Samstag, 17. Dezember 2016

Meine Arbeit während den Schulferien

Mittlerweile (eigentlich schon etwas länger) sind in Ruanda Schulferien. Das sind die einzigen Ferien, die die Kids haben, aber dafür  sind die auch ziemlich lang. Sie sind über drei Monate lang (der komplette November,  Dezember und Januar, sowie etwas vom September und vom Februar)! Viele der anderen Freiwilligen, die an Schulen arbeiten haben während dieser Zeit frei. Dadurch dass Nicki und ich aber mit den Batwa-Kindern zusammen arbeiten, liegt bei uns der Fokus gerade auf den Ferien, da sie ohne uns sonst keine Beschäftigung hätten und sonst die Zeit für zwielichtige Beschäftigungen wie z.B. Stehlen nutzen würden. In einer meiner ersten Einträge habe ich ja bereits erklärt, dass die Batwas, oder auch Twa genannt, eigentlich die ärmste Ethnie überhaupt sind. In der Ferienzeit arbeiten wir von 8 bis 12 Uhr und danach gibt es für die Kinder essen, was für sie die größte Motivation überhaupt ist, in die Schule zu kommen.

Eins von unseren gefühlt 5000 Quatschbildern
Das Haus, in dem die Kinder nach der Schule etwas zu essen bekommen (die Köchin bekommt ca. 16€ im Monat)



Für mich ist die Ferienzeit eine wundervolle Zeit, da man super kreativ arbeiten kann und alle möglichen Projekte starten kann. Während der Schulzeit herrschte für mich immer der Druck, etwas "Ordendliches" bzw. "Produktives" auf die Beine stellen zu müssen, aber wahrscheinlich habe ich mir den Druck nur selbst gemacht und während der Ferienzeit habe ich eher das Gefühl, dass ich auch mal andere Dinge machen zu dürfen, die nicht nur stupides Unterrichten sind. Welche Projekte das sind, werde ich euch hier vorstellen:

Das Wichtigste  ist wohl das Räuber-Hotzenplotz-Projekt. Noch bevor ich hier her gekommen bin,  habe ich mir den Räuber Hotzenplotz als Lektüre auf Englisch bestellt, weil das als Kind mein absolutes Lieblingsbuch war und ich es unzählige Male als Gute-Nacht-Lektüre von meiner Mama vorgelesen bekommen habe.
Also habe ich auch angefangen, es den Kindern vorzulesen und kleinere Dinge daran anzuschließen, wie beispielsweise Hotzenplotz-Ausmalbilder, kleinere Theater-Szenen, oder einfach das Lernen von Wörtern aus dem Buch, sowie deren Wortfamilien. Was mir auch davor noch gar nicht bewusst war, ist, dass auch der Inhalt ziemlich gut passt, da es ja die Thematik des Stehlens beinhaltet. Auf der anderen Seite jedoch, birgt es auch Nachteile, z.B. dass es ziemlich langwierig ist. Ich bin gerade beim vierten Kapitel des Buches, da es sich ganz schön in die Länge zieht und dass stupides Vorlesen nach einer Weile auch ziemlich langweilig wird. Somit muss ich natürlich auch die Kinder aktiv werden lassen, indem ich ihnen Fragen stelle, sie einzelne Szenen spielen lasse oder wir neue Wörter aus dem Buch lernen. Außerdem bin ich total auf Enock angewiesen, der mir die Sätze übersetzt und somit kann ich, zumindest während ich mit dem Buch weitermache, nicht alleine unterrichten. Des Weiteren kann ich auch nicht allen gerecht werden, da manche es genießen, vorgelesen zu bekommen und andere, meistens die älteren, fitteren Schüler lieber selbst aktiv werden wollen und Vokabeln lernen möchten. Achso, übrigens ist dies das erste richtige Buch, das die Kinder in ihrem ganzen Leben gelesen haben, bzw. vorgelesen bekommen.

Hier ein paar Bilder von den Kids mit ihren Ausmalbildern:






Wenn wir schon bei Premieren sind, die Kids haben vor kurzem auch den ersten Film in ihrem Leben gesehen, nämlich zwei Filme von Tom und Jerry (der erste war irgendetwas mit Sherlock Holmes und der zweite mit einem Drachen). Inhaltlich vielleicht nicht unbedingt pädagogisch wertvoll oder mit irgendeiner wichtigen Moral, doch ich dachte dass Tom und Jerry für den Anfang eigentlich ziemlich geeignet ist, da es sprachlich überhaupt nicht anspruchsvoll ist. Ungefähr 40 Kinder haben auf meinen kleinen Laptop geschaut, doch sie waren so glücklich, dass die Größe des Bildschirms überhaupt nicht relevant war.



Was ebenfalls erwähnenswert ist, ist das Adventskalender-Projekt. Nicki und ich haben für 46 Kinder kleine Geschenke besorgt (jeweils ein Stift, eine kleine Schokolade und einen Lolli) und 46 Papiertüten, die die Kinder selbst bemalen durften. Insgesamt haben wir 14€ dafür ausgegeben, was ja wirklich in Ordnung ist. Also sind alle Tüten, bis auf die 24. für Enock, doppelt und jeden Tag dürfen zwei andere Kinder ihr Tütchen öffnen. Ich glaube, dass das für die Kinder besser als Weihnachten ist, da sie aus wirklich armen Verhältnissen stammen.




 

Wie schon oben erwähnt, haben wir in der Ferienzeit fast 46 Kinder wenn alle da sind, was im Vergleich zur Schulzeit wirklich super viele sind. Das liegt daran, dass während der Ferienzeit ALLE Batwa Kinder aus der Umgebung zu uns kommen und nicht nur die Batwa-Kinder aus unserer Schule.

Übrigens bin ich nun seit Anfang dieser Woche alleine auf der Arbeit. Nicki möchte nämlich die Stelle wechseln, da sie gemerkt hat, dass das Unterrichten, auch wenn es "nur" Sport ist, nicht ihr Ding ist. Sie hat während der Ferienzeit auch mal das Englisch-Unterrichten ausprobiert, doch ist letztendlich zu dem Schluss gekommen, dass sie an dieser Schule auffhören wird zu arbeiten. Sie hat auch schon mit unserer Mentorin gesprochen, die zum Glück sehr verständnisvoll war, da es Nicki in letzter Zeit wirklich nicht gut ging und das zum großen Teil auch an der Arbeit liegt. Sie hat für Nicki nun ein einmonatiges Praktikum in Kigali organisiert, in einer physiotherapeutischen Praxis, wo der Leiter wohl auch ein ziemlich gutes Englisch spricht. Darauf freut sie sich schon sehr, weil sie in Deutschland auch Phsysiotherapie studieren möchte. Für diese Zeit wird so dann auch in Kinski wohnen, was ich ziemlich schade finde, dann für einen Monat alleine zu wohnen und ich bin mal gespannt wie das so wird.


