honneur" 

Im Bus 






3. Erschöpft aber glücklich kamen wir dann in meinem Wohnort an, wo die Einführung in mein Leben in Musanze begann. 

Ich machte sie bekannt mit den für mich wichtigsten Orten und Menschen, zeigte ihr meine Arbeit in der Schule und meine Freizeit. Das war mit Abstand der wichtigste und Teil des Besuches für mich und so weit ich weiß für Marie ebenfalls. Es war eine bunte Mischung aus die-Zeit-zu-Hause-genießen und die Stadt, die Schule und die Menschen zu sehen, jedoch machten wir auch einen Ausflug nach Gisenyi, wo wir eine Bootstour zur kongolesischen Grenze unternahmen und bei den Hot-Springs waren (wovon ich bereits letztes Jahr berichtet habe).



Marie schaut mir beim Unterrichten zu


Bootstour auf dem Kivusee

Hotsprings Gisenyi








In der Schule mit 






4. Die letzte Etappe war dann die Reise in der Reise für Marie, unser einwöchiger Urlaub in Uganda, der zur Hälfte aus einer Backpacker-Tour bestand. 

Bevor es losging hatten wir uns lediglich für Kampala (Ugandas Hauptstadt) einige Dinge aufgeschrieben, alles andere entschieden wir spontan vor Ort. 


        1) Nach 11 Stunden Fahrtzeit kamen wir in Kampala an und gingen dann schlafen, als wir bereits das erste Krähen eines Hahnes im Nachbargarten hörten. Drei Tage lang nächtigten wir bei vier Freiwilligen und erkundeten tagsüber die Stadt. Der Owino-Market zählt zu den größten Second-Hand Märkten Ostafrikas, eine angenehmere Alternative zum Einkaufen waren für uns aber die Green Shops, welche vom System her, abgesehen von den Preisen, mit normalen (Second-Hand) Kleidungsläden aus Europa vergleichbar sind und man zur Abwechslung mal Zeit zum Aussuchen und Anprobieren hat und nicht alle 2 Minuten Dinge angedreht bekommt.




Gaddafi Moschee

Wir mussten uns verschleiern, um eintreten zu dürfen 



Direkt in der Nähe unseres Schlafplatzes befand sich der Baha'i Tempel, ein Fleckchen Natur mitten in Kampala, ein super Ausgleich zu dem munteren und lauten Treiben dieser anstrengenden Stadt. Am selben Tag besichtigten wir außerdem die Gaddafi Moschee und den Fruit Market Kampalas.

Baha'i Tempel

Den Donnerstag verbrachten wir in dem sehr schicken Monyonyo Speke Resort, welches sich direkt am Lake Victoria befand. In diesem Resort befand sich ebenfalls ein Pferdestall, wodurch wir darauf eigentlich aufmerksam wurden. 
Nach einem gemütlichen Austritt ließen wir den restlichen Tag am Pool, so richtig Touri-mäßig ausklingen.   



       2) Am nächsten Tag frühmorgens machten wir uns auf nach Jinja, der zweitgrößten Stadt Ugandas, die wirklich staubig war! Hier verbrachten wir den ganzen Tag im Nile River Explorers, wo wir Stand-up-Paddeling und Kayaking, inklusive schwimmen im Nil waren. 
Als es schon dunkel war, schauten wir uns noch die Stadt by night an, da es am nächsten Tag frühmorgens wieder zurück nach Kampala ging, um von dort aus den Bus nach...

Der Nil

      3) ... Entebbe, die Stadt am Viktoria See mit Ugandas Flughafen, zu nehmen. Hier verbrachten wir den Tag am Strand des Viktoria Sees, ohne zu wissen, wie wir von dort aus weiter reisen wollten. 
Spontan fanden wir für die Nacht dann ein Guest House und fuhren dann am nächsten Morgen mit einer Mini-Fähre an das gegenüberliegende Ufer des Viktoria Sees. 


