Donnerstag, 29. September 2016

Gisenyi-Wochenende

Das letzte Wochenende war so cool, dass ich euch unbedingt davon berichten möchte. 
Eigentlich wollte ich den Post gestern (28.9.) veröffentlichen, doch mein Internet zu Hause war zu schlecht, sodass ich nun mit dem Laptop im La Paillotte sitze, da es hier neuerdings gratis WLAN gibt (juhu!).

Nicki und ich (und Sophia, eine andere Frewillige, die auch in Musanze wohnt) sind am letzten Samstag mit dem Bus nach Gisenyi gefahren, der Stadt am Kivu-See. Obwohl das eigentlich (soweit ich es noch in Erinnerung habe) 40km sind, dauert das mit dem Bus über eine Stunde. Wir haben bei zwei deutschen Freiwilligen übernachtet, die in Gisenyi bei einem Projekt für Straßenkinder mithelfen. Charlotte, eine von den beiden, hat in der Nacht von Samstag auf Sonntag ihren Geburtstag nachgefeiert.
Es war eine ziemlich große Geburtstagsparty, erwartet waren 40 Leute, tatsächlich erschienen sind dann "nur" 30 aufgrund des starken Regens. Es waren andere deutsche Freiwillige da, Kollegen und Nachbarn von den beiden, sowie einheimische Jugendliche aus ihrem Projekt. Vier ruandische Frauen haben den ganzen Nachmittag Essen für diese Feier gekocht (teilweise waren das die Ehefrauen von ihren Kollegen und Freundinnen von ihnen, es war sogar ein kleines Baby dabei). Die Frauen nehmen hier ihre Babys sowieso überall mit hin, selbst auf die Arbeit. Sie werden einfach in ein Tuch gewickelt und auf den Rückwn gepackt. Diese Technik muss ich mir echt mal noch zeigen lassen, bevor ich wieder in Deutschland bin, das könnte noch nützlich sein in der Zukunft ;-) Bei uns auf der Arbeit gibt es sogar eine hochschwangere Frau, die immer noch unterrichtet. Es sieht so aus, als wäre es jeden Moment soweit, dass ihr Baby auf die Welt kommt. In Deutschland wäre hier schon längst Bettruhe angesagt.
Naja, die Mengen, die die Frauen an Essen für die Party zubereiteten, waren riesig, doch erstaunlicherweise kam sogar das Meiste weg. Es gab Fleisch, Reis, Erbsen, Karotten, Pommes, Soße, Kochbananen und Nudeln, doch ich muss aufhören weiter über Essen zu schreiben, ich liege nämlich gerade im Bett, da ich vorhin das gesamte Mittagessen wieder ausgebrochen habe (meine Theorie: Es lag am Tee, der berühmte African Tea, den ich hier so lieben gelernt habe und gefühlt zu ca. 90% aus Milch besteht).
Nun aber weiter im Text: Die Geburtstagsfeier war echt cool und es waren sogar zwei Tanzgruppen anwesend, die für Stimmung sorgten und auch unter den geladenen Gästen waren (teilweise ehemalige Straßenkinder). In der Nacht habe ich aber leider nicht ganz so lange wie einige andere durchgehalten, um 4 Uhr nachts habe ich dann angefangen zu schwächeln und es hieß für mich: ab in die Heia! Ca. eine Stunde später war die Party aber dann offiziell beendet.
Alles in Allem, Gisenyi ist ein Traum! Ich weiß nicht warum ich mich erst dieses Mal so in diese Stadt verliebt habe und nicht schon das letzte Mal als ich dort war (und euch davon berichtet habe), doch irgendwie hat mich die Schönheit dieser Stadt erst jetzt so richtig beeindruckt. Es kam totales Urlaubs-Feeling auf, was durch den Stranbesuch am Kivu-See am nächsten Tag noch mehr verstärkt wurde. Dieses Urlaubs-Feeling hatte ich seit der ersten Woche in Kigali gar nicht mehr, was ja auch verständlich ist, da ich hier wohne und arbeite und keinen Urlaub mache.
Das Highlight des Tages waren aber die heißen Quellen, auch als "Hot Springs" bekannt. Schon allein der Weg dorthin (der Ort heißt übrigens "Mashyuza", genau wie das heiße Wasser) war atemberaubend, wir sind die meiste Zeit neben dem Kivu-See entlang gefahren, eine wunderschöne Landschaft.
Die Hot Springs sind aber eher ein Geheimtipp, weshalb dort auch kaum Leute waren. Die Quellen sahen ein bisschen wie blubbernde Wasserpfützen, direkt in so eine Quelle konnte man nicht reinstehen, da das viel zu heiß gewesen wäre. Einige Einheimische haben uns dann mit diesem Wasser (und auch teilweise mit dem Schlamm) massiert. Es heißt, dass dies eine heilende Wirkung haben soll. Hat auch wirklich gut getan :-) Unten seht ihr ein paar Bilder von den Hot Springs. 