In der Zwischenzeit, in der Nicki ihr Motivationstief hatte, war die Koordination in der Schule ab und zu mal nicht ganz so einfach, da sie sich teilweise nur 7-8 Schüler aus der großen Gruppe rausgenommen hat und ich die restlichen Schüler mit komplett unterschiedlichen Leistungsniveaus und Altersstufen unterrichten musste. Die ersten Tage, die ich jetzt aber alleine gearbeitet habe, liefen wirklich gut und ich freue mich jeden Tag auf die kleinen Belger :)

In letzter Zeit verflog die Zeit noch schneller als davor, ich wusste nicht, dass das überhaupt möglich ist. Das erste Dezember-Wochenende war Nickis Geburtstagswochenende und in den zwei Wochen danach, war ich eigentlich nur auf Achse und war gefühlt nur zum Schlafen zu Hause. Wir waren sehr oft in Kigali, wo auch eine Weihnachtsfeier der Jumelage stattfand, an der wir Freiwillige an den Ständen geholfen haben (ich war beispielsweise am Glühweinstand) und es hat ziemlich Spaß gemacht. Außerdem hat sich nun endlich der Stress mit meinem Handy erledigt (die Pool-Aktion hat es wohl doch nicht so unbeschadet überlebt, der Screen war komplett defekt und die Repeeatur kostet in Ruanda ca. 270€. Dadurch, dass ich die Hoffnung hatte, dass die Reparatur in Deutschland billiger ist, habe ich mir hier ein neues, billigeres Handy gekauft und habe meins einer Freiwilligen mitgegeben, die Weihnachten in Deutschland verbringt, da sie dort eine Operation über sich ergehen lassen muss.
Außerdem habe ich einen kompletten Tag für meinen Bruder geopfert, der Hilfe per Skype bei seiner Eurokom gebraucht hat (mündliche Abschlussprüfung in Englisch an der Realschule).

Vor kurzem haben wir es endlich geschafft, eine Führung in den Caves von Musanze zu nehmen. Hier ein paar Bilder:



Außerdem gehen wir seit kurzem auch an und zu im Fitnesstudio von Musanze Sport machen. Es ist ein einziger Raum, mit 2 Laufbändern, Fahrrädern, anderen Geräten und einem Bereich, wo jeden Abend bis auf Sonntag ein Aerobic-Kurs stattfindet.


Nun muss ich noch bis Dienstag nächstes Woche arbeiten (20.12.) und über Weihnachten geht es dann Für und mal wieder nach Kenia in den Urlaub (zuerst Nairobi, dann Kisumu und Silvester werden wir mit den anderen Freiwilligen in Mombasa verbringen).

Yaminga geht es übrigens auch super, sie wächst und gedeiht und ist eine ziemlich freche Nudel geworden!

Liebe Grüße und ich wünsche euch allen schon mal Frohe Weihnachten und einem guten Rutsch :)

P.S. Die Weihnachtsstimmung fehlt hier ein bisschen, da wir tagsüber mit T-Shirts und Tops rumlaufen und hier so gut wie nirgends Weihnachtsdeko zu finden ist. Wir haben aber in Kigali in einem Supermarkt Schokoladen-Adventskalender und eine Lichterkette gefunden damit unser Haus wenigstens ein bisschen weihnachtlich wird.

Mittwoch, 23. November 2016

Mein neues Haustier

Yaminga, das Findelkind

Ich habe suuuuuuper Neuigkeiten!!! Letztes Wochenende (18.11. - 20.11.) waren Nicki und ich mal wieder in Kigali, um Freunde zu treffen. Es war eine super Wochenende, z.B. war ich im Kino, in Doctor Strange, sogar in 3D! Das Kino gibt es noch nicht so lange und ist top modern :-) Außerdem war ich mit einer anderen Freiwilligen aus Kigali in diversen Supermärkten, was für mich mal wieder total cool war, dass es in Musanze nicht mal mehr einen einzigen gibt (was mir wirklich fehlt!)... Ein Store ware besonders riesig, das war so ein Laden, in dem auch Firmen einkaufen, dort gab es alles... Sogar Weihnachtsschmuck, was hier eine absolute Seltenheit ist! Die Vorweihnachtszeit spielt hier nämlich, anders wie in Deutschland keine so große Rolle, bis auf ein paar große Supermärkte in Kigali, habe ich hier noch keinen Weihnachtsbaum oder ähnliche Deko gesehen. Da habe ich dann gleich mal die Gelegenheit genutzt und Nickis Geburtstagsgeschenk gekauft, welches ich jedoch nicht genauer beschreiben werde (falls Nicki sich mal auf meinen Blog verirren sollte :D).

