Freitag, 26. August 2016

Erste Schulwoche: check

Ich dachte, es macht Sinn, nochmal einen Post zu verfassen, bevor ich richtig in der Schule mit meinen Aufgaben beginnen werde.

Erste Eindrücke - der Unterricht

Von Montag (22.8.) bis heute, Freitag (26.8.) durften wir erstmal, wie ich es bereits erwähnt hatte, nur beim Unterrichten zusehen. Effektiv waren dies aber nur 3 Tage, da wir am Mittwoch frei hatten und heute anderweitig beschäftigt waren - dazu später mehr!
Wirklich oft durften wir bei Englischsstunden zusehen. Anfänglich hatte ich wirklich meine Probleme mit dem Englisch hier - vor allem mit der Aussprache, da auch beim Englischssprechen nicht auf das rollende R verzichtet wird, was vermischt mit der für mich seltsamen Aussprache, wirklich ein gewöhnungsbedürftiges Englisch ergibt. Der Akzent ist wirklich unüberhörbar, z.B. heißt es dann anstatt: "Are you ready?", "Al you leedi?", da muss man zwei Mal überlegen, bevor man versteht, was eigentlich gemeint ist. Auch mein Name wird oft einfach zu "Lebekka", weil hier die Buchstaben R und L austauschbar verwendet werden. Mittlerweile (ich bin wirklich erstaunt von mir selbst) komme ich aber schon recht gut damit klar und muss nicht mehr ganz so lange über die Bedeutung eines Satzes nachdenken wie davor.
Einen Französischunterricht habe ich bisher leider noch nicht besuchen dürfen (weil der Lehrer irgendwie nicht da war), was ich etwas schade fand, da es mit meinem eigenen Unterricht ja schon am Montag losgeht und ich gerne vorher nochmal gesehen hätte, wie denn Französisch hier so unterrichtet wird. Naja, vielleicht gibt es dafür auch noch eine Gelegenheit.
Dahingegen durfte ich jedoch schon bei zwei Mathestunden dabei sein, was mir echt, entgegen meiner Erwartung, Freude bereitet hat. Ich werde ja nur in der Primary-School eingesetzt, die hier von der 1. bis 6. Klasse geht, also hält sich die Abstraktheit der Mathematik wirklich in Grenzen und macht sogar mir, als "Mathemuffel", ziemlich Spaß. Ich könnte mir sogar vorstellen, auch Mathe zu unterrichten, denn wenn ich es selbst verstehe, geht es im Prinzip ja nur darum, es so einfach wie möglich zu erklären und das ist wiederum etwas, das ich sehr gerne mache.

Zu den Unterrichtsmethoden hier: Die Schüler werden hier geschlagen. Wir haben es schon einige Male beobachtet, dass Lehrer die Schüler mit einem Bambusstock auf den Hintern geschlagen haben, z.B. wenn die Schüler nach dem Lehrer das Klassenzimmer betreten.
Andere Methoden wiederum finde ich nicht schlecht, z.B. das Loben. Wenn ein Schüler etwas richtig gesagt hat, heißt es z.B. "clap for him" und dann bricht die ganze Klasse in einen Klatschrhythmus aus, der dem Schüler gewidmet ist.
Mir ist aufgefallen, dass hier sehr viel über das Auditive gelehrt wird und weniger über das Schriftliche, was mir als Schüler wahrscheinlich schwer fallen würde. Es wird generell viel im Unterricht gesprochen und die Schüler haben, im Vergleich zu dem Unterricht, den ich aus Deutschland gewöhnt war, weniger längere Arbeitsphasen, in denen sie selbst schriftlich aktiv werden müssen. Wenn dann sind es Mini-Aufgaben, die so, oder so ähnlich bereits an der Tafel besprochen wurden. Für mich hat es auch den Eindruck gemacht, dass die Lehrer ein ziemlich unpersönliches Verhältnis zu den Schülern haben - teilweise kennen sie nicht mal mehr ihre Namen. Das halte ich für ein großes Manko. Der Lehrer ist hier die Autoritätsperson, aber auch nicht mehr. In den Klassen herrscht aber (vielleicht sogar genau deswegen?) eine ziemliche Stille und die Schüler sind sehr aufmerksam und motiviert dabei. Sonst ist der Unterricht aber auch eher eintönig, aber auch wahrscheinlich deswegen, weil den Lehrern weniger Materialien/ Möglichkeiten zur Verfügung stehen, als denen in Deutschland. CD's oder Videos können halt nicht abgespielt werden, weil man dafür einen CD-Player, Beamer usw. benötigen würde. Auch bei kreativen Aufgaben z.B. würden Materialien wie Buntstifte, Kleber, Papier/Karton usw. fehlen... Das macht das Ganze wirklich ein bisschen schwieriger.
Ich muss aber dazu sagen, dass dies mein ERSTER subjektiver Eindruck von ruandischem Unterricht ist, ich will nicht, dass mich jemand falsch versteht und meint, dass ich die Situation objektiv komplett richtig einschätzen kann und darüber urteilen kann. Generell fand ich aber auch das wirklich total interessant und bin mal gespannt, was ich sonst noch so für Eindrücke sammeln werde.

