Mittwoch, 14. September 2016

Verdacht auf Malaria und andere Geschichten

... Und schon wieder ist eine Woche vorbei. Und ich berichte euch mit Freuden davon :-) Mir macht es sogar wirklich total Spaß, den Blog regelmäßig (zumindest so regelmäßig wie es in meinen Zeitplan passt) zu aktualisieren. Ich tue das nicht aus Pflichtbewusstsein, sondern aus Freude, weil ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die sich für das interessieren, was ich hier so tue und die gerne von meinen Erlebnissen lesen. Für mich ist es zwar nicht eine ganz so persönliche Sache wie für euch, denn ich weiß nie, wer wann vor dem Bildschirm sitzt und etwas von meinen Erlebnissen liest, doch durch die Rückmeldungen, die ich bisher schon bekommen habe, weiß ich, dass es durchaus Einige gibt, die stets up-to-date sind, was Neuigkeiten aus meiner Welt angeht.

Meine Gesundheit 

Diese Woche war leider ziemlich eintönig, was aber nicht daran lag, dass es mir hier nicht gefällt, sondern, dass ich mittlerweile schon den fünften Tag im Bett verbringe. Langeweile pur! Am Freitag Abend/ Nacht (9.9.) hat es mit Halsschmerzen begonnen, den Samstag lag ich dann komplett mit Kopfweh (wahrscheinlich auch Fieber) und Halsschmerzen flach. So ging es dann am Sonntag weiter. Am Montag machte ich mir dann doch ein bisschen mehr Sorgen (zwecks Malaria und Co), stieg kurzerhand aufs Moto, sagte zu dem Fahrer: "Kubitaro" (was laut einem Freund von mir, Krankenhaus auf Kinyarwanda heißt) und durfte dann das erste Mal das Hospital von Musanze von innen sehen. Falls es euch interessiert, wo ich dann gelandet bin, hier klicken Zum Glück war der Malaria-Test negativ (puh!). Falls ich den Arzt richtig verstanden habe (es waren komischerweise gleich drei Ärzte auf ein Mal für mich zuständig, die aber alle keinen ordentlichen englischen Satz zustande brachten), handelt es sich lediglich um einen Virus. Er verschrieb mir gleich Ibuprufen, welches ich im sechsstündigen Takt nehmen sollte (als ob). Trotzdem verbrachte ich auch den folgenden Tag und den heutigen weitgehend im Bett, ich merke jedoch, dass ich mittlerweile (es wurde aber auch Zeit) auf dem Weg der Besserung bin :-) Das Gute an der Geschichte: Ich hatte endlich Zeit, das Buch, das ich mir bereits in Deutschland bestellt hatte, zu lesen. Es heißt "Aschenblüte", wurde von Immaculée Ilibagiza geschrieben, einer Genozid-Überlebenden und ist sehr zu empfehlen. Ich weiß nicht, ob euch genauso interessieren würde, wie mich, weil ihr ja im Moment nichts direkt mit dem Land zu tun habt... Mich hat es auf der einen Seite sehr bestürzt, von den, für uns unvorstellbaren Grausamkeiten zu hören, aber auf der anderen Seite hat mich die Autorin auch sehr beeindruckt, dass sie selbst in solch einer Situation ihren Optimismus und Glauben an Gott beibehalten, ja sogar gefestigt hat.Trotzdem ist es für mich wirklich unbegreiflich, dass so etwas existieren konnte und so lange ist das noch gar nicht her, 22 Jahre!