Tschüsschen Küsschen! :-*

P.S. Was total cool war: Nicki und ich durften vor kurzem eine kleine Spritztour mit dem Auto (ein Pick up) unserer Nachbarn unternehmen. Ursprünglich war es Nickis Idee, da sie das Autofahren sehr vermisst hat, aber als ich dann am Steuer saß, habe ich es auch mal wieder sehr genossen. Unsere erste Fahrt mit einem Auto, dass das Lenkrad auf der rechten Seite hatte! War ziemlich ungewohnt für uns, da bis auf die Pedale, alles (z.B. Blinker und Schaltung) seitenverkehrt war. 
Wir sind auch vor kurzem mal wieder Fahrrad gefahren, wir haben nach der Arbeit anstatt die Fahrradtaxis zu nehmen, die Fahrräder von Enock und dem Disziplinlehrer der Schule ausgeliehen und sind damit in die Stadt hinunter gedüst. Wir haben uns gefreut wie zwei kleine Kinder. Da merkt man mal, wie kleine Dinge so etwas Besonderes werden können.

Hier noch die Bilder von den heißen Quellen:


Hier Sophia und ich: 

Freitag, 23. September 2016

Busbahnhof, ruandisches Essen & Co

Mal wieder Zeit für einen neuen Post :-)

Regenzeit

Das Wetter ist zur Zeit ziemlich anstrengend... Man kann eigentlich nicht ohne Regenjacke aus dem Haus gehen und wenn man es dann doch tut ist es nicht sehr unwahrscheinlich, dass man von einem Regenschauer überrascht wird (so wie es uns heute passiert ist). Und dadurch, dass wir auf dem Heimweg immer die Fahrräder nehmen (Fahrrad-Taxis), da die Strecke heimwärts abschüssig ist, war dies heute eine ziemlich nasse Angelegenheit, in der wir sogar einen Zwischenstopp einlegen mussten, um nicht komplett durchnässt zu werden. Wenn es jedoch während unserer Arbeitszeit regnet, kann weder ich unterrichten noch Nicki Sport mit den Kindern machen, denn Nicki macht mit den Kids Sport unter freiem Himmel und in meinem Klassenzimmer (ich glaube ich habe noch gar nicht erwähnt, dass es doch ein freies Klassenzimmer für mich gab - juhu!) ist es bei Regen viel zu laut zum Unterrichten, da würden mich die Kinder nicht verstehen, obwohl sie ca. einen Meter von der Tafel entfernt sitzen.


Busbahnhof, ruandisches Essen & Co

Am Montag, den 19.9. mussten alle Freiwillige mal wieder nach Kigali, um das Visum abzuholen. Das Wochenende über war ich alleine zu Hause, da Nicki bereits mit einigen anderen Freiwilligen aus Musanze am Samstag Mittag nach Kigali fuhr. Die beiden Nächte habe ich in Lisas Haus verbracht, einer anderen Freiwilligen von hier, um Hundesitterin für ihren Hund Peanut zu sein.


