Von unserem Ausflug nach Kinigi habe ich ja am Freitag ausführlich berichtet, doch dabei blieb es nicht. Seitdem war Kinigi unser Ausflugsziel Nummer 1. Unsere Nachbarn aus Kenia haben dort am 1. September ihr luxuriöses Hotel "Da Vinci Gorilla Lodge" eröffnet, somit waren wir mittlerweile schon einige Mal dort. Jetzt weiß ich auch, wie man sich wohl als König fühlen muss, wir wurden dort bedient, als wären wir irgendwelche wichtige Staatspersonen oder so etwas in der Art. Die Geschwister Ruth und Peter wohnen in der Doppelhaushälfte neben uns. Wir nutzen einen gemeinsamen Hof und ein gemeinsames Tor. Sie sind total nett! :-)
Außerdem waren wir ein weiteres Mal mit Alex in Kinigi, einem gebürtigen Ruander, den wir in Musanze kennengelernt haben. Er hat uns sogar zu sich nach Hause eingeladen. Wir waren sehr erstaunt darüber, dass auch er, obwohl er ziemlich gut gekleidet war, eher in ärmlichen Verhältnissen lebt. Das Haus, in dem er wohnt, kann man sich in etwa so vorstellen, wie die Häuser der Batwa, die ich im letzten Post beschrieben habe. Als wir dort ankamen lernten wir seine Schwester kennen, die uns sofort gekochte Kartoffeln und Bohnen servierte, die wir gemeinsam mit einer Horde kleiner Nachbarskinder aus einem Topf aßen.

Am 2. September haben Nicki und ich den ruandischen Präsidenten Paul Kagame live gesehen, denn hier in Musanze fand die Gorillbaby-Nanamensgebungs-Zeremonie statt. Es war ganz interessant, doch ich fand, dass mehr "Tamtam" um diese Zeremonie gemacht wurde, als sie verdient hat. Dieser Tag wurde hier wie ein Feiertag begangen, auch wir waren an dem Tag von der Arbeit befreit, um die Zeremonie besuchen zu können. Wir saßen im VIP-Zelt relativ weit hinten, sodass wir kaum beobachten konnten, was unten so vor sich ging. Letztendlich wurden einfach die Namen der Gorillas mit einer Erklärung genannt, es gab eine Rede des Präsidenten und das Ganze wurde mit traditionellen Tänzen untermalt. Echte Gorillas bekamen wir aber nicht zu Gesicht, naja, der Eintrittspreis für den Gorilla-Nationalpark liegt ja auch bei ca. 750 US-Dollar!
Hier noch ein paar Fotos von der Zeremonie. Auf dem ersten könnt ihr Nicki und mich mit Enock in der Mitte sehen. Er ist derjenige, mit dem wir am meisten hier zu tun haben, was unseren Job betrifft. Er ist der Verantwortliche für die Batwa-Kinder und weist uns in unsere Aufgaben ein. Im Hintergrund sieht man einen riesigen Gorilla aus Bambus. Auf dem rechten Foto seht ihr mich vor zwei Vulkanen stehen. Insgesamt gibt es in Ruanda fünf Vulkane, die alle hier bei uns in Musanze stehen. Die Zeremonie hat auch direkt am Eingang des Volcano-National-Parks stattgefunden.

Außerdem hatte ich die Woche ein Friseur-Unglück. Eigentlich wollte ich mir Braids machen lassen, doch allein das Flechten tat bereits so weh, dass ich am nächsten Morgen wieder vor der Tür des "Hair Saloons" stand, um sie entfernen zu lassen. Stolze 24.000 Franc in den Sand gesetzt - ein Hoch auf mich! Wie dem auch sei habe ich mir am Samstag, den 3.9.16 eine neue Frisur machen lassen, die mir besser gefällt und vor allem, um einiges weniger weh getan hat!
Hier die erste Frisur: Und hier meine jetzige:

Am Sonntag, den 4.9. waren wir das erste mal am Kivusee, darauf hatten wir uns schon in Deutschland so gefreut. Das ist ein riesiger See, der zwischen Ruanda und dem Kongo liegt. Wettertechnisch war der Ausflug zwar nicht optimal, doch wir sind trotzdem Schwimmen gegangen. Der Grund dafür, dass das Wetter zur Zeit eher bewölkt und etwas kälter ist als sonst, ist dass die große Regenzeit bevorsteht! Darauf bin ich auch sehr gespannt.... Laut Damien, dem Mentor von einigen anderen Freiwilligen, waren wir ca. 5 Minuten von der Grenze zum Kongo entfernt.