Hier mal ein paar Bilder von einem Klassenzimmer und ein paar Kindern:


Unser freier Tag 

An unserem freien Tag, dem Mittwoch, waren wir in Kigali, auf einer Party der Jumelage (das Büro, das die Partnerschaft zwischen Deutschland und Ruanda koordiniert und unser Ansprechpartner ist), die eigentlich wirklich ziemlich cool war. Wir Freiwillige waren für die Stände in Schichten eingetragen, ich war zuerst am Cocktail- und dann am Chapati- und Sambosastand. Chapati sind c-crêpe- bzw. pfannkuchenartige, leckere Nahrungsmittel und Sambosa sind Dreiecke aus Teig, die mit Fleisch oder Kartoffeln und Erbsen gefüllt sind. Beides total lecker! Nach unseren Schichten durften wir auch ein bisschen tanzen gehen, was wirklich total Spaß gemacht hat. Mit Ruandern zu tanzen ist wirklich ein tolles Erlebnis, da dies wirklich Lebensfreude pur verkörpert... und viele können wirklich gut tanzen ;) Danach haben wir noch in einem Geburtstag eines Freiwilligen reingefeiert. Nicki und ich haben in dem Ida-und-Spohie-Hotel übernachtet, wie immer, wenn wir in Kigali sind (kleiner Scherz, wir haben bei zwei anderen Freiwilligen übernachtet, die in Kigali wohnen). 

Unsere Tour nach Kinigi - Lebensumstände der Batwa hautnah mitbekommen 

Heute (Freitag, 26.8.) war wirklich ein total interessanter Tag! Wir haben mit Enock, dem 28-jährigen Sozailarbeiter unserer Schule, der bereits dreifacher Vater ist und der Hauptverantwortliche für die Batwa-Kinder ist und quasi unser Ansprechpartner, einen Ausflug nach Kinigi gemacht. Kinigi ist ein Stadtteil von Musanze, wenn ich das richtig verstanden habe. Die Fahrt dorthin war sehr abenteuerlich. Von unserem Haus aus sind wir mit dem Minibus zum Busbahnhof gefahren, von dort aus mit einem anderen Minibus ins Zentrum von Kinigi und dann haben wir für das letzte Stück (12 km) die Motos genommen, um eine andere Schule zu besuchen. Ich habe gemerkt, dass diese Schule unserer Schule sehr geähnelt hat, was die Gebäude angehen. Hier tragen übrigens alle Schüler an jeder Schule eine Schuluniform. Danach kam aber erst der richtig interessante Teil. Wir haben die Familien der Batwa-Kinder unserer Schule besucht. Dies gehört nämlich ebenfalls zu Enocks Aufgaben, um zu schauen, was mit den Kindern los ist, falls sie mal nicht zur Schule kommen, oder um einfach die Lebenssituation der Kinder besser zu verstehen. Somit sind wir von "Haus" zu "Haus" gezogen und haben nach dem Rechten gesehen. Die Lebensumstände der Kinder zu sehen war wirklich krass, anders kann man das nicht beschreiben. Ich hätte nicht gedacht, dass die Kinder in solch ärmlichen Verhältnissen leben. Sie leben in Hütten, die entweder aus Lehm mit Wellblechdach, oder einfach nur aus irgendwelchen Sträuchern und Pflanzen mit einem Holzgerüst bestehen. Aber es wurde uns ja bereits gesagt, dass deren Eltern wirklich kaum finanzielle Mittel haben, das jedoch mit eigenen Augen zu sehen, war nochmal was anderes. Was wir während unserem Weg immer wieder zu hören bekamen, war, dass zur Zeit in dieser gesamten Region, kaum Wasser zu finden ist, was wirklich ein großes Problem ist. Vom Äußerlichen her sahen die Kinder auch wirklich sehr sehr schmutzig aus und manche von ihnen, die kleineren, haben teilweise nicht mal mehr Hosen getragen, oder nur zerrissene Kleidung. Als wir dann unsere Runde gemacht hatten, sind wir, anstatt die Motos zu nehmen, den Weg zu Fuß zurückgelaufen. Das waren 12 Kilometer. Wenn man nicht darauf vorbereitet wird ist das schon ein Stück, aber für die Leute hier ist das Normalität einfach mal weitere Strecken zu Fuß zu laufen. 

Hier ein Bild von Nicki und mir gemeinsam mit einer sechs- oder siebenköpfigen Familie vor ihrem Haus: 

Wir haben uns länger mit dieser Familie unterhalten und durften sogar mit in ihr Haus kommen. Die Küche befindet sich draußen (eine Feuerstelle unter einem Holzgestell, das mit Blättern und Sträuchern bedeckt ist) und ebenfalls die Toilette. Die Familie hat hinter dem Haus einen eigenen Gemüsegarten, einen Avocado-Baum, zwei Papaya-Bäume und ein Kalb. Der Vater hat uns erzählt, dass er mit 13 Jahren geheiratet hat und jetzt 39 Jahre alt ist. Er gehört ebenfalls zu der Ethnie der Batwa und ist mit 16 Jahren aus den Bergen in die Stadt umgezogen. Die Batwa haben nämlich früher als Jäger und Sammler in den Bergen gelebt. 

Das Phänomen der frühen Hochzeit ist bei den Batwa immer noch sehr häufig vertreten, obwohl die Hochzeit normalerweise für Frauen ab 20 und für Männer ab 21 gestattet ist. Wir haben zwei weitere Beispiele mitbekommen, zwei Schüler, die in der dritten Klasse waren, beide 13 Jahre alt, haben vor kurzem die Schule abgebrochen, weil sie geheiratet haben. Auch sie haben wir auf unserer "Tour" getroffen, Zwei weitere Schüler, beide 15, haben jetzt ganz frisch die Schule abgebrochen, weil auch sie geheiratet haben. 