Das absolute Highlight des Wochenende war jedoch Folgendes: Nach dem Kino am Freitag  (gegen 21:30 Uhr abends) fand ich auf dem Rückweg zur Jumelage ein mini kleines Kätzchen auf der Straße, das an den Bordstein gekauert da lag. Es sah ziemlich schüchtern und verwahrlost aus. Es war dreckig und hatte auch eine verklebte Nase. Dadurch dass weder die Mutter noch irgendwelche Geschwister in der Nähe waren, merkte ich, dass es sich wohl um eine verstoßene Katze handeln muss. Ich dachte, dass sie hier auf der Straße wohl nicht alleine überleben wird, also packte ich sie in meine Jacke und bin ab in den Supermarkt, um etwas Milch für sie zu kaufen, wobei sich dann herausstellte, dass ich keine Milch, sondern Naturjoghurt gekauft hatte. In der Jumelage (meine Schlafgelegenheit für dieses Wochenende) versuchte ich ihr etwas Joghurt verdünnt mit Wasser zu geben, woran sie aber nicht wirklich interessiert war. Ich denke sie musste sich erstmal erholen von dem Schock, der ihr zugestoßen ist und auch von dem Kummer, alleine der Welt ausgeliefert zu sein, denn sie schlief die ganze Nacht durch. Am nächsten Tag schleckte sie jedoch tatsächlich ein paar Mal an der Joghurt-Wasser-Mischung. Danach bin ich erstmal wieder zurück zum Supermarkt  (ein zweites Mal mit Katze auf dem Arm), wo ich mal wieder die Attraktion des Tages war, um ein Körbchen für sie zu kaufen. Übrigens, sie hat auch schon einen Namen bekommen: Yaminga! Eigentlich heißt das "dünn" auf Kinyarwanda, so werden die ruandischen Supermodels genannt und man schreibt es so: Nyampinga, doch ich finde den Namen wunderschön :)
Danach ging es erstmal ab zum Tierarzt, was sich als ziemliche Herausforderung entpuppte.
Um einen Tierarzt in Kigali ausfindig zu machen, benutze ich erstmal Tante Google, wo ich mich dann für einen amerikanischen Tierarzt in der Nähe des RDB-Offices entschied. Also suchte ich mir ein Moto, sagte "RDB" und stieg mit Katze auf, wobei mich mindestens fünf Menschen schmunzelnd beobachteten. Ich dachte mir, dass ich dann, wenn ich dort angekommen bin, bestimmt Menschen fragen kann, die mir dann bei meiner Suche nach der Veterinary Clinic behilflich sind. Pusteblume. Kein einziger wußte, wo hier ein Tierarzt sein soll. Zum Glück fand ich dann im Internet zufällig zwei Telefonnummer einer anderen Tierklinik, die erste Nummer hat mich nach ein paar Sätzen weggedrückt und bei der anderen habe ich das Telefon nachdem ich meine Frage gefühlt fünf Mal wiederholt habe, an eine Dame aus dem RDB Office weitergegeben, die dann für mich nach dem Weg gefragt hat und mich anschließend aufs Moto gesetzt. Als das Moto dann anhielt und keine Anstalten machte weiter zu fahren, ging ich dann erstmal auf die Suche nach einer Tierklinik. Als ich dann ein Schild mit "Veterinary Pharmacy" gefunden habe, dachte ich sei meinem Ziel schon ein Stückchen näher gekommen und habe einfach mal mein Glück versucht und auf alle möglichen Weisen gefragt: "Where is the vet?". Nach einigen Antworten, die ausschließlich aus "yes" bestanden, kam letztendlich dann ein: "here". Das war also die "Tierklinik". Es sah eher aus wie eine etwas heruntergekommene Apotheke.
Ich zeigte dem "Arzt" die Katze und er fragte mich: "Is she ill?", worauf ich dann nur meinte: "That's what I wanted to ask you". Er gab mir dann ein Medikament für ihre Schnauze, das man mit Watte auf ihre Nase geben soll, ein Flohschampoo, eine Entwurmungstablette und eine Spritze (keine Ahnung gegen was). Er meinte sie sei zwischen 2 und 3 Wochen alt, was ich auch geschätzt habe und meinte ich solle ihr Milch und Fleischssauce zum Essen geben und nach ca. einer Woche dann Reis und Fleisch.
Also bin ich dann mit Katze und 10.000 Francs (ca. 12 €) weniger wieder aufs Moto gestiegen und wieder zurück in die Jumelage gefahren.

Dort bin ich dann noch bis Sonntag geblieben, wo sie sich auch noch wirklich gut erholt hat.

Die Busfahrt mit ihr am Sonntag war auch ziemlich witzig. Auf der Motofahrt habe ich sie unter mein T-Shirt gesteckt, um sicher zu gehen, dass sie nicht während der Fahrt anspringt. Das hat den Motofahrer schon zum Lachen gebracht, aber die Blicke der Fahrgäste im Bus waren unbezahlbar. Ich stieg ein mit Yaminga unter meinem T-Shirt und natürlich haben die Leute bemerkt, dass sich etwas in meiner Bauchgegend bewegt. Als der Bus dann losfuhr, deckte ich das Geheimnis dann auf und holte sie heraus. Ziemlich witzig, wie sich dann alle Blicke auf mich bzw. Yaminga richteten. Ich meine wir Weißen sind sowieso IMMER eine Attraktion, doch mit Babykatze fühlt man sich dann wirklich wie ein Promi.

Mittlerweile geht es Yaminga super, sie hat sogar schon angefangen, Trockenfutter für Babykatzen zu essen, welches ich nach langer Suche für viel Geld (ca. 17€ für 2kg) in einem Laden in Kigali gefunden habe.

Hier ein paar Bilder von meinem Findelkind:

Yaminga, als ich sie gefunden habe 
Auf der Busfahrt

So und nun zu einem Thema, was mit Yaminga zu tun hat. Ruander und Tiere. Eine Sache für sich... Ruander haben zu Tieren, die wir als Haustiere halten, ein ganz anderes Verhältnis, als ich es aus Deutschland gewöhnt bin. Hier gibt es kaum Haustiere, allerhöchstens Hunde, die die Funktion eines Wachhundes haben. Somit war dies für die Menschen im Bus auch ziemlich ungewöhnlich zu sehen, dass ich Yaminga auf meinem Schoß schlafen ließ, sie streichelte etc. Solch einen Umgang mit Tieren sind sie nicht gewohnt. Auf der Busfahrt bin ich auch mit einem Ruander, etwa in meinem Alter, ins Gespräch gekommen und er fragte mich, warum ich Katzen mag und was ich an Katzen mag, ob es die Nase oder die Augen sind usw. Ich meinte dann zu ihm, daß Tiere auch Geschöpfe Gottes sind, die genau wie Menschen, Liebe verdient haben. Mit der Antwort war er zufrieden. In Ruanda sind ja eh die meisten tiefgläubig. Seine Nachbarin meinte dann, dass sie dachte dass ich ein "premature baby" unter dem Shirt hatte. Lustig. Als ich dann in Musanze ankam, merkte ich dass viele Leute, vor allem auch Kinder, schlichtweg Angst vor Katzen haben (insbesondere auch total vor Hunden, dies ist aber auch auf die Geschichte (Genozid & Co) zurückzuführen). Unser Nachbar (jetzt Ex-Nachbar) zum Beispiel hat sich nicht getraut in ihre Nähe zu gehen und auch als ich einem Kind ein Bild von ihr zeigte, meinte es, es hätte Angst davor. Auch meinen Kids in der Schule habe ich davon erzählt und als ich dann meinte, dass sie mit mir im Bett schläft, habe ich an ihren Reaktionen schon gemerkt, dass sie das ziemlich abwegig finden. Naja, dann wird es mal höchste Zeit, sie davon zu überzeugen, was für eine Bereicherung so ein Tier sein kann.
Ach ja, als ich Nicki am Telefon erzählt habe, dass ich gerade eine Katze von der Straße aufgesammelt habe, meinte sie nur "ah ok" und dachte sich wahrscheinlich nur: "Mal wieder so eine typische Rebekka-Aktion".
Naja, genug für heute. Der nächste Blogeintrag wird von der Ferienarbeit in der Schule handeln und was wir so für Projekte mit den Kids machen.
Viele liebe Grüße aus Ruanda! :-)

Gute Nacht :-)) 



Sonntag, 6. November 2016

Zwischenbericht 1 (Status report: Summary of my first 3 months in Rwanda)

Von meiner deutschen Organisation aus ist es Pflicht für alle Freiwillige alle drei Monate einen Zwischenbericht zu verfassen. Ich dachte mir dass dies eigentlich eine ganz gute Möglichkeit ist, eine Zusammenfassung der letzten drei Monate auf Englisch zu verfassen, da ich auch einige nichtdeutschsprachige Freunde habe, die die ganzen Posts bisher leider nicht lesen konnten und sicherlich auch interessiert daran sind, von meinen Erlebnissen zu "hören". Für diejenigen unter den Lesern, die keine anglophonen sind tut es mir leid, aber es gab ja schon viele Berichte auf Deutsch :-)

For the English-speaking people: The following text is a status report, which is a summary of my first three months in Rwanda. For me it's obligatory to write a status report for my German organisation every three months, so I thought I could use this opportunity to write it in English so that more people, also my English-speaking friends, are able to read it.