Nun der wichtigste Teil des heutigen Posts: Die Schule.
Am Montag, den 29.8. war mein erster richtiger Arbeitstag als Lehrerin. Ich habe gleich mal ein Tafel-Selfie für den Blog geschossen:
Ich muss ehrlich gestehen, dass der Tag eher unbefriedigend für mich verlief. Der Grund dafür war aber einfach, dass ich mit zu hohen Erwartungen an die Sache rangegangen bin. Obwohl ich eigentlich wusste, dass ca. 80% der Ruander Kinyarwanda sprechen, dachte ich, dass das Englischniveau der Kinder um einiges besser sei. Pusteblume... Fakt ist, dass die Kinder AUSSCHLIESSLICH Kinyarwanda sprechen können, obwohl Englisch, genau wie Französisch, Amtssprache ist. Dadurch, dass wir keine gemeinsame Sprache haben, gestaltet sich das Unterrichten schwieriger als gedacht. Ich unterrichte P1-P6, also Primary 1 bis 6, das ist hier die Grundschule. Ein Schüler aus der Secondary 1 ist auch dabei. Ich unterrichte jedoch keine ganzen Klassen, sondern aus jeder Klasse jeweils nur die Batwa-Kinder. Dabei handelt es sich in jeder Klassenstufe um 3-8 Schüler, eine sehr angenehme Zahl :) Der erste Tag war also ziemlich schwierig, ich unterrichtete die P2 alleine und leider verstanden die Kids nicht mal mehr einfache Arbeitsanweisungen wie: "Where is your notebook? oder"Do you understand what I just said?". Außerdem war Nicki ziemlich deprimiert, da das Unterrichten eigentlich überhaupt nicht ihr Ding ist und da dies eigentlich auch nicht als ihre Aufgabe vorgesehen war und es nun so schien, als ob dies doch ihre Hauptaufgabe war. Ursprünglich war es so geplant, dass wir montags und donnerstags die Klassenstufen P1- P3 haben und dienstags und freitags P4 - P6. Eigentlich war geplant, dass wir parallel unterrichten, z.B. ich P1 plus die Hälfte der P2 und Nicki gleichzeitig P3 plus die Hälfte der P2 und, dass wir dann nach der Pause parallel Projekte machen, z.B. Sport. Am Montag war Enock bei Nicki beim Unterrichten dabei und ich habe alleine Unterricht gemacht, doch wir haben gemerkt, dass es nicht möglich ist, dass nur einer von uns Enock beim Unterrichten als "Übersetzer" dabei hat und der andere alleine unterrichten muss... Das ist vor allem bei den ganz jungen Schülern sehr schwierig.
Also haben Nicki und ich einen neuen Plan aufgestellt, der uns das Unterrichten erleichtern sollte, die Effektivität für die Schüler steigern sollte und vor allem eine Möglichkeit für uns sein, unsere Fähigkeiten bestmöglichst einzubringen.
Glücklicherweise ergänzen wir beide uns in diesem Punkt sehr gut, da mir das Unterrichten total viel Spaß bereitet und Nicki ein richtiges Sports-Ass ist. Somit haben wir unsere Aufgabenbereiche so aufgeteilt, dass ich komplett den Unterricht übernehmen werde und Nicki komplett die Projekte, was in ihrem Fall Sport ist. Ein normaler Schultag /z.B. Montag) sieht jetzt also so aus: Um 12:40 Uhr beginnt für uns die Arbeit. Ich unterrichte die Hälfte von P1, 2 und 3, während Nicki mit der anderen Hälfte Sport macht. Um 14:20 Uhr beginnt die Pause. Um 15 Uhr werden die Gruppen getauscht: Ich unterrichte Nickis Gruppe und Nicki macht mit meiner Gruppe Sport.
Seitdem wir diese Änderung in die Tat umgesetzt haben (schon am zweiten Tag) und seitdem ich meine Erwartungen zurückgeschraubt habe, lief alles viel besser. Enock ist nun mein Übersetzer im Unterricht, was für mich eine große Stütze ist und dazu beiträgt, dass die Kinder mich viel besser verstehen. Ich kann jetzt schon sagen, dass es mir großen Spaß bereitet, die Kinder zu unterrichten und den Unterricht vorzubereiten. Das ist genau mein Ding und auch Nicki ist total glücklich, dass sie jetzt das machen kann, das ihr Spaß macht und nicht gezwungen ist, etwas zu tun, dass sie eigentlich gar nicht möchte :)
Hier könnt ihr noch ein paar Bilder von der Schule sehen:

Hier ein Tafelaufschrieb einer Unterrichtsstunde. Eigentlich hieß es zu Beginn, dass wir Englisch, Französisch und Mathe unterrichten sollen, doch Enock meinte mehrmals zu mir, dass die Kinder gut Englisch sprechen wollen und dass dies sehr wichtig sei, sodass ich bisher nur Englisch unterrichtet habe,
Ich hoffe euch allen geht es auch gut. Viele liebe Grüße und bis bald! :-)
P.S. Hier noch ein Bild von unserer heutigen abenteuerlichen Moto-Fahrt, als wir von einem Restaurant auf dem Weg nach Hause waren und uns zu dritt auf ein Moto quetschten,





















