Freitag, 26. August 2016

Erste Schulwoche: check

Ich dachte, es macht Sinn, nochmal einen Post zu verfassen, bevor ich richtig in der Schule mit meinen Aufgaben beginnen werde.

Erste Eindrücke - der Unterricht

Von Montag (22.8.) bis heute, Freitag (26.8.) durften wir erstmal, wie ich es bereits erwähnt hatte, nur beim Unterrichten zusehen. Effektiv waren dies aber nur 3 Tage, da wir am Mittwoch frei hatten und heute anderweitig beschäftigt waren - dazu später mehr!
Wirklich oft durften wir bei Englischsstunden zusehen. Anfänglich hatte ich wirklich meine Probleme mit dem Englisch hier - vor allem mit der Aussprache, da auch beim Englischssprechen nicht auf das rollende R verzichtet wird, was vermischt mit der für mich seltsamen Aussprache, wirklich ein gewöhnungsbedürftiges Englisch ergibt. Der Akzent ist wirklich unüberhörbar, z.B. heißt es dann anstatt: "Are you ready?", "Al you leedi?", da muss man zwei Mal überlegen, bevor man versteht, was eigentlich gemeint ist. Auch mein Name wird oft einfach zu "Lebekka", weil hier die Buchstaben R und L austauschbar verwendet werden. Mittlerweile (ich bin wirklich erstaunt von mir selbst) komme ich aber schon recht gut damit klar und muss nicht mehr ganz so lange über die Bedeutung eines Satzes nachdenken wie davor.
Einen Französischunterricht habe ich bisher leider noch nicht besuchen dürfen (weil der Lehrer irgendwie nicht da war), was ich etwas schade fand, da es mit meinem eigenen Unterricht ja schon am Montag losgeht und ich gerne vorher nochmal gesehen hätte, wie denn Französisch hier so unterrichtet wird. Naja, vielleicht gibt es dafür auch noch eine Gelegenheit.
Dahingegen durfte ich jedoch schon bei zwei Mathestunden dabei sein, was mir echt, entgegen meiner Erwartung, Freude bereitet hat. Ich werde ja nur in der Primary-School eingesetzt, die hier von der 1. bis 6. Klasse geht, also hält sich die Abstraktheit der Mathematik wirklich in Grenzen und macht sogar mir, als "Mathemuffel", ziemlich Spaß. Ich könnte mir sogar vorstellen, auch Mathe zu unterrichten, denn wenn ich es selbst verstehe, geht es im Prinzip ja nur darum, es so einfach wie möglich zu erklären und das ist wiederum etwas, das ich sehr gerne mache.

Zu den Unterrichtsmethoden hier: Die Schüler werden hier geschlagen. Wir haben es schon einige Male beobachtet, dass Lehrer die Schüler mit einem Bambusstock auf den Hintern geschlagen haben, z.B. wenn die Schüler nach dem Lehrer das Klassenzimmer betreten.
Andere Methoden wiederum finde ich nicht schlecht, z.B. das Loben. Wenn ein Schüler etwas richtig gesagt hat, heißt es z.B. "clap for him" und dann bricht die ganze Klasse in einen Klatschrhythmus aus, der dem Schüler gewidmet ist.
Mir ist aufgefallen, dass hier sehr viel über das Auditive gelehrt wird und weniger über das Schriftliche, was mir als Schüler wahrscheinlich schwer fallen würde. Es wird generell viel im Unterricht gesprochen und die Schüler haben, im Vergleich zu dem Unterricht, den ich aus Deutschland gewöhnt war, weniger längere Arbeitsphasen, in denen sie selbst schriftlich aktiv werden müssen. Wenn dann sind es Mini-Aufgaben, die so, oder so ähnlich bereits an der Tafel besprochen wurden. Für mich hat es auch den Eindruck gemacht, dass die Lehrer ein ziemlich unpersönliches Verhältnis zu den Schülern haben - teilweise kennen sie nicht mal mehr ihre Namen. Das halte ich für ein großes Manko. Der Lehrer ist hier die Autoritätsperson, aber auch nicht mehr. In den Klassen herrscht aber (vielleicht sogar genau deswegen?) eine ziemliche Stille und die Schüler sind sehr aufmerksam und motiviert dabei. Sonst ist der Unterricht aber auch eher eintönig, aber auch wahrscheinlich deswegen, weil den Lehrern weniger Materialien/ Möglichkeiten zur Verfügung stehen, als denen in Deutschland. CD's oder Videos können halt nicht abgespielt werden, weil man dafür einen CD-Player, Beamer usw. benötigen würde. Auch bei kreativen Aufgaben z.B. würden Materialien wie Buntstifte, Kleber, Papier/Karton usw. fehlen... Das macht das Ganze wirklich ein bisschen schwieriger.
Ich muss aber dazu sagen, dass dies mein ERSTER subjektiver Eindruck von ruandischem Unterricht ist, ich will nicht, dass mich jemand falsch versteht und meint, dass ich die Situation objektiv komplett richtig einschätzen kann und darüber urteilen kann. Generell fand ich aber auch das wirklich total interessant und bin mal gespannt, was ich sonst noch so für Eindrücke sammeln werde.