Have fun :-)

I don't know how to start or what to tell. It has "only" been three months, but for me on the one hand it feels as if I am here for three years, on the other hand time literally just flew by. Three months ago I had to say goodbye to my "old" German life, to my family, to my friends, in general to everything that was familiar for me.
The father of the kids I used to babysit in Germany said something like this before saying farewell: "What you're going to do is probably one of the only things in life that aren't predictable beforehand." At that time I didn't really thought about the meaning of it, but now in retrospect this is exactly what was my biggest fear. The unknown. A completely different continent I had never visited before, a completely new country, new people, in general a completely new life. Even my tasks at work were undefined. I didn't know if I was allowed to teach children, which actually was my reason why I came here in the first place, or if I just had to occupy the children in the afternoons by making some games or doing sports with them. Because my first project for what I was taken on was only assisting in teaching, nothing else. This project was cancelled, so they gave me an alternative and I was in the dark. That's why I couldn't even prepare myself for my tasks, still I bought some stuff and gathered some information. But in general, I decided to just wait and see.

Although I knew that this decision was exactly the right one for me, my development and the people in Rwanda, I still had loooots of doubts in the last weeks before departing. On the way to the airport I actually even brought my decision of volunteering into question and asked myself how I could have given up my sheltered and beautiful life with such loving people around me so easily.

So much about my thoughts directly before the departure.

Now, three months later, all of this changed completely. Since going on board of the airplane not one single day has passed that I was homesick or regretted my decision. I love my rwandan life. I love this country. I love my housemate who works together with me, I love our house and, most importantly, I love my work.
Speaking of which, I'm indeed working as a teacher. And best of all, I'm teaching my favourite subject, the love of my life: English!
At the beginning things weren't that clear for Nicki and me, we were told that both of us should teach, preferably all the important subjects like English, French and MATHS, in addition we should teach sports and doing our own projects like theater (my suggestion) and so on. Wow! High aims, but in reality inconvertible. After this announcement both of us were a bit disappointed, because this was not what we expected. For Nicki one thing was clear from the beginning: She didn't want to teach. For me it was clear that I wanted to teach. We're lucky that we're complementary when it comes to our abilities and interests, because we spoke to the responsible people and very quickly we managed that now me I'm the only one responsible for teaching, only teaching, and Nicki is the one responsible for sports what she truly loves. Perfect regulation for both of us and of course also for those affected. Since then nothing has changed, I still love teaching and Nicki still loves doing sports. At the beginning I noticed that teaching alone in a language that the pupils don't understand isn't possible, at least in an effective way, so Enock, our responsible person, stays with me during the lessons and translates, if necessary, some sentences. But I also already taught some lessons completely alone when Enock wasn't available, which worked quite well.

A thing that is still a bit difficult for both of us is the "Muzungu-thing", as we call it. Muzungu means white person in Kinyarwanda and we hear it at least 10 times a day. Whatever we do or wherever we are. We are such an attraction for the people here, sometimes we feel like VIP's, stars or politicians, but not in a good way. One evening I was at a bar and a man was really excited to see me and asked me if he can take a picture with me. Then another one told me, that for him it's like getting an autograph from Obama. Just as an example. But the attraction alone is not the thing that bothers us, it's the thing that we don't know if we can trust someone or not. We don't know if the person is truly interested in us or just in our skin colour and in addition to that, what kind of intentions this person has. Does he think of getting money, of getting an opportunity of coming to Europe, is he just attracted by our appearance, does he have only sexual interests or is he just friendly?
It's the suspicion that we always have to have that bothers me the most. Normally I'm a person who trusts easily and sees only the good in people, but here we always have to be careful and suspicious, which makes it, apart from the language barriers, very difficult to build up deep friendships with local people.

But besides that, I believe that me being in Rwanda in exactly this place, this project, with exactly these people, is fate. I am sure that everything, from the beginning, was guided by a higher power, also for example the cancelling of my old project, which would have been very difficult to live in a small village with actually nothing around you, teaching alone a class of maybe 40 or 50 people (now I only have about 10 kids in one class) and having no-one for translation. In addition, I would have been the only volunteer there, with no other German speaking person around me with whom I can exchange views and who goes through the same problems.

From the bottom of my heart I am unbelievably thankful that I got this opportunity of making new experiences, getting to know a different culture and helping people. I am truly looking forward to the following nine months in this beautiful country.

P.S. Here some pictures of the school, the school building, the schoolyard and the kids (I played cootie catcher with them, in German "Himmel und Hölle").





And some pictures of Kigali, the capital city of Rwanda: 


Last but not least: 





Dienstag, 1. November 2016

Diebstahl und fancy Feste

Lang lang ist's her, als ich den letzten Post verfasst habe... Eigentlich sind es "nur" drei Wochen, doch es fühlt sich an wie eine Ewigkeit, weil schon wieder so viel passiert ist.

Besonders die letzten Woche war eine ziemlich stressige. Das schlimmste zuerst: Nickis Handy wurde aus ihrer Jackentasche gestohlen als wir gemeinsam mit drei Freiwilligen aus Kigali, die uns über das Wochenende in Musanze besucht haben, in der Harmonica-Bar feiern waren. In der Harmonica ist donnerstags immer Karaoke angesagt. Jedenfalls handelte sich um ein weniger als drei Monate altes Smartphone. In einem Moment hatte sie es noch bei sich und als sie einige Sekunden später wieder auf das Handy schauen wollte, war die Tasche leider komplett leer. Das komische an der Sache ist, dass ich die ganze Zeit ein paar Zentimeter von ihr entfernt stand und dass um uns herum eigentlich kaum Menschen waren. Das war bestimmt jemand mit Erfahrung in solchen Dingen...
Naja, aus diesem Grund musste ich mein Handy eine Woche mit ihr teilen, mittlerweile hat sie sich wieder genau das gleiche gekauft. Mir wurden auch schon meine Air Max VOM HOF innerhalb unserer Terrasse gestohlen. Trotzdem fühlen wir uns in Musanze eigentlich ziemlich wohl, bezogen auf die Sicherheit & Co. Ich fühle mich hier sogar sicherer als in so manchen europäischen Städten.