Lake Victoria



    4) Unser eigentlicher Plan war eigentlich, von Entebbe aus irgendwie zum Lake Bunyonyi zu kommen. Die Fahrt war jedoch länger als gedacht und es hat immer relativ viel Zeit gebraucht, einen Anschlussbus zu finden, also fuhren wir von Mpigi aus (die Stadt in der Nähe des gegenüberliegenden Ufer) nach Masaka und von dort aus nach Kabale, wo wir händeringend nach einem Bus zur Grenze nach Ruanda gesucht haben. Diese Busfahrt, dicht gefolgt von der Fahrt nach Entebbe, war mit Abstand die abenteuerlichste, oder auf gut deutsch die schrecklichste Busfahrt unserer Reise. In Uganda befinden sich auf den Straßen überall "Speed bumbers", die die Geschwindigkeit der Fahrer regulieren soll, undzwar meistens fünf hintereinander. Wir saßen direkt AUF dem Hinterrad und wurden alle 2 Minuten gefühlt 2 Meter in die Luft geschleudert wo wir uns sämtliche Körperteile anstießen und die Fenster sich im Minutentakt von alleine öffneten und uns zu Eisklötzen machte. Dahingegen würde uns dann bewusst, dass die 40km-Fahrt von Kampala nach Entebbe eine 4-Sterne-Fahrt war, es dauerte zwar ca. 1,5 Stunden und in der Rekordzeit wurden alle 10 Sekunden Leute raus- und reingelassen, doch wenigstens konnten wir auf unseren 4-Buchstaben sitzen bleiben. 
Als wir dann kurz vor unserem Ziel waren und uns wenige Kilometer vor der Grenze befanden, war der Bus an seiner Endhaltestelle angekommen und uns wurde dringlichst davon abgeraten bei Nacht weiter mit dem Boda Boda (Motos in Uganda) zur Grenze gefahren und nebenbei bekamen wir mit dass diese um 1 Uhr nachts sowieso schon geschlossen sei. 

So kurz vor dem Ziel.

Warten auf den Bus

Im Bus

Jedenfalls verbrachten wir die letzte Nacht dann noch in einem sehr günstigen Hostel (3,50€ pro Person mit Frühstück) und gingen dann am nächsten Tag mit frischer Energie über die Grenze. 

Unser Abenteuer Uganda nahm somit ein Ende. Wir waren das perfekte Team. Jeder Tag war anders und abwechslungsreich. Doch ich war überglücklich als wir wieder in Musanze ankamen und auch Marie meinte dass sie in Musanze auch ein Stück "Heimatfeeling" hatte.


Die drei Wochen waren gänzlich anders, als ich mein Leben hier bisher erlebt hatte. Maries Besuch hat mir (und umgekehrt sicherlich auch) in jeglicher Hinsicht viel gegeben: Ich konnte mein Leben einer für mich sehr wichtigen Person hautnah zeigen, wodurch sie ihre Eindrücke wiederum an meine Familie weitergeben kann (und bereits getan hat), durch ihre Wahrnehmungen hatte ich die Gelegenheit Dinge, die für mich schon alltäglich geworden sind, nochmal mit anderen Augen zu sehen, außerdem war es auch unglaublich schön Maries Eindrücke zu hören, wie sie mich in Ruanda wahrgenommen hat. Sie meinte, dass diese ganze Situation: das Land, die Arbeit etc. so gut zu mir passt und so stimmig ist, was mich unglaublich gefreut hat, dies aus dem Mund einer anderen, super wichtigen Person für mich zu hören. 

Trotzdem habe ich nach ihrer Abreise wieder erstmal einige Tage gebraucht, um wieder in den Alltag und das Leben reinzukommen und ganz das Gefühl des "Hier-Wohnens" zu bekommen und die kleine innerliche Verwirrung zu verlieren, da ich mich während der Zeit und des Urlaubs oft auch wie ein Tourist gefühlt habe und auch einige Male sehr an Deutschland erinnert wurde (wenn ich zum Beispiel unter einer heißen Dusche stand oder als wir durch das Ruwenzori-Gebirge gefahren sind, das von der Landschaft her dem Schwarzwald sehr geähnelt hat). 
Das Reisen war wundervoll und eine tolle gemeinsame Erfahrung, doch ich bin hier hergekommen, um hier zu leben und nicht um zu reisen oder Touri-Hotspots zu besichtigen, denn das war auch bisher das, was mich am meisten geprägt hat. 