Hier mal ein paar Bilder von einem Klassenzimmer und ein paar Kindern:


Unser freier Tag 

An unserem freien Tag, dem Mittwoch, waren wir in Kigali, auf einer Party der Jumelage (das Büro, das die Partnerschaft zwischen Deutschland und Ruanda koordiniert und unser Ansprechpartner ist), die eigentlich wirklich ziemlich cool war. Wir Freiwillige waren für die Stände in Schichten eingetragen, ich war zuerst am Cocktail- und dann am Chapati- und Sambosastand. Chapati sind c-crêpe- bzw. pfannkuchenartige, leckere Nahrungsmittel und Sambosa sind Dreiecke aus Teig, die mit Fleisch oder Kartoffeln und Erbsen gefüllt sind. Beides total lecker! Nach unseren Schichten durften wir auch ein bisschen tanzen gehen, was wirklich total Spaß gemacht hat. Mit Ruandern zu tanzen ist wirklich ein tolles Erlebnis, da dies wirklich Lebensfreude pur verkörpert... und viele können wirklich gut tanzen ;) Danach haben wir noch in einem Geburtstag eines Freiwilligen reingefeiert. Nicki und ich haben in dem Ida-und-Spohie-Hotel übernachtet, wie immer, wenn wir in Kigali sind (kleiner Scherz, wir haben bei zwei anderen Freiwilligen übernachtet, die in Kigali wohnen). 

Unsere Tour nach Kinigi - Lebensumstände der Batwa hautnah mitbekommen 

Heute (Freitag, 26.8.) war wirklich ein total interessanter Tag! Wir haben mit Enock, dem 28-jährigen Sozailarbeiter unserer Schule, der bereits dreifacher Vater ist und der Hauptverantwortliche für die Batwa-Kinder ist und quasi unser Ansprechpartner, einen Ausflug nach Kinigi gemacht. Kinigi ist ein Stadtteil von Musanze, wenn ich das richtig verstanden habe. Die Fahrt dorthin war sehr abenteuerlich. Von unserem Haus aus sind wir mit dem Minibus zum Busbahnhof gefahren, von dort aus mit einem anderen Minibus ins Zentrum von Kinigi und dann haben wir für das letzte Stück (12 km) die Motos genommen, um eine andere Schule zu besuchen. Ich habe gemerkt, dass diese Schule unserer Schule sehr geähnelt hat, was die Gebäude angehen. Hier tragen übrigens alle Schüler an jeder Schule eine Schuluniform. Danach kam aber erst der richtig interessante Teil. Wir haben die Familien der Batwa-Kinder unserer Schule besucht. Dies gehört nämlich ebenfalls zu Enocks Aufgaben, um zu schauen, was mit den Kindern los ist, falls sie mal nicht zur Schule kommen, oder um einfach die Lebenssituation der Kinder besser zu verstehen. Somit sind wir von "Haus" zu "Haus" gezogen und haben nach dem Rechten gesehen. Die Lebensumstände der Kinder zu sehen war wirklich krass, anders kann man das nicht beschreiben. Ich hätte nicht gedacht, dass die Kinder in solch ärmlichen Verhältnissen leben. Sie leben in Hütten, die entweder aus Lehm mit Wellblechdach, oder einfach nur aus irgendwelchen Sträuchern und Pflanzen mit einem Holzgerüst bestehen. Aber es wurde uns ja bereits gesagt, dass deren Eltern wirklich kaum finanzielle Mittel haben, das jedoch mit eigenen Augen zu sehen, war nochmal was anderes. Was wir während unserem Weg immer wieder zu hören bekamen, war, dass zur Zeit in dieser gesamten Region, kaum Wasser zu finden ist, was wirklich ein großes Problem ist. Vom Äußerlichen her sahen die Kinder auch wirklich sehr sehr schmutzig aus und manche von ihnen, die kleineren, haben teilweise nicht mal mehr Hosen getragen, oder nur zerrissene Kleidung. Als wir dann unsere Runde gemacht hatten, sind wir, anstatt die Motos zu nehmen, den Weg zu Fuß zurückgelaufen. Das waren 12 Kilometer. Wenn man nicht darauf vorbereitet wird ist das schon ein Stück, aber für die Leute hier ist das Normalität einfach mal weitere Strecken zu Fuß zu laufen. 

Hier ein Bild von Nicki und mir gemeinsam mit einer sechs- oder siebenköpfigen Familie vor ihrem Haus: 

Wir haben uns länger mit dieser Familie unterhalten und durften sogar mit in ihr Haus kommen. Die Küche befindet sich draußen (eine Feuerstelle unter einem Holzgestell, das mit Blättern und Sträuchern bedeckt ist) und ebenfalls die Toilette. Die Familie hat hinter dem Haus einen eigenen Gemüsegarten, einen Avocado-Baum, zwei Papaya-Bäume und ein Kalb. Der Vater hat uns erzählt, dass er mit 13 Jahren geheiratet hat und jetzt 39 Jahre alt ist. Er gehört ebenfalls zu der Ethnie der Batwa und ist mit 16 Jahren aus den Bergen in die Stadt umgezogen. Die Batwa haben nämlich früher als Jäger und Sammler in den Bergen gelebt. 

Das Phänomen der frühen Hochzeit ist bei den Batwa immer noch sehr häufig vertreten, obwohl die Hochzeit normalerweise für Frauen ab 20 und für Männer ab 21 gestattet ist. Wir haben zwei weitere Beispiele mitbekommen, zwei Schüler, die in der dritten Klasse waren, beide 13 Jahre alt, haben vor kurzem die Schule abgebrochen, weil sie geheiratet haben. Auch sie haben wir auf unserer "Tour" getroffen, Zwei weitere Schüler, beide 15, haben jetzt ganz frisch die Schule abgebrochen, weil auch sie geheiratet haben. 

Nun habt ihr mal wieder einen kleinen Einblick in meine letzten Tage hier bekommen. Ich hoffe ihr fandet es aufschlussreich. Falls noch Fragen offen geblieben sind oder sonstige Interessen bestehen, könnt ihr mich auch gerne persönlich per Mai oder WhatsApp kontaktieren und ich werde versuchen eure Anregungen oder Fragen zu beantworten :) 

Bis bald! 

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