Nun habt ihr mal wieder einen kleinen Einblick in meine letzten Tage hier bekommen. Ich hoffe ihr fandet es aufschlussreich. Falls noch Fragen offen geblieben sind oder sonstige Interessen bestehen, könnt ihr mich auch gerne persönlich per Mai oder WhatsApp kontaktieren und ich werde versuchen eure Anregungen oder Fragen zu beantworten :) 

Bis bald! 

Montag, 22. August 2016

Umzug nach Musanze

Ach, wie schön fühlt es sich an, endlich "zu Hause" angekommen zu sein.
Ich bin nun stolze Besitzerin eines Internet-Sticks, sodass ich nun, nachdem ich ca. 2 Stunden die Böden geschrubbt und die Wäsche gewaschen habe, meinen  Blog mal wieder auf Vordermann bringen kann und euch von meiner letzten ereignisreichen Woche in Musanze berichten kann. Übrigens, wem es noch nicht aufgefallen ist, auf meinem Blog gibt es den Reiter "Berichte", wo man alle Posts, dem Datum entsprechend, geordnet aufrufen kann - das macht die Orientierung um einiges leichter.

Der lang ersehnte Tag für Nicki und mich war der letzte Mittwoch, der 17.8., denn an diesem Tag fand unser Umzug nach Musanze statt. Von Kigali aus fuhren wir mit einem, mit Möbeln voll bepackten Pick up, zwei Stunden lang über eine sehr hügelige Strecke (wie man sie auch vom Schwarzwald kennt) nach Musanze, der viertgrößten Stadt Ruandas. Vor dem Genozid hieß diese Stadt jedoch Ruhengeri, wovon auch heute noch teilweise im Internet die Rede ist.

Als wir in Musanze ankamen, gingen wir zunächst einmal unsere ersten essentiellen Haushaltsutensilien shoppen: Klopapier, Spül-, Putz- und Waschmittel, Schwämme, 2 Tassen und 4 Gabeln. Danach fuhren wir voll beladen zu unserem Haus. Ja, wir haben ein eigenes Haus!! Es ist wunderschön und gefällt uns mit jedem Tag mehr, da es immer wohnlicher und persönlicher wird und sich langsam auch schon ziemlich wie unser Zuhause anfühlt. Unsere erste eigene Wohnung-aufregend! Unsere Ersteinrichtung an Möbeln, die wir von der Organisation gestellt bekommen haben, besteht aus einem Bett, das Nicki bekommen hat (ich habe mir dann gleich noch eins für ca. 17€ gekauft), einem Herd, zwei Regalen als Schrankersatz, einem Küchenregal, zwei Tischen und vier Stühlen. Spärlich, aber immerhin besser als nichts.
Um mal einen Eindruck davon zu bekommen, hier ein paar Fotos von unserem neuen Heim:















Unsere Küche















Unser Bad



















Unser Wohnzimmer






 

Mein Zimmer


Die Schule

An diesem Tag hatten wir auch direkt unser erstes Gespräch mit unseren Verantwortlichen, dem Schulleiter der MINEDUC G.S. Saint Pierre Schule von Musanze, der Schwester Soeur Florida und dem Sozialarbeiter Enock. Das zweite Mal, an dem wir an der Schule waren, war der letzte Freitag, der 19.8., an dem wir eine Führung durch die Schule bekommen haben und den Stundenplan besprochen haben. Eine Woche lang werden wir uns jetzt "nur" beim Unterricht dazusetzen, um mal den ersten Eindruck davon zu bekommen, bevor wir dann selber mit dem Unterrichten beginnen werden. Heute durften wir beim Matheunterricht einer vierten Klasse zusehen, bei einem Englischunterricht und bei einem Kiyarwanda-Unterricht einer ersten Klasse, was für mich total interessant war. Ich liebe es zu sehen, wie in anderen Ländern unterrichtet wird, das hat mir wirklich Freude bereitet. Generell ist hier alles ziemlich locker, es gibt z.B. keinen Gong, sodass der Beginn der Unterrichtsstunde relativ flexibel ist. Bei dem System habe ich noch nicht ganz dahintergeblickt. In Mathe fand ich das Niveau der Schüler recht hoch - ich kann mich zumindest nicht daran erinnern, dass ich in der Grundschule schon Bruchrechnen geübt habe, in Englisch jedoch eher weniger. Das liegt bestimmt auch daran, dass die Lehrer teilweise selbst nicht mal mehr gut Englisch sprechen können.