Der Busbahnhof von Kigali ist jedoch ein paar Zeilen wert: Hier in Ruanda gibt es ja keine Züge aufgrund der bergigen Landschaft, also sind die Busbahnhöfe, die es in jeder Stadt gibt (auch in Musanze, nur deutlich kleiner als in Kigali) die einzigen bahnhofsähnlichen Gebilde hier. Ich kann mich noch genau daran erinnern (so lange ist es ja auch noch gar nicht her, etwas über 5 Wochen), als ich das erste Mal an diesem Busbahnhof war und völlig überwältigt von der Menschenmasse war. Wenn man als Weißer diesen Bahnhof betritt, kann man kaum einen Schritt gehen, bevor nicht gleich mindestens 5 Menschen auf dich zugestürmt kommen und fragen "Musanze?", "Where are you going?" oder gleich versuchen, dich in ihren Bus "zu zerren".
Von allen Seiten hört man nur "Muzungu!", was sich jedoch nicht nur auf den Busbahnhof beschränkt, sondern auf der Straße und egal wo man ist bekommt man dieses Wort, was so viel wie "Weißer" heißt,  zu hören. Gestern Abend war ich zum Essen bei Danny, einem Freund, den ich hier kennengelernt habe eingeladen und die Vermieterin sprach mich dann doch tatsächlich mit "Musungu?" an. Auch als ich vor kurzem mal wieder auf der Arbeit (Frisörsalon) von ihm vorbeischaute und ich mich mit einem Kind dort unterhielt, fragte Danny dann das Kind: "Na wie heißt sie?" und dies meinte dann ganz überzeugt: "Muzungu!". Am Anfang, besonders in der Kigali-Zeit, war dies ziemlich nervig für uns, doch mittlerweile haben wir uns schon fast ganz daran gewöhnt. Dieses "Immunwerden" habe ich auch am Montag am Busbahnhof wieder gemerkt, für mich war diese Menschenmenge schon gar nichts Besonderes mehr. 
An den Busbahnhöfen hier, gibt es verständlicherweise auch weder Hinweisschilder, welcher Bus wo hin fährt, noch Fahrpläne. Außerdem fahren die Busse erst dann los, wenn jeder einzelne Platz besetzt ist. Schön kuschelig! Wenigstens kann man hier während einer Busfahrt nicht erfrieren. Und das pünktlich Kommen ist dadurch auch nur bedingt möglich. 
Hier mal ein paar Eindrücke vom Busbahnhof in Kigali:

Hier gibt es auch immer Menschen, die versuchen irgendwelche Dinge (auch Lebensmittel) an die Fahrgäste, die gerade im Bus sitzen und warten bis der Bus losfährt, zu verkaufen:  

 

Zuletzt werden die Sitze, die sich im Gang des Busses befinden, besetzt. Diese lassen sich einfach hoch- oder runterklappen, wodurch es im Bus schön  kuschelig wird.

Hier die Stände mit dem Krimskrams und obendrüber die Restaurants, von wo aus ich auch die Bilder vom Busbahnhof gemacht habe (leider etwas verschwommen, da ich durch die vom Regen verschmierte Scheibe des Busses fotografiert habe):


Außerdem ist jeder Busbahnhof auch gleichzeitig mit einem Markt verbunden. In Kigali ist das kein Markt im Sinne von Gemüsemarkt, sondern eher solche Stände mit allem möglichen "Krimskrams". In Musanze gibt es hinter dem Busbahnhof unter anderem einen ziemlich großen Stoffmarkt, aber auch andere Dinge, wie Schuhe oder Kleidung und ebenfalls kleinere Läden mit Snacks wie z.B. Sambussas. In Kinigi ist es tatsächlich auch ein Gemüsemarkt, aber es gibt auch Dinge wie z.B. Schuhe. Unabhängig von den Busbahnhöfen gibt es aber in jeder Stadt noch mindestens einen richtigen Markt (die Anzahl der Märkte ist abhängig von der Größe der Stadt). Auf dem Markt in Musanze gibt es hauptsächlich Obst und Gemüse, aber auch Haushaltsartikel wie Töpfe, Decken, Stoffe, Kleidung oder Schuhe.
Was ich am Busbahnhof von Kigali besonders toll finde, sind die vielen kleinen Restaurants. Seit dem ich hier bin, bin ich wirklich eine Hobby-Esserin geworden :D Ich liebe es, die verschiedenen Gerichte hier zu probieren. Hier mal ein paar Bilder, um euch den Mund wässrig zu machen (yummy!):

Diesen Teller habe ich am Busbahnhof für 1000 ruandische Francs bekommen, also etwas mehr als ein Euro!
 