Alles in allem haben wir wirklich "Qualy-Time" miteinander verbracht, was uns beiden sicherlich viel gegeben hat.



Bald kommt ein Blogeintrag darüber, wie ich meinen Geburtstag in Ruanda gefeiert habe.

Samstag, 29. April 2017

News aus meiner Welt

...Und da bin ich mal wieder.
Nachdem mich mein ehemaliger Nachbar aus Deuschland netterweise darauf hingewiesen hat, dass meine Blogeintraege "unregelmaessig aber immer interessant" sind (an dieser Stelle liebe Gruesse an dich), dachte ich dass es so langsam mal wieder an der Zeit ist "Rebekka/Ruanda-News" zu bekommen.

Um diesen Blogeintrag zu verfassen, musste ich erstmal mein Tagebuch öffnen, um die letzten zwei Monate (und ein paar Tage) nochmal Revue passieren zu lassen.

Innerhalb von diesen zwei Monaten war ich hauptsächlich alleine zu Hause, weil Nicki die meiste Zeit fort war. Aber erstaunlicherweise stelle ich nun fest: Meine Muttersprache sitzt immer noch, obwohl ich sie in letzter Zeit eher seltener verwenden musste.

Ausflug nach Kibuye





Am 3.3. (dem Geburtstag meines kleinen Bruders und meiner Oma) ging es für mich los nach Kibuye, weil mir aufgefallen ist, dass ich bisher noch nicht allzu viel von Ruanda gesehen habe.
Um genau zu sein eigentlich nur Musanze, Kigali und Gisenyi, aber am 10. Mai kommt mich auch die liebe Marie in Ruanda besuchen und gemeinsam mit ihr werde ich sicherlich auch noch Einiges im und um das Land herum erkunden (Bericht folgt, aber vielleicht nicht direkt am 31.5. wenn sie wieder zurück fliegt).
Kibuye zählt aber auf jeden Fall auch zu den Städten, die man auf jeden Fall gesehen haben muss, bevor man wieder in die Heimat geht (was ja nun wirklich nicht mehr lange dauert...).
Diese Stadt liegt ebenfalls wie Gisenyi am Kivusee, wobei mir der See hier sogar schöner vorkam, als am TamTam-Beach in Gisenyi. Vor allem die vielen kleinen Inseln, die sich direkt am Ufer befanden boten einen schönen Anblick.
Unsere Reisegruppe bestand aus Grace, der Nichte meiner Chefin , die nun seit ein paar Tagen in Amerika ist und dort studiert, und ihren Freunden.








Unser Treffpunkt war am Busbahnhof in Kigali, gemeinsam nahmen wir dann den Bus nach Kibuye (4 Stunden) und vor Ort suchten wir dann erstmal ein Gästehaus, wo wir die Nacht verbrachten.
Ich fand ja Musanze schon eine super kleine Stadt als ich hier das erste Mal herkam, dafür dass es die zweitgrößte Stadt Ruandas ist, doch Kibuye ist im Vergleich wirklich "mini"!

Den nächsten Tag verbrachten wir eigentlich nur am bzw. im Kivusee, am Strand eines Hotels.
Ich war jedoch das einzige weibliche Gruppenmitglied, das schwimmen konnte. Bei einem Wettschwimmen mit mindestens fünf Männern unserer Gruppe habe ich lustigerweise mit Leichtigkeit gewonnen. Generell sind die meisten auch ziemlich beeindruckt, wenn sie sehen, dass man wirklich richtig schwimmen kann. Dies ist hier auch eher die Seltenheit, da es lediglich Hotel-Pools gäbe, in denen man schwimmen lernen könnte, die natürlich zu teuer sind für die normale Bevölkerung. Da haben diejenigen Glück, die in der Nähe eines Sees wohnen.  
Der Tag am Kivusee war WIRKLICH warm, was man auch hinterher an meinem Sonnenbrand Nummer 5000 (seit ich hier bin) gesehen hat.
Und dann ging es auch schon wieder zurück nach Musanze.