A propos Handy, ich muss euch auch noch eine Handy-Story von mir erzählen, aber davor erst etwas anderes: In der Woche vom 10. bis zum 17. Oktober fanden gleich zwei wichtige Feiern in Kigali statt. Am Donnerstag die erste: Die Begrüßung der Delegation aus Rheinland-Pfalz in der Jumelage. Um es verständlicher auszudrücken: Leute im Anzug, die auch etwas mit der Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda zu tun haben. Und wir Freiwillige der Jumelage waren auch dazz eingeladen. Der Hof der Jumelage war kaum wiederzuerkennen, pico bello dekoriert und das Essen war ziemlich lecker, allein dafür hat es sich schon gelohnt gekommen zu sein. Es gab kleine Häppchen z.B. Mini-Chapatis mit einem Klecks Avocado und Gemüse oben drauf, gegrillte Kartoffeln, Brochettes (Fleisch-Spieße, die ich als Vegetarierin natürlich nicht probiert habe), Mini-Pizzen sowie Mini-Quiches. Aber das Beste kam zum Schluss: Zimt-Crêpes und Erdbeer-Küchlein, ERDBEER-Küchlein!! Wir haben uns so gefreut, da dies die ersten Erdbeeren waren, die wir hier in Ruanda gegessen haben. Außerdem gab es einige Reden und traditionelle Tänze inklusive Musik.

Am nächsten Tag fand ebenfalls eine Feier statt, dieses Mal aber wirklich im großen Stil: Die offizielle Feier des deutschen Botschafters in Ruanda.
Alle deutschen Menschen, die derzeit in Ruanda leben und arbeiten wurden persönlich mit einer ziemlich schicken Einladung per Mail eingeladen, aber auch ein paar Ruander. Somit auch alle deutsche Freiwillige aus ganz Ruanda. Es waren wirklich viele Menschen anwesend, hauptsächlich aber ältere Menschen in Anzügen. Die Kleiderordnung "formell" stand sogar explizit auf unserer Einladung.
Diese Feier hätte ein Ausschnitt aus einem Film sein können, so fancy war sie. Fast schon ein bisschen too much und ziemlich paradox, vor allem in einem Land wie Ruanda. Wir Freiwillige haben uns dabei auch ziemlich unwohl gefühlt, zum Einen aufgrund der ganzen Aufmachung, zum Anderen weil die geladenen Gäste eigentlich ausschließlich Weiße waren und von Schwarzen bedient wurden.
Naja, zu uns hieß es schon einige Wochen vorher, dass wir Freiwilligen uns dieses Jahr unter allen Umständen benehmen müssen, um den Ruf der Freiwilligen vor dem Botschafter wieder ins rechte Licht zu rücken, da dieser im letzten Jahr wohl etwas beschädigt wurde.
Verlockenderweise stand auf dem Grundstück des Botschafters, hinter einer Absperrung, die zu dem Zeitpunkt als ich mit drei anderen Freiwilligen ihn von Näherem betrachten wollte, schon nicht mehr da war, ein Pool. Ein Freiwilliger scherzte ein bisschen und nahm mich auf den Arm und meinte im Spaß, dass er mich nun in den Pool werfen wird. Ich wusste aber ganz genau, dass er dies nicht machen würde, da ich vorher zu ihm meinte, dass ich mein Handy in der Hosentasche habe und weil dies einfach ein totaler Skandal auf solch einer schicken Feier gewesen wäre.
Was ich nicht wusste, war, dass eine andere Freiwillige damit kein Problem hatte und kurzer Hand einfach uns beide in den Pool schubste. Ich konnte gar nicht so schnell denken, im nächsten Moment war ich, gemeinsam mit meinem schicken (und wohlgemerkt hellem) Outfit im Pool des Botschafters. Ich trug eine weiße enge Jeans (mit schwarzer Unterwäsche) und eine hellrosa Spitzen-Bluse. Das Schlimmste an dem "Sturz" war aber, dass mein Handy währenddessen aus der Hosentasche fiel und nun am Boden des Pools lag. Ich war so geschockt, dass ich es nach mindestens vier Tauchgängen immer noch nicht schaffte, das Handy aus dem Pool zu fischen. Also sprang die Übeltäterin pflichtbewusst auch noch in den Pool, um den Schaden so klein wie möglich zu halten. Eigentlich gilt mein Handy ja als "wasserdicht" aber mittlerweile weiß ich, dass man da nicht so viel drauf geben kann, da dies zwar immerhin 30 Minuten halten soll, aber nur in reinem Wasser ohne Chlor und Salz und nur bis zu einer Tiefe von 1,5 Metern und der Pool war eindeutig tiefer. Zudem gibt es keine Garantie auf Wasserschäden - ziemlich unpraktisch. Kurz danach funktionierte es aber noch. Wir wussten, dass wir so, komplett durchnässt am ganzen Körper, nicht wieder nach oben zu den anderen Menschen gehen konnten. Also liefen wir so unauffällig wie möglich zur Straße und fuhren dann pitschnass mit den Motos zu unserer Schlafgelegenheit. Auf dieser Fahrt fing das Handy an, herumzuspinnen sodass nicht mal mehr die Knöpfe bedienbar waren und ich es somit nicht ausschalten konnte. Das war auch der Grund, warum ich zwei Tage lang nicht erreichbar war, ich legte es nämlich so bald ich ankam, in eine Dose mit Reis und zum Glück funktioniert es nun wieder. Nochmal GLÜCK GEHABT!!

Wir waren in den letzten Tagen auch ein bisschen auf Reisen! :)

Ciao Ciao

Dienstag, 11. Oktober 2016

Mitgift-Feier & Kirche (2-Monatiges)

Wie schnell die letzten zwei Monate vergingen:o Gestern vor zwei Monaten musste ich mich am Flughafen von meiner Familie verabschieden und genau heute vor zwei Monaten sind wir in Kigali gelandet!! Jetzt ist schon 1/6 meiner Zeit hier vorbei!

Von meinem letzten ereignisreichen Wochenende muss ich euch wieder berichten:

Mitgift-Feier

Am Samstag, den 8.10. waren Nicki und ich auf einer Mitgift-Feier eingeladen. Wir haben uns um 8:30 Uhr morgens am Busbahnhof getroffen, für die Feier hat das Brautpaar extra einen Bus gemietet, der dann aber erst fast zwei Stunden später losfuhr. Die Fahrt in den Norden dauerte auch ca. zwei Stunden, genauso wie die Feier an sich, 
Dieser Ausdruck existiert auf Deutsch sicherlich nicht, da es diese Feier bei uns auch so nicht gibt, aber mir fällt gerade kein besserer ein. Normalerweise ist es so, dass zuerst die Mitgift-Feier stattfindet und danach die Hochzeit, was auch von den Leuten und vor allem der Familie der Frau, besser angesehen ist, doch bei Honoré (dem Bräutigam) und seiner Frau war es umgekehrt. Die Hochzeit fand im Juni statt. Honoré ist der 29-jährige Disziplin- und Sportlehrer unserer Schule, seine Frau ist 23 Jahre alt und seit August haben sie eine gemeinsame Tochter. Bei der Mitgift-Feier wird gefeiert, dass der Mann, der Familie seiner Frau eine Kuh schenkt. Dies fand aber nicht am Tag der Feier statt, sondern davor. Außerdem entscheidet sich an dem Tag, ob die Familie der Frau den Mann als Schwiegersohn akzeptiert. 
Generell ist es hier so, dass das Alter der Braut und des Bräutigams bei der Hochzeit auf dem Dorf viel niedriger ist als in der Stadt. Von den Kinderehen der Batwa habe ich ja bereits ziemlich am Anfang berichtet, dass dies beispielsweise ein Alter von 13 Jahren sein kann. Per Gesetz ist es aber für Frauen erst ab 20 Jahren und für Männer ab 21 Jahren erlaubt zu heiraten, soweit ich das noch im Kopf habe, 