Bildergebnis


Der heutige Abend 

Heute Abend war der erste Tag, an dem ich mal wieder so richtig unter Menschen war. Wir waren bei Soeur Floriada zum Essen eingeladen, sie ist ebenfalls eine Person, die hier für uns zuständig ist, mit der wir im Alltag aber kaum Kontakt haben. Das Essen hat mich ziemlich an das Essen meiner albanischen Oma erinnert, wenn sie gekocht hat. Es gab selbstgemachte Pommes, gekochtes Gemüse (unter anderem Bohnen), Reis, Fleisch und  Fleischsauce. Soeur Florida spricht lediglich Französisch und Kinyarwanda, wie die meisten der älteren Leute in Ruanda, weshalb ich für den heutigen Abend, wie schon einige andere Male, Nickis persönliche Übersetzerin war. Letzte Woche hat Soeur Florida uns einen Besuch in der Schule abgestattet, was sich ein bisschen wie ein Unterrichtsbesuch, wie ich sie von den Referendaren meiner ehemaligen Schulen bereits kannte, angefühlt hat. Zuerst hat sie bei Nicki beim Sport zugeschaut und dann saß sie bei mir im Englischunterricht mit drin. An dem Tag begann ich mit den Kindern das neue Thema "animals" (auf Kinyarwanda inyamaswa, ausgesprochen: inyamasgua) und Soeur Florida war ganz begeistert von den ganzen Tierbildern, die ich den Kindern zeigte. Das mit den Sprachen hier finde ich aber toll, das ist genau mein Ding. Wir sprechen hier zwar hauptsächlich Englisch (z.B. mit Enock), doch ab und zu hat man dann doch die Gelegenheit seine langjährig erworbenen Französisch-Kenntnisse in der Praxis anzuwenden. Und dadurch dass Nicki kein Französisch spricht, habe ich an Abenden wie diesen noch das Privileg, übersetzen zu dürfen. Besser hätte es nicht kommen können, dass ich hier sogar beide Sprachen anwenden kann.

Kinyarwanda

A propos Sprachen, mittlerweile kann ich übrigens schon ein paar Wortfetzen auf Kinyarwanda, wiedergeben. Hier ein kleiner Kinyarwanda-Sprachkurs, mit den Dingen, die ich bisher gelernt habe. Kinyarwanda spricht man übrigens Kinyaruanda oder sogar Kinyarguanda aus, das wusste ich vorher auch nicht :-)
Hallo: Muraho / Guten Morgen: Mwaramutse / Guten Mittag/ Abend: Mwiriwe
Wie geht es dir?: Amakuru?
Gut: Ni meza
Und wie geht es dir?: Amakuru Jawe?
Tschüss: Murabeho

Ungefähr so sieht meine Standard-Unterhaltung hier aus :D

Aber ich habe auch schon einige andere Wörter gelernt, hauptsächlich durch die Kinder in der Schule:

Ja: yego
Nein: oya
Wasser: Amazi
Flugzeug/ Hubschrauber: indege
Familie: Muhira oder umuryango
Bruder: furere
Schwester: mushiki
Mama und Papa ist ebenfalls mama und papa
Bett: igitanda
Ein bisschen: gahoro (habe ich schon einige Male auf die Frage, ob ich Kinyarwanda spreche, geantwortet)
Gute Nacht: Ijoro ryza
Guten Appetit: Gyoherwa (das w wird hier teilweise wie ein gu ausgesprochen, also Gyohergua)

Auch bis fünf zählen kann ich schon (juhu): rimne, kabirir, gatatu, kane, gatanu


So viel mehr habe ich diese Woche gar nicht erlebt, ich konnte ja leider an den Ausflügen von Nicki und den anderen Freiwilligen, unter anderem nochmal an den Kivu-See oder an den Zwillingssee in Musanze, nicht teilnehmen, was mich etwas geärgert hat. Aber ich muss auf jeden Fall erwähnen, dass Nicki sich sehr rührend um mich gekümmert hat. Eines Nachts habe ich sie sogar um 2 Uhr geweckt, weil ich Fieber hatte und einen leichten Panikanfall und sie hat es ganz gut gemanagt, mich wieder zu beruhigen. Ja, Nicki und ich sind mittlerweile ein ganz gutes Team geworden. Die ersten vier Wochen haben wir auch wirklich ausnahmslos alles zusammen gemacht, 24/7. Erst dadurch, dass ich dann krank wurde, waren wir gezwungen, auch mal getrennte Wege zu gehen. Und mittlerweile ist es auch schon öfters vorgekommen, dass wir mit unterschiedlichen Leuten etwas unternommen haben. Trotzdem bin ich total froh, mit ihr zusammen zu wohnen. Wir sind auch eine echt große Stütze füreinander. Alleine zu wohnen wäre jetzt definitiv keine Option mehr für mich. 
Übrigens, nach mittlerweile fünf Wochen haben Nicki und ich heute zum ersten Mal bei uns zu Hause gekocht! ... Nudeln mit Tomatensauce, nichts Besonderes, aber der Wille zählt! Die letzte Zeit waren wir nämlich wirklich ziemlich faul und gingen eigentlich immer (mit ein paar Ausnahmen) im "La Paillotte" essen, was man eigentlich schon als unser zweites Zuhause bezeichnen könnte. 

Ich lege ich mich jetzt mal schlafen. Ijoro ryza  :-)




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