Ich muss sagen, ich habe wirklich gefallen an der Wiesbadner bzw. Mainzer Region gefunden, doch der badische Dialekt hat mir schon sehr gefehlt. Das war auch das erste, das den Mitfreiwilligen an mir aufgefallen ist... dabei dachte ich, dass mein Dialekt wirklich human ist, wenn man bedenkt wie die waschechten Badner hier so sprechen. Das ist schon witzig, wenn man mal darüber nachdenkt, wie groß die Unterschiede selbst innerhalb von Deutschland sind, man fährt 3-4 Stunden mit dem Zug und schon sprechen die Menschen ganz anders... Anfangs war es wirklich komisch für mich, wieder zu Hause zu sein, da ich während den 10 Tagen in Wiesbaden schon sehr auf Afrika gepolt war und mich bildlich schon fast im Flugzeug gesehen habe. Trotzdem habe ich mich unglaublich gefreut, meine Familie wieder zu sehen. Ich denke aber, dass die Zeit nun schneller vergeht, als mir lieb ist und ich muss wirklich gut planen, was ich wann erledigen muss. Ich habe wirklich das Gefühl, dass die Zeit rast, mittlerweile ist dies aber auch begründet, da ich jetzt nur noch eine Woche in Deutschland sein werde!
Ich weiß nicht, ob das Foto lesbar ist, aber hier könnt ihr unseren Plan des Vorbereitungsseminars in Wiesbaden vom 23.7. bis zum 1.8. sehen:
Ablauf Vorbereitungsseminar
In den ersten zwei Tagen lag der Fokus auf dem Kennenlernen der anderen Freiwilligen, sowie auf der Gruppendynamik. Insgesamt nahmen 71 Freiwillige an dem Vorbereitungsseminar teil, nämlich alle, die nach Afrika bzw. Asien gehen werden. In Afrika gehen die meisten Freiwillige nach Namibia, zwei gehen nach Südafrika, sechs nach Ghana und weitere sechs nach Ruanda (ich eingeschlossen). Zu den asiatischen Ländern zählen vor allem Thailand und Indien, wohin auch sehr viele Freiwillige gehen (ich hoffe, ich habe kein Land vergessen).
Ich kam leider zwei Stunden zu spät zum Seminar, was jedoch diesmal wirklich nicht an mir lag! Das Seminar begann um 14 Uhr und wenn alles nach Plan gelaufen wäre, wäre ich sogar zu früh dagewesen. Doch als ich im letzen Zug Richtung Mainz saß, hielt dieser ca. zwei Stationen vorher an und genau an dieser Stelle befanden wir uns auch noch zwei Stunden später. Der Grund: Personenunfall, mehr weiß ich auch nicht.
Naja, als ich dann endlich da war platze ich mitten in die Eröffnungsrede, wo gerade die Rede von Pünktlichkeit war. Danach wurde die Großgruppe in mehrere Kleingruppen eingeteilt. Wir sechs, die nach Ruanda gehen werden, kamen in eine Gruppe mit denen, die ihren Freiwilligendienst in Ghana ableisten werden - wir waren also insgesamt 12 Leute.
Wir machten am Anfang viele Gruppenspiele und Bastelarbeiten, mit dem Hintergedanken, dass wir uns währenddessen mit den anderen Freiwilligen unterhalten können und sie besser kennen lernen können. Außerdem beschäftigten wir uns viel mit uns selbst, u.a. mit unserer Vergangenheit, was wir in einem Fluss des Lebens visualisierten. Was ich aber am hilfreichsten fand, war die kurze Gesprächsrunde über unsere aktuellen Gefühle und wie es uns im Moment geht, bezogen auf die bevorstehende Reise. Wie ich auch schon im letzten Post erwähnt habe, hat es mich sehr beruhigt, zu wissen, dass es vielen wirklich ähnlich wie mir geht und dass viele im Moment auch eher traurig sind, als Vorfreude zu verspüren. Das hat mir wirklich geholfen und mir das unangenehme Gefühl genommen, alleine mit diesen Gefühlen zu sein.