Mittlerweile habe ich mir auch mal einen Markt-Shopping-Tag in Musanze gegönnt. Hier in Musanze haben wir zwei Märkte (Kinyarwanda:nisokko), einen Food-market (auf dem es aber auch Schuhe und ein bisschen Kleidung gibt) und einen für Kleidung und sonstige Dinge, der sich am Busbahnhof (Kinyarwanda: murigare) befindet. Die Kleidung, die dort zu kaufen ist, ist hauptsächlich Second-Hand-Ware aus Europa, die jedoch nicht direkt nach Ruanda gebracht wird, sondern zuerst in Uganda oder im Kongo ankommt, weshalb Kleidung dort auch günstiger ist als in Ruanda. Über die Preise kann man trotzdem nicht klagen.

Vor einigen Wochen wurde der neue Kleidungsmarkt eröffnet, der den Markt am murigare ersetzt. Beim Aufbau dieses Gebäudes waren wir live dabei, denn mit dem Bau wurde letztes Jahr ungefähr in der Zeit begonnen, in der wir auch nach Ruanda kamen. Der neue Markt ist nun das größte Gebäude in Musanze und ist der ganze Stolz der Bewohner. Ich jedoch bin eher skeptisch, da es hierbei auch viel um Prestige ging. Denn die Verkäufer, die früher am Busbahnhof ihren Stand hatten, müssen nun umziehen und einen viel teureren Stand in dem neuen Gebäude mieten, sodass ihr Gewinn noch viel geringer ist als davor. Trotzdem ein ziemlich anmutiges Gebäude. Vom Dach aus hat man eine wunderschöne Aussicht auf Musanze und die Vulkane.




 






















Selbstversorgungsprojekt für Batwa-Familien

Mitte März hatten Enock und ich auch eine Réunion mit unserer "Chefin", eine ruandische Schwester, die die Arbeit mit den Batwa-Familien aufgebaut hat, und mit ihren Kollegen von der Kirche. Gemeinsam sollten wir eine Projektidee für unsere Kinder und ihre Familien entwickeln, die wir anhand von 5000€ Spendengeldern realisieren können.
Dadurch, dass die Armut immer noch das größte Problem der Batwas ist und sie nicht mal mehr genug Geld für Essen haben und das Mittagessen in der Schule auch ihre größte Motivation ist, dort hinzukommen, dachte ich mir, dass es am meisten Sinn macht, wenn wir ein Anbauprojekt (Mais, Bohnen, Kartoffeln) zur Selbstversorgung starten würden.
Dieser Vorschlag wurde gut aufgenommen, da so auch ein Stück weit die Abhängigkeit der Batwas unterbrochen werden kann. Mittlerweile haben wir den Budget-Plan und die Beschreibung auch schon fertig und in der Jumelage in Kigali vorgestellt, doch es müssen noch einige Dinge umgeplant werden bevor das Projekt realisiert werden kann.


Ende März habe ich Yaminga nun auch endlich sterilisieren lassen, sodass ich sie nun guten Gewissens nach draußen lassen kann, ohne ständig die Befürchtung haben zu müssen, dass sie schwanger wird. Hier wäre das sogar tatsächlich ein Problem, da ich die Babys nicht loskriegen würde, da die Leute nicht wirklich Fans von gängigen europäischen Haustieren sind und es hier wirklich schwierig wäre, jemanden zu finden, der sich gut um sie kümmern würde. Und für eine Horde kleiner Kätzchen habe ich hier auch keine Kapazitäten, da das Katzenfutter ein Vermögen kostet und nur in Kigali erhältlich ist.
Ungefähr eine Woche später war Yaminga dann einen Tag lang verschwunden und ich war schon tieftraurig und hatte die Vermutung, dass ihr eventuell jemand etwas angetan haben könnte (da hier einige erwachsene Leute sogar vor BABY-Katzen Angst haben und Kinder sogar mit Steinen nach Hunden werfen). Mitten in der Nacht spürte ich dann etwas Kuscheliges in meinem Bett, dass sich angefühlt hat wie Yaminga, doch ich dachte, dass ich jetzt aus Trauer schon Halluzinationen oder realitätsnahe Träume bekomme, doch tatsächlich stellte ich dann fest, dass es kein Traum war!
Ich denke, sie wollte nur ihre neu gewonnene Freiheit voll auskosten, seit dem ist dies auch nicht wieder vorgekommen.