Auf dem kurzen Weg von dem Ort, an dem der Bus hielt, bis zu dem Haus der Eltern der Braut, wo die Feier stattfand, trugen viele Frauen traditionelle Körbe auf dem Kopf als Geschenk für das Brautpaar. Eine von diesen Frauen übergab mir ihren Korb, den ich dann versuchte auf dem Kopf zu balancieren. Das wollte ich schon immer mal ausprobieren, doch bei den ruandischen Frauen sieht das immer viel einfacher aus als es ist. Der Korb war wirklich schwer und freihändig habe ich das leider nicht geschafft, aber hey, aller Anfang ist schwer. 

Es war unglaublich toll, solch eine Tradition hautnah mitzuerleben. Die Feier war super. Es wurde getanzt (traditionelle Tänzer), gesungen, gegessen (Buffet)... und getrunken! Alkohol und vor allem Bier spielt hier in Ruanda, entgegen meiner Erwartungen, eine wirklich große Rolle. Sogar sonntags nach dem Gottesdienst ist es üblich, sich nochmal zum Biertrinken zu treffen. 



Hier ich am Trinken von dem Bier-Mehl-Mix
Ganz zu Beginn der Feier, als alle auf ihre Plätze verteilt wurden, wurde jedem erstmal eine Bierflasche in die Hand gedrückt. Außerdem wurde ein traditionelles Getränk durch die Reihen gegeben, welches ziemlich häufig bei unserem BUSFAHRER hängenblieb: Ein Bier-Mehl-Mix-Getränk dessen Namen ich vergessen habe. Das Bananenbier ist hier ebenfalls sehr populär und ziemlich hochprozentig (14%), aber auch das "normale" Bier fängt hier bei 5 oder 6 Prozent an. Der Busfahrer hat ein Bier nach dem anderen getrunken und kein einziger Gast, der später wieder auf den Fahrer angewiesen war, hat sich darüber beschwert. Das fand ich ziemlich schockierend, da ich schon die Hinfahrt mit einem ziemlich großen Bus über tausend Berge und Kurven ziemlich abenteuerlich fand ...und die Vorstellung, diese Fahrt mit einem angetrunkenen Busfahrer nochmal erleben zu müssen fand ich nicht ganz so lustig. Außer mir (und teilweise auch den anderen Freiwillige) hat dies aber niemanden gestört. 


So sah die Gegend neben dem Haus der Familie der Braut aus 

Trotzdem war der Ausblick während der Fahrt atemberaubend, man konnte sich gar nicht satt
Zur Zeit ist das Wetter zu meiner Freude übrigens ziemlich warm und sonnig :) 







Wir Freiwillige zusammen: 
Ganz links Jonas, der mit Sophia (hinten) zusammen wohnt und arbeitet, hinten links Konstantin, der an der gleichen Schule wie Nicki und ich arbeitet, aber andere Aufgaben hat (Gitarrenunterricht) und rechts Nicki, meine Mitbewohnerin















Zu Beginn gab es viele Reden am Mikrofon, von denen wir nicht viel verstanden haben, da natürlich alles auf Kinyarwanda war. Unter anderem fand ein Gespräch zwischen den beiden Familien statt. Danach begann das traditionelle Tanzen von der besten Tänzergruppe der Region, das von Trommeln und Gesang begleitet wurde. Im Anschluss daran gab es Buffet. 

Hier ein paar Bilder von der Feier:

Das Brautpaar

Die traditionellen Tänzer















Hier noch ein kurzes Video von der Feier
Zum Schluss fand die Geschenkübergabe statt. Wir Freiwilligen haben Honoré und seiner Frau gemeinsam einen Topf geschenkt gefüllt mit einer Babydecke, einem Babykleidchen, einer Uhr für Honoré und zwei Bierflaschen. Nach der Geschenkübergabe haben wir gemeinsam ein Bild gemacht. 

















Obwohl die Feier effektiv nur zwei Stunden gedauert hat, kamen wir erst gegen 20 Uhr wieder in Musanze an. Ein langer, aber super interessanter Tag! :)


Kirche

Am Sonntag, den 11.10. war ich mit Danny und einem Bekannten von ihm in der Kirche. Eine katholische Messe auf Französisch! Ich habe zwar trotzdem nicht viel verstanden, da das Französisch ziemlich gewöhnungsbedürftig war, aber die Lieder haben mir super gut gefallen. 

Das ist die größte Kirche in Musanze 
Der Glaube spielt hier wirklich eine viel größere Rolle als in Deutschland/ Europa. Es ist total normal, dass so gut wie jeder sonntags in die Kirche geht, auch Jugendliche in unserem Alter. Es ist eher unnormal, wenn man nicht geht. So gut wie alle sind hier gläubig und die Religionszugehörigkeit spielt auch eine ziemlich große Rolle. Zum Beispiel Enock, der Sozialarbeiter unserer Schule, war überglücklich als er hörte, dass Nicki und ich, wie er, evangelisch sind. 
Mit dem Glauben wird auch viel offener umgegangen als in Deutschland. Als ich krank war, meinten Enock und Danny zu mir, dass sie für mich beten und Enock richtete mir auch von seiner Familie und den Kindern in der Schule aus, dass auch sie für meine Gesundheit beten. Das fand ich wirklich toll :-) 

Nun sitze ich schon seit mindestens drei Stunden im La Paillotte, unserem Stammlokal, in dem es kostenloses WLAN gibt und es wird Zeit, mich auf den Weg nach Hause zu begeben.

Viele liebe Grüße aus Ruanda <3 

Donnerstag, 29. September 2016

Gisenyi-Wochenende

Das letzte Wochenende war so cool, dass ich euch unbedingt davon berichten möchte. 
Eigentlich wollte ich den Post gestern (28.9.) veröffentlichen, doch mein Internet zu Hause war zu schlecht, sodass ich nun mit dem Laptop im La Paillotte sitze, da es hier neuerdings gratis WLAN gibt (juhu!).