Unsere Aufgaben

Was uns bisher, bezogen auf unsere Aufgaben, gesagt wurde, ist, dass wir mit den Batwa-Kindern arbeiten werden. Diese haben morgens ganz normal Schule und unsere Aufgabe ist, sie nachmittags zu beschäftigen, da sie sonst auf "dumme Gedanken" kommen würden, wie z.B. zu klauen. Da es bisher nicht genügend Möglichkeiten bzw. Personal gab, haben sie nachmittags einfach genau das gleiche gemacht wie morgens, was natürlich ziemlich langweilig für die Kids war. Die Batwa, oder auch Twa genannt, sind eine ethische Minderheit in Ruanda, die unglaublich arm sind und auch als die Vergessenen bezeichnet werden. Wir sollen den Kids von 12:40 Uhr bis 16:20 Uhr Mathe-, Englisch- und Französischunterricht geben, außerdem sind eigene Ideen immer willkommen. Ich werde den Französisch- und den Englischunterricht übernehmen, was eigentlich kein richtiger Unterricht sein soll, sondern eher Nachhilfe, in der wir mit den Kids nochmal das durchgehen und vertiefen, was sie davor im Unterricht gelernt haben, Außerdem habe ich noch an ein Theaterprojekt gedacht. Was mich jedoch ziemlich irritiert, ist, dass alles SO locker und flexibel ist. Und ein logistisches Problem kommt auch noch dazu: Es gibt zu wenige Klassenräume, somit müssen Nicki und ich draußen unterrichten! Die Regenzeit wird bestimmt toll (Ironie).
Auf der einen Seite freue ich mich schon unbeschreiblich arg darauf, den Unterricht zu gestalten, den Kindern zu helfen, dass sie im Unterricht mitkommen und etwas bei den Kindern zu bewirken, doch auf der anderen Seite habe ich auch großen Respekt vor dieser Verantwortung. Ich weiß nicht, wie ich den Kindern Englisch und Französisch beibringen soll, wenn sie kein Wort Englisch verstehen, sondern nur Kinyarwanda, oder wie ich mit einer einzigen Person ein Theaterprojekt starten soll.
Fragen über Fragen... wenn ich an meine bevorstehenden Aufgaben denke, habe ich schon ein mulmiges Gefühl im Magen und verspüre auch einen Druck, ja alles perfekt zu machen, doch ich habe ja zum Glück noch die Gewissheit im Hinterkopf, dass dies meine absolute Leidenschaft und mein Traum ist und dass ich bei den Kindern wirklich viel bewirken kann, denn ich werde keine ganze Klassen unterrichten, sondern nur kleinere Gruppen, wodurch mir dann hoffentlich die Möglichkeit gegeben wird, mich mehr oder weniger individuell um die Kinder zu kümmern und ein persönliches Verhältnis aufzubauen.


Nun ist aber genug für heute. Ich werde euch auf dem Laufenden halten. Bis bald! :)