In den nächsten drei Tagen bekamen wir Infos, Infos und nochmal Infos. Einerseits fast eine Reizüberflutung, andererseits genau das, worauf ich seit Monaten gewartet hatte. Handfeste Informationen bezüglich unseren Einsatzsetellen und vor allem unserem Einsatzland! Bei Nicki (meiner zukünftigen Mitbewohnerin) und mir, kamen die Informationen bezüglich unserer Einsatzstelle aber viel zu kurz, was u.a. daran liegt, dass die Verantwortlichen nicht mal mehr selbst über ausreichend Wissen verfügen. Wir wissen weder wo und wie wir wohnen werden, noch was unsere genauen Aufgaben sein werden. Da sage ich nur: Überraschung! Dahingegen haben wir aber wirklich viele Informationen über Runda selbst bekommen, über die heutige Situation, die Vorgeschichte und die Kolonialisierung. Zum Einen von dem Koordinationsleiter, der die Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda leitet, zum anderen von einem ehemaligen Freiwilligen, der mittlerweile 28 Jahre alt ist und von einem gebürtigen Ruander, der mittlerweile in Deutschland studiert und uns "Insider-Tipps" geben konnte. Das war wirklich klasse und somit hat sich das Durcheinander von Fragen in meinem Kopf ein wenig geordnet. Übrigens, wer sich für die ruandische Geschichte und den Völerkmord interessiert, auf den ich immer wieder angesprochen werde, kann sich den Film "Sometimes in april" anschauen, dieser gilt als der beste Film über den Genozid. Ich selbst habe ihn noch nicht angeschaut, da er sehr brutal und traurig sein soll, doch vielleicht werde ich dies noch nachholen.
In den letzten fünf Tagen erarbeiteten wir gemeinsam verschiedene Themen, die für unseren Freiwilligendienst sehr hilfreich sind. Was mir besonders im Kopf geblieben ist, ist das Thema Alltagsrassismus und "critical whiteness", wo ich einige Infos mitbekommen habe, die mir neu waren. Was für euch vielleicht auch interessant ist: Die offizielle Bezeichnung für Leute mit dunkler Hautfarbe ist weder "Dunkelhäutiger", noch "Starkpigmentierter" oder andere Wortschöpfungen, sondern nur "Schwarzer" oder "People of Colour", also "POC". Dadurch wurde mir auch klar, wie schwer es eigentlich ist, 100%-ig politisch korrekt zu reden/ schreiben. Deshalb schon mal im Voraus meine Entschuldigung: Ich werde mich bemühen, meine Posts richtig zu formulieren, ohne irgendjemanden zu diskriminieren, doch ich weiß jetzt schon, dass es mir nicht immer gelingen wird. Sorry!
Alles in allem kann ich sagen, dass das Vorbereitungsseminar meine Erwartungen wirklich übertroffen hat, was zum großen Teil an der tollen Gruppe lag, wir haben uns den Namen "Ghanda" gegeben (Mischung aus Ghana und Ruanda), aber auch an unseren Teamern und generell an den Aktivitäten und Informationen, die mir sehr weitergeholfen haben. Zu Beginn war es zunächst wirklich komisch und fremd, 24 Stunden unter (fremden) Menschen zu sein und in einer komplett neuen Umgebung zu sein, mit absolut nichts Bekanntem, aber das hat sich schnell geändert.
Viele liebe Grüße,
Rebekka
P.S. Was natürlich ganz wichtig war: Ich habe meine zukünftige Mitbewohnerin Nicki (Nicola) endlich kennengelernt. Sie kommt aus Mainz und wird mit mir in Ruanda zusammen wohnen und auch im gleichen Projekt arbeiten. Hier könnt ihr ein Bild von uns sehen:


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