Nicki und ich (und Sophia, eine andere Frewillige, die auch in Musanze wohnt) sind am letzten Samstag mit dem Bus nach Gisenyi gefahren, der Stadt am Kivu-See. Obwohl das eigentlich (soweit ich es noch in Erinnerung habe) 40km sind, dauert das mit dem Bus über eine Stunde. Wir haben bei zwei deutschen Freiwilligen übernachtet, die in Gisenyi bei einem Projekt für Straßenkinder mithelfen. Charlotte, eine von den beiden, hat in der Nacht von Samstag auf Sonntag ihren Geburtstag nachgefeiert.
Es war eine ziemlich große Geburtstagsparty, erwartet waren 40 Leute, tatsächlich erschienen sind dann "nur" 30 aufgrund des starken Regens. Es waren andere deutsche Freiwillige da, Kollegen und Nachbarn von den beiden, sowie einheimische Jugendliche aus ihrem Projekt. Vier ruandische Frauen haben den ganzen Nachmittag Essen für diese Feier gekocht (teilweise waren das die Ehefrauen von ihren Kollegen und Freundinnen von ihnen, es war sogar ein kleines Baby dabei). Die Frauen nehmen hier ihre Babys sowieso überall mit hin, selbst auf die Arbeit. Sie werden einfach in ein Tuch gewickelt und auf den Rückwn gepackt. Diese Technik muss ich mir echt mal noch zeigen lassen, bevor ich wieder in Deutschland bin, das könnte noch nützlich sein in der Zukunft ;-) Bei uns auf der Arbeit gibt es sogar eine hochschwangere Frau, die immer noch unterrichtet. Es sieht so aus, als wäre es jeden Moment soweit, dass ihr Baby auf die Welt kommt. In Deutschland wäre hier schon längst Bettruhe angesagt.
Naja, die Mengen, die die Frauen an Essen für die Party zubereiteten, waren riesig, doch erstaunlicherweise kam sogar das Meiste weg. Es gab Fleisch, Reis, Erbsen, Karotten, Pommes, Soße, Kochbananen und Nudeln, doch ich muss aufhören weiter über Essen zu schreiben, ich liege nämlich gerade im Bett, da ich vorhin das gesamte Mittagessen wieder ausgebrochen habe (meine Theorie: Es lag am Tee, der berühmte African Tea, den ich hier so lieben gelernt habe und gefühlt zu ca. 90% aus Milch besteht).
Nun aber weiter im Text: Die Geburtstagsfeier war echt cool und es waren sogar zwei Tanzgruppen anwesend, die für Stimmung sorgten und auch unter den geladenen Gästen waren (teilweise ehemalige Straßenkinder). In der Nacht habe ich aber leider nicht ganz so lange wie einige andere durchgehalten, um 4 Uhr nachts habe ich dann angefangen zu schwächeln und es hieß für mich: ab in die Heia! Ca. eine Stunde später war die Party aber dann offiziell beendet.
Alles in Allem, Gisenyi ist ein Traum! Ich weiß nicht warum ich mich erst dieses Mal so in diese Stadt verliebt habe und nicht schon das letzte Mal als ich dort war (und euch davon berichtet habe), doch irgendwie hat mich die Schönheit dieser Stadt erst jetzt so richtig beeindruckt. Es kam totales Urlaubs-Feeling auf, was durch den Stranbesuch am Kivu-See am nächsten Tag noch mehr verstärkt wurde. Dieses Urlaubs-Feeling hatte ich seit der ersten Woche in Kigali gar nicht mehr, was ja auch verständlich ist, da ich hier wohne und arbeite und keinen Urlaub mache.
Das Highlight des Tages waren aber die heißen Quellen, auch als "Hot Springs" bekannt. Schon allein der Weg dorthin (der Ort heißt übrigens "Mashyuza", genau wie das heiße Wasser) war atemberaubend, wir sind die meiste Zeit neben dem Kivu-See entlang gefahren, eine wunderschöne Landschaft.
Die Hot Springs sind aber eher ein Geheimtipp, weshalb dort auch kaum Leute waren. Die Quellen sahen ein bisschen wie blubbernde Wasserpfützen, direkt in so eine Quelle konnte man nicht reinstehen, da das viel zu heiß gewesen wäre. Einige Einheimische haben uns dann mit diesem Wasser (und auch teilweise mit dem Schlamm) massiert. Es heißt, dass dies eine heilende Wirkung haben soll. Hat auch wirklich gut getan :-) Unten seht ihr ein paar Bilder von den Hot Springs. 

Tschüsschen Küsschen! :-*

P.S. Was total cool war: Nicki und ich durften vor kurzem eine kleine Spritztour mit dem Auto (ein Pick up) unserer Nachbarn unternehmen. Ursprünglich war es Nickis Idee, da sie das Autofahren sehr vermisst hat, aber als ich dann am Steuer saß, habe ich es auch mal wieder sehr genossen. Unsere erste Fahrt mit einem Auto, dass das Lenkrad auf der rechten Seite hatte! War ziemlich ungewohnt für uns, da bis auf die Pedale, alles (z.B. Blinker und Schaltung) seitenverkehrt war. 
Wir sind auch vor kurzem mal wieder Fahrrad gefahren, wir haben nach der Arbeit anstatt die Fahrradtaxis zu nehmen, die Fahrräder von Enock und dem Disziplinlehrer der Schule ausgeliehen und sind damit in die Stadt hinunter gedüst. Wir haben uns gefreut wie zwei kleine Kinder. Da merkt man mal, wie kleine Dinge so etwas Besonderes werden können.

Hier noch die Bilder von den heißen Quellen:


Hier Sophia und ich: 

Freitag, 23. September 2016

Busbahnhof, ruandisches Essen & Co

Mal wieder Zeit für einen neuen Post :-)

Regenzeit

Das Wetter ist zur Zeit ziemlich anstrengend... Man kann eigentlich nicht ohne Regenjacke aus dem Haus gehen und wenn man es dann doch tut ist es nicht sehr unwahrscheinlich, dass man von einem Regenschauer überrascht wird (so wie es uns heute passiert ist). Und dadurch, dass wir auf dem Heimweg immer die Fahrräder nehmen (Fahrrad-Taxis), da die Strecke heimwärts abschüssig ist, war dies heute eine ziemlich nasse Angelegenheit, in der wir sogar einen Zwischenstopp einlegen mussten, um nicht komplett durchnässt zu werden. Wenn es jedoch während unserer Arbeitszeit regnet, kann weder ich unterrichten noch Nicki Sport mit den Kindern machen, denn Nicki macht mit den Kids Sport unter freiem Himmel und in meinem Klassenzimmer (ich glaube ich habe noch gar nicht erwähnt, dass es doch ein freies Klassenzimmer für mich gab - juhu!) ist es bei Regen viel zu laut zum Unterrichten, da würden mich die Kinder nicht verstehen, obwohl sie ca. einen Meter von der Tafel entfernt sitzen.