Das hier gab es das zweite Mal bei Danny: Kochbananen, schmeckt eigentlich wie Kartoffeln.

Das erste Mal gab es bei ihm etwas, das aussah wie ein weißer Kuchen. Es bestand aus Mais, wie ich mir hab sagen lassen. Der Teller mit dem "Mais-Kuchen" stand in der Mitte des Tisches und jeder nahm sich mit den Händen davon etwas ab und formte damit eine kleine Kugel. Diese Kugel tunkte man dann in die Soße :-) Vor dem Essen, sowie nach dem Essen ging noch ein Krug mit Wasser, sowie einer Schüssel umher, wodurch sich jeder die Hände waschen konnte.



Hier weitere Essens-Bilder aus dem Restaurant (La Paillotte), in dem wir mittlerweile schon mehr als nur Stammkunden sind. Dort gibt es auch Pizza & Co, also ziemlich international.















Dies hier sind Bilder von Restaurants, in denen man Buffet essen konnte, ein bisschen mehr ländertypische Gerichte:


 
Heute Abend haben wir sage und schreibe, das dritte Mal bei uns zu Hause gekocht, hier ein Bild davon:



Ich habe mittlerweile auch endlich das berühmte Bananenbier von hier getrunken, was mir im Vergleich zu normalem Bier eigentlich ganz gut schmeckt, aber für meinen Geschmack ein biiischen zu stark ist...

Eigentlich hatte ich vor, noch viel mehr zu erzählen, doch der Blick auf die Uhr sagt mir, dass es nun Schlafengehens-Zeit ist, ich muss nämlich fit für morgen sein, da steht unser Wochenend-Trip zum Kivu See an :-) Gute Nacht!












Mittwoch, 14. September 2016

Verdacht auf Malaria und andere Geschichten

... Und schon wieder ist eine Woche vorbei. Und ich berichte euch mit Freuden davon :-) Mir macht es sogar wirklich total Spaß, den Blog regelmäßig (zumindest so regelmäßig wie es in meinen Zeitplan passt) zu aktualisieren. Ich tue das nicht aus Pflichtbewusstsein, sondern aus Freude, weil ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die sich für das interessieren, was ich hier so tue und die gerne von meinen Erlebnissen lesen. Für mich ist es zwar nicht eine ganz so persönliche Sache wie für euch, denn ich weiß nie, wer wann vor dem Bildschirm sitzt und etwas von meinen Erlebnissen liest, doch durch die Rückmeldungen, die ich bisher schon bekommen habe, weiß ich, dass es durchaus Einige gibt, die stets up-to-date sind, was Neuigkeiten aus meiner Welt angeht.

Meine Gesundheit 

Diese Woche war leider ziemlich eintönig, was aber nicht daran lag, dass es mir hier nicht gefällt, sondern, dass ich mittlerweile schon den fünften Tag im Bett verbringe. Langeweile pur! Am Freitag Abend/ Nacht (9.9.) hat es mit Halsschmerzen begonnen, den Samstag lag ich dann komplett mit Kopfweh (wahrscheinlich auch Fieber) und Halsschmerzen flach. So ging es dann am Sonntag weiter. Am Montag machte ich mir dann doch ein bisschen mehr Sorgen (zwecks Malaria und Co), stieg kurzerhand aufs Moto, sagte zu dem Fahrer: "Kubitaro" (was laut einem Freund von mir, Krankenhaus auf Kinyarwanda heißt) und durfte dann das erste Mal das Hospital von Musanze von innen sehen. Falls es euch interessiert, wo ich dann gelandet bin, hier klicken Zum Glück war der Malaria-Test negativ (puh!). Falls ich den Arzt richtig verstanden habe (es waren komischerweise gleich drei Ärzte auf ein Mal für mich zuständig, die aber alle keinen ordentlichen englischen Satz zustande brachten), handelt es sich lediglich um einen Virus. Er verschrieb mir gleich Ibuprufen, welches ich im sechsstündigen Takt nehmen sollte (als ob). Trotzdem verbrachte ich auch den folgenden Tag und den heutigen weitgehend im Bett, ich merke jedoch, dass ich mittlerweile (es wurde aber auch Zeit) auf dem Weg der Besserung bin :-) Das Gute an der Geschichte: Ich hatte endlich Zeit, das Buch, das ich mir bereits in Deutschland bestellt hatte, zu lesen. Es heißt "Aschenblüte", wurde von Immaculée Ilibagiza geschrieben, einer Genozid-Überlebenden und ist sehr zu empfehlen. Ich weiß nicht, ob euch genauso interessieren würde, wie mich, weil ihr ja im Moment nichts direkt mit dem Land zu tun habt... Mich hat es auf der einen Seite sehr bestürzt, von den, für uns unvorstellbaren Grausamkeiten zu hören, aber auf der anderen Seite hat mich die Autorin auch sehr beeindruckt, dass sie selbst in solch einer Situation ihren Optimismus und Glauben an Gott beibehalten, ja sogar gefestigt hat.Trotzdem ist es für mich wirklich unbegreiflich, dass so etwas existieren konnte und so lange ist das noch gar nicht her, 22 Jahre!