Vom 3.4. bis zum 14.4. waren Schulferien anlässlich der nationalen Genozid-Gedenkzeit. 
Das Gedenken begann am 7.4., an diesem Tag wurde auch nicht gearbeitet. Im ganzen Land fanden am Abend, vor allem in Stadien, Veranstaltungen statt, an denen Filme angeschaut wurden und Reden gehalten wurden, um die schreckliche Geschichte nochmals Revue passieren zu lassen und den Menschen die Möglichkeit zu geben diese zu verarbeiten. Leider habe ich jedoch den Beginn dieser Gedenkzeit komplett verpasst und konnte nicht an der Veranstaltung im Stadium teilnehmen, da ich mit Fieber im Bett lag. Erzählt wurde mir jedoch, dass sogar Notärzte da sein sollen, da manche Menschen, die beispielsweise ihre Angehörigen vor 23 Jahren verloren haben, von ihren Emotionen überwältigt werden und Zusammenbrüche oder Ähnliches erleiden müssen.
Während dieser Zeit war es auch verboten, Lieder zu hören, die nicht extra für das Genozid-Gedenken komponiert wurden.




Auf die Schulferien hatte ich mich schon sehr gefreut, da ich in dieser Zeit intensiv mit den Kindern zusammenarbeiten kann. Und da ich auch Lust darauf hatte, die Kinder der anderen Schulen mal wieder zu sehen (Private Schulen: Wisdom School Musanze und Kingdom School).
Unter anderem bastelten wir gemeinsam Ketten und die Kinder hatten einen riesen Spaß daran. Die Kinder durften dafür kleine Muscheln verwenden, die ich am Strand in Kenia gesammelt hatte und auch Perlen, die ich in einem kleinen Schmuckladen in Nyange (direkt bei der Schule) gekauft habe. Außerdem bastelte ich kleine Alphabet-Lernspiele für die Kinder mit Bierdeckeln, die ich von verschiedenen Bars bekommen habe. Als sie die Aufgabe hatten, die Bierdeckel mit den Buchstaben auf der Innenseite in die richtige Reihenfolge für das Alphabet zu bringen, war es das erste Mal, dass ich die Kinder hochkonzentriert und still erlebt habe. An solchen Dingen haben sie großen Spaß, da die Lehrer mit keinerlei Materialien im Unterricht arbeiten, es gibt lediglich Frontalunterricht an der Tafel. Die Kinder müssen mitschreiben und häufig das im Chor wiederholen, was der Lehrer sagt.










































































             






 







Anfang April wurde Nickis Handy zum zweiten Mal gestohlen, als sie sich kurz in Musanze aufhielt, was natürlich ein großes Ärgernis war.
Ruanda gilt jedoch als das neuntsicherste Reiseland der Welt!!!!!!!
Und dies ist auch verständlich, da ich mich hier in Ruanda noch NIE unsicher gefühlt habe, seit ich hier bin. Ich meine auf Diebstähle muss man überall auf der Welt aufpassen und das kann auch überall passieren, doch trotzdem herrscht hier wirklich eine super hohe Sicherheit. Ich habe zum Beispiel überhaupt kein mulmiges Gefühl, Angst oder irgendwelche Bedenken, weder in der Stadt, noch auf irgendwelchen verlassenen Waldwegen, wenn ich nachts alleine durch die Gegend laufe, sondern habe mich von Anfang an sicher in Ruanda gefühlt.
... Übrigens, Deutschland ist auf Platz 51!

Wer es mir nicht glaubt, hier ein Link zum Nachlesen



Mittlerweile war ich mit Enock (meinem Kollegen) und einheimischen Freunden auch schon öfters ein bisschen außerhalb vom Musanze-Stadtzentrum, in kleinen Dörfern in der Natur, die ca, 30 Minuten zu Fuß vom Zentrum entfernt liegen. Dadurch dass es mir dort so gut gefallen hat, sind wir seitdem immer wieder zurückgekommen, um die Natur zu genießen und spazieren zu gehen. Dort gibt es auch einen kleinen Fluss, der in einen schönen Wasserfall mündet.