Dienstag, 16. August 2016

6 Tage in Kigali

Dadurch dass Nicki und ich doch nicht schon heute (16.8.), sondern erst morgen nach Musanze fahren, weil es uns beiden nicht gut geht, habe ich heute ein bisschen Zeit, um von der ersten Zeit in Ruanda, genauer gesagt in Kigali, zu berichten:
Am Donnerstag, den 11.8. kamen wir sechs Volunta-Freiwillige um 8:20 Uhr am Flughafen in Kigali an. Am Tag davor sind zwei andere Freiwillige angekommen, mit denen wir in dem Humble-Gästehaus zusammen gewohnt haben. Im Laufe der Tage kamen noch drei weitere von einer anderen Organisation dazu, sodass wir am Ende zu elft waren. Dadurch dass drei Gepäckstücke von uns auf dem Flug nach Kigali verloren gingen (darunter mein großer Reiserucksack), die mittlerweile aber wieder aufgetaucht sind, hat sich alles ein wenig verzögert, da wir bei "Lost & Found" erstmal abklären mussten, wo unser Gepäck abgeblieben ist. Wie bereits gesagt, wurden wir von Mareike abgeholt, die uns dann in unser Gästehaus brachte. Am Mittag sind wir zur Jumelage gelaufen, das Büro, welches die Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda koordiniert. Dort wurde uns die Partnerschaft durch eine Präsentation kurz vorgestellt und die Räumlichkeiten gezeigt. Dieses Büro ist übrigens auch der Arbeitsplatz von einigen Freiwilligen von uns. Danach sind wir in einem Restaurant, wo es ein Buffet gab, essen gegangen, was übrigens echt lecker war. Auch am Abend waren wir wieder in einem Restaurant, dem "La Sierra", essen. Was mir bereits hier auffiel und was sich im Laufe der nächsten Tage auch bestätigt hat, ist, dass es wirklich extrem lange dauert, bis das Essen auf dem Tisch ist. So etwas wie Zeitdruck ist hier ein Fremdwort. Naja, dort haben wir uns ein typisch ruandisches Essen gegönnt (zwinker zwinker) ... Burger mit Pommes! In meinem Falle Grilled Cheese mit Pommes, weil der Veggie Burger nicht mehr verfügbar war. An dieser Nachhaltigkeit an Essen hat sich in den folgenden Tagen auch nichts geändert. Zu jeder Tageszeit haben wir warm gegessen. Jeden Morgen wurde uns Omelett bzw. Rührei von unseren Haushältern im Gästehaus serviert, meist auch mit Weißbrot und allen erdenklichen Obstsorten (die Ananas hier sind nicht zu vergleichen mit denen in Deutschland). Mittags und abends sind wir immer in einem Restaurant essen gegangen. Pommes gab es fast immer dazu... so viel Pommes habe ich echt noch nie hintereinander gegessen. Das erste Essen, was wirklich traditionell war, waren Fleisch- bzw. Fischspieße zusammen mit gebackenen Kartoffeln, gefüllt mit einer Zwiebel-Tomaten-Mischung. Yummy! Dann waren wir mal wieder in einem Restaurant mit Buffet, wo es u.a. Reis, Nudeln, Spinat, Bohnen und Pommes (welch ein Wunder) gab. Das Interessante ist, dass man sich beim Buffet so viel auf den Teller laden darf wie man will, aber ein zweites Mal darf man nicht laufen. Was auch wirklich lecker war, waren die Wraps im "Chap chap". Ich habe ein Veggie Wrap mit Avocado gegessen und natürlich mit Pommes als Beilage. Alles in allem wirklich unglaublich lecker, aber irgendwie ein bisschen too much für meinen Körper. In Deutschland habe ich höchstens zwei Mal pro Tag warm gegessen und dann auch nicht in solchen rauen Mengen oder so viel Fettiges/ Ungesundes hintereinander. Als sich mein Bauch dann gestern Mittag bemerkbar gemacht hat, habe ich zu Mittag lediglich ein Croissant und zwei Stücke von einem Trockenkuchen gegessen, am Abend habe ich das Essen ganz weggelassen und heute Morgen bestand es aus einer Baby-Banane. Naja, vor dieser körperlichen Umstellung wurden wir ja gewarnt und es hat ja auch etwas Positives, mal einen Tag komplett zum Ausruhen nutzen zu können.
Abgesehen vom Essen haben wir uns bereits SIM-Karten fürs Handy beantragt und unser Visum. Wir haben auch Infos über das Leben in Ruanda bezüglich Wohnung, Verhalten und Sicherheit bekommen und auch über die Partnerschaft als Partnerorganisation  bezogen auf Verantwortlichkeit usw. Auch für unsere Freizeitgestaltung haben wir Tipps bekommen. Die einzigen zwei Länder, in die wir nicht reisen dürfen, ist der Kongo und Burundi. Ansonsten gibt es wirklich tolle  Ausflugsziele für die Freizeit, auch in den Nachbarländern. Was auch total eindrucksvoll, aber vor allem auch sehr traurig war, war der Besuch im Genocide Memorial. Am Montag morgen stand eine Stadtralley auf unserem Terminkalender. Anhand von Quizfragen über Kigali, wurden wir, eingeteilt in Zweierteams, durch die ganze Stadt gejagt. Das war das erste Mal, wo wir tatsächlich mal mit den Menschen auf der Straße zusammentrafen und wir merkten, was es bedeutet weiß zu sein. Obwohl Kigali mittlerweile wirklich europäisch geprägt ist und auch viele teure Gebäude hat, werden wir als Weiße, trotzdem immer mit Wohlstand und Reichtum verbunden. Es sind nicht nur die Blicke oder die Sprüche im Vorbeigehen, die ich mittlerweile schon als störend empfinde, es ist auch der Fakt, dass man nie weiß, wer es ehrlich mit dir meint und wer nicht. Es ist uns nicht nur ein Mal passiert, dass wir Menschen nach der Antwort auf eine Quizfrage stellten und sie am Ende Geld dafür wollten. Uns wurden auch tragische Familiengeschichten erzählt und auch mein Ehering kam schon in Einsatz. Ein Motorradtaxifahrer fragte mich, ob ich single sei und ich verneinte dies, daraufhin fragte er, ob ich verheiratet sei und ich antwortete mit ja. Als er dann meinen Ring bemerkte, war die Sache geklärt.
A propos Motorradtaxi, dieses Fortbewegungsmittel habe ich mittlerweile schon ein paar Mal genutzt. Im Vergleich zu normalen Taxis sind die Motos sehr günstig. Das einzige, was mir etwas zu bedenken gibt, sind die Helme, die wirklich mehr Attrappe-Zwecken dienen, als der Sicherheit. Insgesamt fühle ich mich in der Hauptstadt aber wirklich sicher, es gibt mir auch den Eindruck, dass Überfälle und Unfälle wirklich eher selten sind, trotz dem stürmischen Verkehr und den Motos, die sowohl von links, als auch von rechts überholen. Auch das Ambiente ist, zumindest in der Gegend des Gästehauses, eher ruhig und angenehm. Außerdem ist die Stadt wirklich sauber, sie gilt sogar als die sauberste Hauptstadt Afrikas, soweit ich das noch im Kopf habe. Die krasseste Menschenansammlung habe ich bei der Stadtralley am Busbahnhof erlebt, das war wirklich wie aus dem Bilderbuch, oder wie sich viele Menschen vielleicht Indien vorstellen. Ansonsten gefällt mir das, was ich bisher von Ruanda gesehen habe, wirklich gut.
Ein großer Schritt für Nicki und mich wird jedoch der morgige Tag werden (falls es uns bis dahin wieder besser geht). Das ist der Tag, an dem wir endgültig, an unserem Wohn-und Arbeitsort ankommen. Quasi der Start in ein neues Leben. Wir dürfen endlich unser Haus einrichten (und müssen nicht mehr aus dem Koffer leben) und lernen unsere "Chefs" auf der Arbeit kennen. Wir werden übrigens in einer Doppelhaushälfte untergebracht mit 3-4 Schlafzimmern. Insgesamt wurde die Wohnung als "modern" beschrieben. Ich bin wirklich gespannt! Gestern haben wir schon unsere ersten Möbel rausgestellt, die wir dann mit dem Pick up auf unserer zweistündigen Fahrt nach Musanze transportieren.
Es gibt wirklich noch viel zu erzählen, doch jetzt muss ich mich mal wieder ausruhen, um fit für den großen Tag zu sein.
Liebe Grüße!

Freitag, 12. August 2016

Arrival (11.8.)

