Ich bin nun stolze Besitzerin eines Internet-Sticks, sodass ich nun, nachdem ich ca. 2 Stunden die Böden geschrubbt und die Wäsche gewaschen habe, meinen Blog mal wieder auf Vordermann bringen kann und euch von meiner letzten ereignisreichen Woche in Musanze berichten kann. Übrigens, wem es noch nicht aufgefallen ist, auf meinem Blog gibt es den Reiter "Berichte", wo man alle Posts, dem Datum entsprechend, geordnet aufrufen kann - das macht die Orientierung um einiges leichter.
Der lang ersehnte Tag für Nicki und mich war der letzte Mittwoch, der 17.8., denn an diesem Tag fand unser Umzug nach Musanze statt. Von Kigali aus fuhren wir mit einem, mit Möbeln voll bepackten Pick up, zwei Stunden lang über eine sehr hügelige Strecke (wie man sie auch vom Schwarzwald kennt) nach Musanze, der viertgrößten Stadt Ruandas. Vor dem Genozid hieß diese Stadt jedoch Ruhengeri, wovon auch heute noch teilweise im Internet die Rede ist.
Als wir in Musanze ankamen, gingen wir zunächst einmal unsere ersten essentiellen Haushaltsutensilien shoppen: Klopapier, Spül-, Putz- und Waschmittel, Schwämme, 2 Tassen und 4 Gabeln. Danach fuhren wir voll beladen zu unserem Haus. Ja, wir haben ein eigenes Haus!! Es ist wunderschön und gefällt uns mit jedem Tag mehr, da es immer wohnlicher und persönlicher wird und sich langsam auch schon ziemlich wie unser Zuhause anfühlt. Unsere erste eigene Wohnung-aufregend! Unsere Ersteinrichtung an Möbeln, die wir von der Organisation gestellt bekommen haben, besteht aus einem Bett, das Nicki bekommen hat (ich habe mir dann gleich noch eins für ca. 17€ gekauft), einem Herd, zwei Regalen als Schrankersatz, einem Küchenregal, zwei Tischen und vier Stühlen. Spärlich, aber immerhin besser als nichts.
Um mal einen Eindruck davon zu bekommen, hier ein paar Fotos von unserem neuen Heim:
Unsere Küche
Unser Bad
Unser Wohnzimmer


Mein Zimmer
Die Schule
An diesem Tag hatten wir auch direkt unser erstes Gespräch mit unseren Verantwortlichen, dem Schulleiter der MINEDUC G.S. Saint Pierre Schule von Musanze, der Schwester Soeur Florida und dem Sozialarbeiter Enock. Das zweite Mal, an dem wir an der Schule waren, war der letzte Freitag, der 19.8., an dem wir eine Führung durch die Schule bekommen haben und den Stundenplan besprochen haben. Eine Woche lang werden wir uns jetzt "nur" beim Unterricht dazusetzen, um mal den ersten Eindruck davon zu bekommen, bevor wir dann selber mit dem Unterrichten beginnen werden. Heute durften wir beim Matheunterricht einer vierten Klasse zusehen, bei einem Englischunterricht und bei einem Kiyarwanda-Unterricht einer ersten Klasse, was für mich total interessant war. Ich liebe es zu sehen, wie in anderen Ländern unterrichtet wird, das hat mir wirklich Freude bereitet. Generell ist hier alles ziemlich locker, es gibt z.B. keinen Gong, sodass der Beginn der Unterrichtsstunde relativ flexibel ist. Bei dem System habe ich noch nicht ganz dahintergeblickt. In Mathe fand ich das Niveau der Schüler recht hoch - ich kann mich zumindest nicht daran erinnern, dass ich in der Grundschule schon Bruchrechnen geübt habe, in Englisch jedoch eher weniger. Das liegt bestimmt auch daran, dass die Lehrer teilweise selbst nicht mal mehr gut Englisch sprechen können.
Unsere Aufgaben
Was uns bisher, bezogen auf unsere Aufgaben, gesagt wurde, ist, dass wir mit den Batwa-Kindern arbeiten werden. Diese haben morgens ganz normal Schule und unsere Aufgabe ist, sie nachmittags zu beschäftigen, da sie sonst auf "dumme Gedanken" kommen würden, wie z.B. zu klauen. Da es bisher nicht genügend Möglichkeiten bzw. Personal gab, haben sie nachmittags einfach genau das gleiche gemacht wie morgens, was natürlich ziemlich langweilig für die Kids war. Die Batwa, oder auch Twa genannt, sind eine ethische Minderheit in Ruanda, die unglaublich arm sind und auch als die Vergessenen bezeichnet werden. Wir sollen den Kids von 12:40 Uhr bis 16:20 Uhr Mathe-, Englisch- und Französischunterricht geben, außerdem sind eigene Ideen immer willkommen. Ich werde den Französisch- und den Englischunterricht übernehmen, was eigentlich kein richtiger Unterricht sein soll, sondern eher Nachhilfe, in der wir mit den Kids nochmal das durchgehen und vertiefen, was sie davor im Unterricht gelernt haben, Außerdem habe ich noch an ein Theaterprojekt gedacht. Was mich jedoch ziemlich irritiert, ist, dass alles SO locker und flexibel ist. Und ein logistisches Problem kommt auch noch dazu: Es gibt zu wenige Klassenräume, somit müssen Nicki und ich draußen unterrichten! Die Regenzeit wird bestimmt toll (Ironie).
Auf der einen Seite freue ich mich schon unbeschreiblich arg darauf, den Unterricht zu gestalten, den Kindern zu helfen, dass sie im Unterricht mitkommen und etwas bei den Kindern zu bewirken, doch auf der anderen Seite habe ich auch großen Respekt vor dieser Verantwortung. Ich weiß nicht, wie ich den Kindern Englisch und Französisch beibringen soll, wenn sie kein Wort Englisch verstehen, sondern nur Kinyarwanda, oder wie ich mit einer einzigen Person ein Theaterprojekt starten soll.
Fragen über Fragen... wenn ich an meine bevorstehenden Aufgaben denke, habe ich schon ein mulmiges Gefühl im Magen und verspüre auch einen Druck, ja alles perfekt zu machen, doch ich habe ja zum Glück noch die Gewissheit im Hinterkopf, dass dies meine absolute Leidenschaft und mein Traum ist und dass ich bei den Kindern wirklich viel bewirken kann, denn ich werde keine ganze Klassen unterrichten, sondern nur kleinere Gruppen, wodurch mir dann hoffentlich die Möglichkeit gegeben wird, mich mehr oder weniger individuell um die Kinder zu kümmern und ein persönliches Verhältnis aufzubauen.
Nun ist aber genug für heute. Ich werde euch auf dem Laufenden halten. Bis bald! :)







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