Bildergebnis


Der heutige Abend 

Heute Abend war der erste Tag, an dem ich mal wieder so richtig unter Menschen war. Wir waren bei Soeur Floriada zum Essen eingeladen, sie ist ebenfalls eine Person, die hier für uns zuständig ist, mit der wir im Alltag aber kaum Kontakt haben. Das Essen hat mich ziemlich an das Essen meiner albanischen Oma erinnert, wenn sie gekocht hat. Es gab selbstgemachte Pommes, gekochtes Gemüse (unter anderem Bohnen), Reis, Fleisch und  Fleischsauce. Soeur Florida spricht lediglich Französisch und Kinyarwanda, wie die meisten der älteren Leute in Ruanda, weshalb ich für den heutigen Abend, wie schon einige andere Male, Nickis persönliche Übersetzerin war. Letzte Woche hat Soeur Florida uns einen Besuch in der Schule abgestattet, was sich ein bisschen wie ein Unterrichtsbesuch, wie ich sie von den Referendaren meiner ehemaligen Schulen bereits kannte, angefühlt hat. Zuerst hat sie bei Nicki beim Sport zugeschaut und dann saß sie bei mir im Englischunterricht mit drin. An dem Tag begann ich mit den Kindern das neue Thema "animals" (auf Kinyarwanda inyamaswa, ausgesprochen: inyamasgua) und Soeur Florida war ganz begeistert von den ganzen Tierbildern, die ich den Kindern zeigte. Das mit den Sprachen hier finde ich aber toll, das ist genau mein Ding. Wir sprechen hier zwar hauptsächlich Englisch (z.B. mit Enock), doch ab und zu hat man dann doch die Gelegenheit seine langjährig erworbenen Französisch-Kenntnisse in der Praxis anzuwenden. Und dadurch dass Nicki kein Französisch spricht, habe ich an Abenden wie diesen noch das Privileg, übersetzen zu dürfen. Besser hätte es nicht kommen können, dass ich hier sogar beide Sprachen anwenden kann.

Kinyarwanda

A propos Sprachen, mittlerweile kann ich übrigens schon ein paar Wortfetzen auf Kinyarwanda, wiedergeben. Hier ein kleiner Kinyarwanda-Sprachkurs, mit den Dingen, die ich bisher gelernt habe. Kinyarwanda spricht man übrigens Kinyaruanda oder sogar Kinyarguanda aus, das wusste ich vorher auch nicht :-)
Hallo: Muraho / Guten Morgen: Mwaramutse / Guten Mittag/ Abend: Mwiriwe
Wie geht es dir?: Amakuru?
Gut: Ni meza
Und wie geht es dir?: Amakuru Jawe?
Tschüss: Murabeho

Ungefähr so sieht meine Standard-Unterhaltung hier aus :D

Aber ich habe auch schon einige andere Wörter gelernt, hauptsächlich durch die Kinder in der Schule:

Ja: yego
Nein: oya
Wasser: Amazi
Flugzeug/ Hubschrauber: indege
Familie: Muhira oder umuryango
Bruder: furere
Schwester: mushiki
Mama und Papa ist ebenfalls mama und papa
Bett: igitanda
Ein bisschen: gahoro (habe ich schon einige Male auf die Frage, ob ich Kinyarwanda spreche, geantwortet)
Gute Nacht: Ijoro ryza
Guten Appetit: Gyoherwa (das w wird hier teilweise wie ein gu ausgesprochen, also Gyohergua)

Auch bis fünf zählen kann ich schon (juhu): rimne, kabirir, gatatu, kane, gatanu


So viel mehr habe ich diese Woche gar nicht erlebt, ich konnte ja leider an den Ausflügen von Nicki und den anderen Freiwilligen, unter anderem nochmal an den Kivu-See oder an den Zwillingssee in Musanze, nicht teilnehmen, was mich etwas geärgert hat. Aber ich muss auf jeden Fall erwähnen, dass Nicki sich sehr rührend um mich gekümmert hat. Eines Nachts habe ich sie sogar um 2 Uhr geweckt, weil ich Fieber hatte und einen leichten Panikanfall und sie hat es ganz gut gemanagt, mich wieder zu beruhigen. Ja, Nicki und ich sind mittlerweile ein ganz gutes Team geworden. Die ersten vier Wochen haben wir auch wirklich ausnahmslos alles zusammen gemacht, 24/7. Erst dadurch, dass ich dann krank wurde, waren wir gezwungen, auch mal getrennte Wege zu gehen. Und mittlerweile ist es auch schon öfters vorgekommen, dass wir mit unterschiedlichen Leuten etwas unternommen haben. Trotzdem bin ich total froh, mit ihr zusammen zu wohnen. Wir sind auch eine echt große Stütze füreinander. Alleine zu wohnen wäre jetzt definitiv keine Option mehr für mich. 
Übrigens, nach mittlerweile fünf Wochen haben Nicki und ich heute zum ersten Mal bei uns zu Hause gekocht! ... Nudeln mit Tomatensauce, nichts Besonderes, aber der Wille zählt! Die letzte Zeit waren wir nämlich wirklich ziemlich faul und gingen eigentlich immer (mit ein paar Ausnahmen) im "La Paillotte" essen, was man eigentlich schon als unser zweites Zuhause bezeichnen könnte. 

Ich lege ich mich jetzt mal schlafen. Ijoro ryza  :-)




Dienstag, 6. September 2016

Me as a teacher

Im Vorfeld schon mal: Sorry, dass ich erst jetzt wieder von mir hören lasse, war in letzter Zeit recht viel alles. Die Woche war ziemlich ereignisreich. So viel wie ich hier in einer Woche erlebe, erlebte ich in Deutschland nicht mal mehr in einem Monat. ...Busy woman :-)

Von unserem Ausflug nach Kinigi habe ich ja am Freitag ausführlich berichtet, doch dabei blieb es nicht. Seitdem war Kinigi unser Ausflugsziel Nummer 1. Unsere Nachbarn aus Kenia haben dort am 1. September ihr luxuriöses Hotel "Da Vinci Gorilla Lodge" eröffnet, somit waren wir mittlerweile schon einige Mal dort. Jetzt weiß ich auch, wie man sich wohl als König fühlen muss, wir wurden dort bedient, als wären wir irgendwelche wichtige Staatspersonen oder so etwas in der Art. Die Geschwister Ruth und Peter  wohnen in der Doppelhaushälfte neben uns. Wir nutzen einen gemeinsamen Hof und ein gemeinsames Tor. Sie sind total nett! :-)
Außerdem waren wir ein weiteres Mal mit Alex in Kinigi, einem gebürtigen Ruander, den wir in Musanze kennengelernt haben. Er hat uns sogar zu sich nach Hause eingeladen. Wir waren sehr erstaunt darüber, dass auch er, obwohl er ziemlich gut gekleidet war, eher in ärmlichen Verhältnissen lebt. Das Haus, in dem er wohnt, kann man sich in etwa so vorstellen, wie die Häuser der Batwa, die ich im letzten Post beschrieben habe. Als wir dort ankamen lernten wir seine Schwester kennen, die uns sofort gekochte Kartoffeln und Bohnen servierte, die wir gemeinsam mit einer Horde kleiner Nachbarskinder aus einem Topf aßen.
 