Ich bin jetzt zwar noch nichtmal 48 Stunden in Ruanda, doch bis jetzt fühlt es sich für mich nicht sehr "anders" an hier. Also von Kultur-Schock keine Spur. Ich meine die Menschen hier, die man auf der Straße sieht, sehen natürlich anders aus und selbstverständlicherweise habe ich auch noch nie so viele Menschen mit dunkler Hautfarbe an einem Ort gesehen, aber trotzdem fühlt es sich nicht extrem fremd hier an. Ich denke das liegt auf jeden Fall daran, dass ich bisher eigentlich nur unter Deutschen war, was sich bis Dienstag auch erstmal nicht ändern wird. Nicki (meine Mitbewohnerin) und ich werden erst am Dienstag an unseren endgültigen Ort kommen, nach Musanze (früher: Ruhengeri), wo wir dann zusammen wohnen und arbeiten werden. Bis dahin bleiben wir in Ruandas Hauptstadt, in Kigali. Hier in Kigali wohnen wir in einem Gästehaus mit den anderen Freiwilligen zusammen. Wir wurden vom Flughafen von einer Deutschen abgeholt, die hier im Büro der Jumelage zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda arbeitet. Sie ist auch diejenige, die unser "Seminar" hier macht. Eigentlich ist es nicht wirklich ein Seminar, sondern eher "Aklimation", was ich auch eigentlich ganz gut finde. Ich denke wenn wir direkt in unsere Einsatzstelle gekommen wären und quasi sofort mit dem Arbeiten beginnen müssten, wäre das so gewesen, als hätte uns jemand ins kalte Wasser geworfen. Ich will jetzt auch nicht den Tag vor dem Abend loben, doch bis jetzt geht es mir echt ganz gut hier :-)
Ach ja, was vielleicht erwähnenswert ist, ist der Tagesrhythmus, der ganz anders als in Deutschland ist. Die Sonne geht hier so früh unter, man kann schon um 17 Uhr damit rechnen, dass es bald dämmert und auch relativ schnell stockdunkel wird. Aber das Interessante ist, dass es sich dann auch so anfühlt, als wäre es schon mitten in der Nacht. Dementsprechend geht sie Sonne auch sehr früh auf. Stichwort Nacht... ich mache jetzt mal Schluss.

Gute Nacht :-)

Die Zeit vor der Abreise (1.8. - 9.8.)

Das Allerwichtigste zuerst: Ich bin gestern morgen (Donnerstag, der 11.8.) gesund und wohlbehalten am Ziel angekommen!

Bevor ich euch meine ersten Eindrücke von Ruanda mitteile, hier der Post, der noch gefehlt hat:

Die Zeit vor der Abreise (1.8. - 9.8.):

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, vor dem Abflug noch einen Post über die letzte Woche in Deutschland, das Packen und den Abend vor der Abreise zu verfassen, aber wie man das von meinem Zeitmanagement so kennt, hat es dafür leider nicht mehr gereicht. Deshalb hier eine kleine Zusammenfassung:

Die Zeit vor der Abreise war wirklich "intense", sie war zum einen bis zum Anschlag mit  Terminen und Treffen vollgestopft und zum anderen aber auch sehr sehr schön.
Die meisten Menschen, die mir wichtig sind, habe ich vorher noch gesehen und schöne Dinge mit ihnen unternommen. Ein Höhepunkt war unter anderem der Samstag (8.8.). Zwei Freunde von mir hatten für mich einen kompletten Tag bis um 19 Uhr geplant mit lauter Überraschungen... Frühstücken, Lazer Tag spielen und Kino. Am Abend jedoch, hat die richtig große Überraschung erst begonnen: Ganz ganz liebe Menschen haben viel Aufwand und Liebe in die Organisation einer Überraschungs-Abschieds-Party im Afrika-Style investiert und wirklich so gut wie alle meine Lieben wussten davon Bescheid. Das nenne ich mal eine geglückte Überraschungsparty! Nochmal danke an alle, die an der Organisation beteiligt waren und natürlich auch an diejenigen, die gekommen sind um sich zu verabschieden! Das war ein wunderschöner Tag und ich freue mich, dass noch ein offizieller Abschied zustande kam :-)
In letzter Zeit wurde ich auch reichlich beschenkt: Ich kann gar nicht alles aufzählen, es fängt an mit einem Backbuch, einem Kalender zum Aufstellen mit Sprüchen für 356 Tage, einem Fotoalbum, einem Teddy, ein Afrika-Kissen, eine Reisefibel bis hin zu 12 Briefen, wo ich jeden Monat einen öffnen darf.  Das ist wirklich total lieb, ich habe mich so sehr gefreut! :-)
Wie ihr merkt hatte ich, alles in allem, eine wirklich schöne letzte Zeit in Deutschland, die mitunter auch aus Depri- bzw. Heulphasen bestand, doch im Großen und Ganzen echt toll war! 

Dienstag, 2. August 2016

Vorbereitungsseminar

Seit gestern Abend bin ich nun wieder im heimischen Gefilde, meinem geliebten Schwarzwald <3
Ich muss sagen, ich habe wirklich gefallen an der Wiesbadner bzw. Mainzer Region gefunden, doch der badische Dialekt hat mir schon sehr gefehlt. Das war auch das erste, das den Mitfreiwilligen an mir aufgefallen ist... dabei dachte ich, dass mein Dialekt wirklich human ist, wenn man bedenkt wie die waschechten Badner hier so sprechen. Das ist schon witzig, wenn man mal darüber nachdenkt, wie groß die Unterschiede selbst innerhalb von Deutschland sind, man fährt 3-4 Stunden mit dem Zug und schon sprechen die Menschen ganz anders... Anfangs war es wirklich komisch für mich, wieder zu Hause zu sein, da ich während den 10 Tagen in Wiesbaden schon sehr auf Afrika gepolt war und mich bildlich schon fast im Flugzeug gesehen habe. Trotzdem habe ich mich unglaublich gefreut, meine Familie wieder zu sehen. Ich denke aber, dass die Zeit nun schneller vergeht, als mir lieb ist und ich muss wirklich gut planen, was ich wann erledigen muss. Ich habe wirklich das Gefühl, dass die Zeit rast, mittlerweile ist dies aber auch begründet, da ich jetzt nur noch eine Woche in Deutschland sein werde!