Busbahnhof, ruandisches Essen & Co

Am Montag, den 19.9. mussten alle Freiwillige mal wieder nach Kigali, um das Visum abzuholen. Das Wochenende über war ich alleine zu Hause, da Nicki bereits mit einigen anderen Freiwilligen aus Musanze am Samstag Mittag nach Kigali fuhr. Die beiden Nächte habe ich in Lisas Haus verbracht, einer anderen Freiwilligen von hier, um Hundesitterin für ihren Hund Peanut zu sein.


Der Busbahnhof von Kigali ist jedoch ein paar Zeilen wert: Hier in Ruanda gibt es ja keine Züge aufgrund der bergigen Landschaft, also sind die Busbahnhöfe, die es in jeder Stadt gibt (auch in Musanze, nur deutlich kleiner als in Kigali) die einzigen bahnhofsähnlichen Gebilde hier. Ich kann mich noch genau daran erinnern (so lange ist es ja auch noch gar nicht her, etwas über 5 Wochen), als ich das erste Mal an diesem Busbahnhof war und völlig überwältigt von der Menschenmasse war. Wenn man als Weißer diesen Bahnhof betritt, kann man kaum einen Schritt gehen, bevor nicht gleich mindestens 5 Menschen auf dich zugestürmt kommen und fragen "Musanze?", "Where are you going?" oder gleich versuchen, dich in ihren Bus "zu zerren".
Von allen Seiten hört man nur "Muzungu!", was sich jedoch nicht nur auf den Busbahnhof beschränkt, sondern auf der Straße und egal wo man ist bekommt man dieses Wort, was so viel wie "Weißer" heißt,  zu hören. Gestern Abend war ich zum Essen bei Danny, einem Freund, den ich hier kennengelernt habe eingeladen und die Vermieterin sprach mich dann doch tatsächlich mit "Musungu?" an. Auch als ich vor kurzem mal wieder auf der Arbeit (Frisörsalon) von ihm vorbeischaute und ich mich mit einem Kind dort unterhielt, fragte Danny dann das Kind: "Na wie heißt sie?" und dies meinte dann ganz überzeugt: "Muzungu!". Am Anfang, besonders in der Kigali-Zeit, war dies ziemlich nervig für uns, doch mittlerweile haben wir uns schon fast ganz daran gewöhnt. Dieses "Immunwerden" habe ich auch am Montag am Busbahnhof wieder gemerkt, für mich war diese Menschenmenge schon gar nichts Besonderes mehr. 
An den Busbahnhöfen hier, gibt es verständlicherweise auch weder Hinweisschilder, welcher Bus wo hin fährt, noch Fahrpläne. Außerdem fahren die Busse erst dann los, wenn jeder einzelne Platz besetzt ist. Schön kuschelig! Wenigstens kann man hier während einer Busfahrt nicht erfrieren. Und das pünktlich Kommen ist dadurch auch nur bedingt möglich. 
Hier mal ein paar Eindrücke vom Busbahnhof in Kigali:

Hier gibt es auch immer Menschen, die versuchen irgendwelche Dinge (auch Lebensmittel) an die Fahrgäste, die gerade im Bus sitzen und warten bis der Bus losfährt, zu verkaufen:  

 

Zuletzt werden die Sitze, die sich im Gang des Busses befinden, besetzt. Diese lassen sich einfach hoch- oder runterklappen, wodurch es im Bus schön  kuschelig wird.

Hier die Stände mit dem Krimskrams und obendrüber die Restaurants, von wo aus ich auch die Bilder vom Busbahnhof gemacht habe (leider etwas verschwommen, da ich durch die vom Regen verschmierte Scheibe des Busses fotografiert habe):


Außerdem ist jeder Busbahnhof auch gleichzeitig mit einem Markt verbunden. In Kigali ist das kein Markt im Sinne von Gemüsemarkt, sondern eher solche Stände mit allem möglichen "Krimskrams". In Musanze gibt es hinter dem Busbahnhof unter anderem einen ziemlich großen Stoffmarkt, aber auch andere Dinge, wie Schuhe oder Kleidung und ebenfalls kleinere Läden mit Snacks wie z.B. Sambussas. In Kinigi ist es tatsächlich auch ein Gemüsemarkt, aber es gibt auch Dinge wie z.B. Schuhe. Unabhängig von den Busbahnhöfen gibt es aber in jeder Stadt noch mindestens einen richtigen Markt (die Anzahl der Märkte ist abhängig von der Größe der Stadt). Auf dem Markt in Musanze gibt es hauptsächlich Obst und Gemüse, aber auch Haushaltsartikel wie Töpfe, Decken, Stoffe, Kleidung oder Schuhe.
Was ich am Busbahnhof von Kigali besonders toll finde, sind die vielen kleinen Restaurants. Seit dem ich hier bin, bin ich wirklich eine Hobby-Esserin geworden :D Ich liebe es, die verschiedenen Gerichte hier zu probieren. Hier mal ein paar Bilder, um euch den Mund wässrig zu machen (yummy!):

Diesen Teller habe ich am Busbahnhof für 1000 ruandische Francs bekommen, also etwas mehr als ein Euro!
 

Das hier gab es das zweite Mal bei Danny: Kochbananen, schmeckt eigentlich wie Kartoffeln.

Das erste Mal gab es bei ihm etwas, das aussah wie ein weißer Kuchen. Es bestand aus Mais, wie ich mir hab sagen lassen. Der Teller mit dem "Mais-Kuchen" stand in der Mitte des Tisches und jeder nahm sich mit den Händen davon etwas ab und formte damit eine kleine Kugel. Diese Kugel tunkte man dann in die Soße :-) Vor dem Essen, sowie nach dem Essen ging noch ein Krug mit Wasser, sowie einer Schüssel umher, wodurch sich jeder die Hände waschen konnte.



Hier weitere Essens-Bilder aus dem Restaurant (La Paillotte), in dem wir mittlerweile schon mehr als nur Stammkunden sind. Dort gibt es auch Pizza & Co, also ziemlich international.















Dies hier sind Bilder von Restaurants, in denen man Buffet essen konnte, ein bisschen mehr ländertypische Gerichte:


 
Heute Abend haben wir sage und schreibe, das dritte Mal bei uns zu Hause gekocht, hier ein Bild davon:



Ich habe mittlerweile auch endlich das berühmte Bananenbier von hier getrunken, was mir im Vergleich zu normalem Bier eigentlich ganz gut schmeckt, aber für meinen Geschmack ein biiischen zu stark ist...

Eigentlich hatte ich vor, noch viel mehr zu erzählen, doch der Blick auf die Uhr sagt mir, dass es nun Schlafengehens-Zeit ist, ich muss nämlich fit für morgen sein, da steht unser Wochenend-Trip zum Kivu See an :-) Gute Nacht!