Ich weiß nicht, ob das Foto lesbar ist, aber hier könnt ihr unseren Plan des Vorbereitungsseminars in Wiesbaden vom 23.7. bis zum 1.8. sehen:


























Ablauf Vorbereitungsseminar


In den ersten zwei Tagen lag der Fokus auf dem Kennenlernen der anderen Freiwilligen, sowie auf der Gruppendynamik. Insgesamt nahmen 71 Freiwillige an dem Vorbereitungsseminar teil, nämlich alle, die nach Afrika bzw. Asien gehen werden. In Afrika gehen die meisten Freiwillige nach Namibia, zwei gehen nach Südafrika, sechs nach Ghana und weitere sechs nach Ruanda (ich eingeschlossen). Zu den asiatischen Ländern zählen vor allem Thailand und Indien, wohin auch sehr viele Freiwillige gehen (ich hoffe, ich habe kein Land vergessen).

Ich kam leider zwei Stunden zu spät zum Seminar, was jedoch diesmal wirklich nicht an mir lag! Das Seminar begann um 14 Uhr und wenn alles nach Plan gelaufen wäre, wäre ich sogar zu früh dagewesen. Doch als ich im letzen Zug Richtung Mainz saß, hielt dieser ca. zwei Stationen vorher an und  genau an dieser Stelle befanden wir uns auch noch zwei Stunden später. Der Grund: Personenunfall, mehr weiß ich auch nicht.

Naja, als ich dann endlich da war platze ich mitten in die Eröffnungsrede, wo gerade die Rede von Pünktlichkeit war. Danach wurde die Großgruppe in mehrere Kleingruppen eingeteilt. Wir sechs, die nach Ruanda gehen werden, kamen in eine Gruppe mit denen, die ihren Freiwilligendienst in Ghana ableisten werden - wir waren also insgesamt 12 Leute.

Wir machten am Anfang viele Gruppenspiele und Bastelarbeiten, mit dem Hintergedanken, dass wir uns währenddessen mit den anderen Freiwilligen unterhalten können und sie besser kennen lernen können. Außerdem beschäftigten wir uns viel mit uns selbst, u.a. mit unserer Vergangenheit, was wir in einem Fluss des Lebens visualisierten. Was ich aber am hilfreichsten fand, war die kurze Gesprächsrunde über unsere aktuellen Gefühle und wie es uns im Moment geht, bezogen auf die bevorstehende Reise. Wie ich auch schon im letzten Post erwähnt habe, hat es mich sehr beruhigt, zu wissen, dass es vielen wirklich ähnlich wie mir geht und dass viele im Moment auch eher traurig sind, als Vorfreude zu verspüren. Das hat mir wirklich geholfen und mir das unangenehme Gefühl genommen, alleine mit diesen Gefühlen zu sein.

In den nächsten drei Tagen bekamen wir Infos, Infos und nochmal Infos. Einerseits fast eine Reizüberflutung, andererseits genau das, worauf ich seit Monaten gewartet hatte. Handfeste Informationen bezüglich unseren Einsatzsetellen und vor allem unserem Einsatzland! Bei Nicki (meiner zukünftigen Mitbewohnerin) und mir, kamen die Informationen bezüglich unserer Einsatzstelle aber viel zu kurz, was u.a. daran liegt, dass die Verantwortlichen nicht mal mehr selbst über ausreichend Wissen verfügen. Wir wissen weder wo und wie wir wohnen werden, noch was unsere genauen Aufgaben sein werden. Da sage ich nur: Überraschung! Dahingegen haben wir aber wirklich viele Informationen über Runda selbst bekommen, über die heutige Situation, die Vorgeschichte und die Kolonialisierung. Zum Einen von dem Koordinationsleiter, der die Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda leitet, zum anderen von einem ehemaligen Freiwilligen, der mittlerweile 28 Jahre alt ist und von einem gebürtigen Ruander, der mittlerweile in Deutschland studiert und uns "Insider-Tipps" geben konnte. Das war wirklich klasse und somit hat sich das Durcheinander von Fragen in meinem Kopf ein wenig geordnet. Übrigens, wer sich für die ruandische Geschichte und den Völerkmord interessiert,  auf den ich immer wieder angesprochen werde, kann sich den Film "Sometimes in april" anschauen, dieser gilt als der beste Film über den Genozid. Ich selbst habe ihn noch nicht angeschaut, da er sehr brutal und traurig sein soll, doch vielleicht werde ich dies noch nachholen.

In den letzten fünf Tagen erarbeiteten wir gemeinsam verschiedene Themen, die für unseren Freiwilligendienst sehr hilfreich sind. Was mir besonders im Kopf geblieben ist, ist das Thema Alltagsrassismus und "critical whiteness", wo ich einige Infos mitbekommen habe, die mir neu waren. Was für euch vielleicht auch interessant ist: Die offizielle Bezeichnung für Leute mit dunkler Hautfarbe ist weder "Dunkelhäutiger", noch "Starkpigmentierter" oder andere Wortschöpfungen, sondern nur "Schwarzer" oder "People of Colour", also "POC". Dadurch wurde mir auch klar, wie schwer es eigentlich ist, 100%-ig politisch korrekt zu reden/ schreiben. Deshalb schon mal im Voraus meine Entschuldigung: Ich werde mich bemühen, meine Posts richtig zu formulieren, ohne irgendjemanden zu diskriminieren, doch ich weiß jetzt schon, dass es mir nicht immer gelingen wird. Sorry!

Alles in allem kann ich sagen, dass das Vorbereitungsseminar meine Erwartungen wirklich übertroffen hat, was zum großen Teil an der tollen Gruppe lag, wir haben uns den Namen "Ghanda" gegeben (Mischung aus Ghana und Ruanda), aber auch an unseren Teamern und generell an den Aktivitäten und Informationen, die mir sehr weitergeholfen haben. Zu Beginn war es zunächst wirklich komisch und fremd, 24 Stunden unter (fremden) Menschen zu sein und in einer komplett neuen Umgebung zu sein, mit absolut nichts Bekanntem, aber das hat sich schnell geändert.

Viele liebe Grüße,

Rebekka

P.S. Was natürlich ganz wichtig war: Ich habe meine zukünftige Mitbewohnerin Nicki (Nicola) endlich kennengelernt. Sie kommt aus Mainz und wird mit mir in Ruanda zusammen wohnen und auch im gleichen Projekt arbeiten. Hier könnt ihr ein Bild von uns sehen:


Sonntag, 24. Juli 2016

Gemischte Gefühle

Dadurch, dass ich mittlerweile schon von einigen Personen gefragt wurde, ob ich schon aufgeregt bin, ob ich mich schon auf Afrika freue usw. und ich bisher wahrscheinlich noch keine zufriedenstellende Antwort geben konnte, werde ich euch nun einen kleinen Einblick in meine Gefühlswelt geben. Obwohl ich bisher, wie bereits im letzen Post angedeutet, eigentlich überhaupt keine Gefühle bezogen auf die bevorstehende Reise zugelassen bzw. mich nicht bewusst damit auseinander gesetzt habe, bin ich mir sicher, dass dies mein Unterbewusstsein trotzdem beschäftigt hat, da ich seit ungefähr einem Monat (um genau zu sein seit der mündlichen Prüfung) wirklich fast jede Nacht sehr schlecht geschlafen habe. Auch sonst bin ich nicht bekannt dafür, dass ich einen regelmäßigen Schlafrhythmus habe oder dass ich nachts leicht abschalten kann, doch in letzter Zeit war es wirklich extrem. Ich habe aber von anderen Leuten, denen auch eine lange Zeit im Ausland bevorsteht, mitbekommen, dass es ihnen ähnlich geht und dass sie auch eher ihre Gefühle von sich schieben, als bewusst darüber nachzudenken. Ich denke auf jeden Fall, dass dies eine Art "Schutzreaktion" ist, um sich selbst vor emotionalem Schmerz zu schützen. Was mir aber auch immer bewusster wird, ist, dass dies nicht unbedingt der gesündeste Weg ist, mit den Gefühlen umzugehen, da man so vielleicht sogar eines Tages von den Gefühlen übermannt werden könnte. Zum Beispiel, dass sie in Afrika dann mit einem Schlag kommen und es dann einfach zu viel des Guten ist.

Erst vor einigen Tagen habe ich nun zum ersten Mal ein bisschen Gefühle bewusst zugelassen und ich dachte sie erschlagen mich!! Das erste, was ich gespürt habe, war Traurigkeit. Es macht mich wirklich extrem traurig, dass ich die Menschen, die mir wichtig sind, hier lassen muss. Ich habe mich auch schon gefragt, ob das nicht alles ein riesen Fehler war, doch immer wieder merke ich, dass es so sein soll und dass der einfachste Weg nicht immer der beste ist. Ich könnte auch einfach hier bleiben und mein Leben so weiterleben, wie es gerade ist, dadurch würde ich zwar den Abschied umgehen, doch weiterentwickeln würde ich mich dadurch nicht und ebensowenig wird sich dadurch meine Familie weiterentwickeln und die Menschen, denen ich wichtig bin. Den ersten emotionalen Abschied habe ich auch schon hinter mir und in solchen Situationen merkt man erst, wer einem wirklich wichtig ist und vor allem, wie wichtig einem manche Personen sind. Auf der einen Seite traurig, auf der anderen Seite aber auch schön, dass man merkt was für tolle Menschen man eigentlich in seinem Leben hat. Also alles in allem: Mir wird eine Abschiedszeit bevorstehen, die sicherlich traurig wird, aber auch notwendig ist für den nächsten Schritt in meinem Leben. Was aber auch ein Punkt ist, der mich momentan beschäftigt, ist dass ich weiß, dass wenn ich zurück kommen werde, dass dann nichts wieder so wird, wie es mal war. Vor allem bezogen auf die Familie. Danach werde ich (voraussichtlich) studieren gehen und ausziehen, das heißt der tröstlich Gedanke, dass ich nach diesem Jahr ja wieder hier bin und alles so sein wird wie es war, fällt auch weg.
Dieser Post klingt jetzt wahrscheinlich fast wie eine Trauerrede, doch ich denke, es ist normal, dass man sich vor einem so großen Schritt im Leben auch so seine Gedanken macht und auch ein bisschen wehmütig wird. Ich hoffe ihr habt einen guten Einblick in meine Gefühlswelt bekommen und die Fragen, ob ich schon aufgeregt bin, oder wie ich mit der Sache umgehe, haben sich nun ein Stück weit geklärt.

P.S. Wie bereits einige wissen, bin ich seit dem 23.7. bis zum 1.8. (die Zeit wird langsam knapp!!) in Wiesbaden auf meinem Vorbereitungsseminar. Diesbezüglich wird auch noch ein Post folgen.