Am 2. September haben Nicki und ich den ruandischen Präsidenten Paul Kagame live gesehen, denn hier in Musanze fand die Gorillbaby-Nanamensgebungs-Zeremonie statt. Es war ganz interessant, doch ich fand, dass mehr "Tamtam" um diese Zeremonie gemacht wurde, als sie verdient hat. Dieser Tag wurde hier wie ein Feiertag begangen, auch wir waren an dem Tag von der Arbeit befreit, um die Zeremonie besuchen zu können. Wir saßen im VIP-Zelt relativ weit hinten, sodass wir kaum beobachten konnten, was unten so vor sich ging. Letztendlich wurden einfach die Namen der Gorillas mit einer Erklärung genannt, es gab eine Rede des Präsidenten und das Ganze wurde mit traditionellen Tänzen untermalt. Echte Gorillas bekamen wir aber nicht zu Gesicht, naja, der Eintrittspreis für den Gorilla-Nationalpark liegt ja auch bei ca. 750 US-Dollar!

Hier noch ein paar Fotos von der Zeremonie. Auf dem ersten könnt ihr Nicki und mich mit Enock in der Mitte sehen. Er ist derjenige, mit dem wir am meisten hier zu tun haben, was unseren Job betrifft. Er ist der Verantwortliche für die Batwa-Kinder und weist uns in unsere Aufgaben ein. Im Hintergrund sieht man einen riesigen Gorilla aus Bambus. Auf dem rechten Foto seht ihr mich vor zwei Vulkanen stehen. Insgesamt gibt es in Ruanda fünf Vulkane, die alle hier bei uns in Musanze stehen. Die Zeremonie hat auch direkt am Eingang des Volcano-National-Parks stattgefunden.

 


Außerdem hatte ich die Woche ein Friseur-Unglück. Eigentlich wollte ich mir Braids machen lassen, doch allein das Flechten tat bereits so weh, dass ich am nächsten Morgen wieder vor der Tür des "Hair Saloons" stand, um sie entfernen zu lassen. Stolze 24.000 Franc in den Sand gesetzt - ein Hoch auf mich! Wie dem auch sei habe ich mir am Samstag, den 3.9.16 eine neue Frisur machen lassen, die mir besser gefällt und vor allem, um einiges weniger weh getan hat!

Hier die erste Frisur:                                   Und hier meine jetzige:



Am Sonntag, den 4.9. waren wir das erste mal am Kivusee, darauf hatten wir uns schon in Deutschland so gefreut. Das ist ein riesiger See, der zwischen Ruanda und dem Kongo liegt. Wettertechnisch war der Ausflug zwar nicht optimal, doch wir sind trotzdem Schwimmen gegangen. Der Grund dafür, dass das Wetter zur Zeit eher bewölkt und etwas kälter ist als sonst, ist dass die große Regenzeit bevorsteht! Darauf bin ich auch sehr gespannt.... Laut Damien, dem Mentor von einigen anderen Freiwilligen, waren wir ca. 5 Minuten von der Grenze zum Kongo entfernt.

 






Nun der wichtigste Teil des heutigen Posts: Die Schule.

Am Montag, den 29.8. war mein erster richtiger Arbeitstag als Lehrerin. Ich habe gleich mal ein Tafel-Selfie für den Blog geschossen:


Ich muss ehrlich gestehen, dass der Tag eher unbefriedigend für mich verlief. Der Grund dafür war aber einfach, dass ich mit zu hohen Erwartungen an die Sache rangegangen bin. Obwohl ich eigentlich wusste, dass ca. 80% der Ruander Kinyarwanda sprechen, dachte ich, dass das Englischniveau der Kinder um einiges besser sei. Pusteblume... Fakt ist, dass die Kinder AUSSCHLIESSLICH Kinyarwanda sprechen können, obwohl Englisch, genau wie Französisch, Amtssprache ist. Dadurch, dass wir keine gemeinsame Sprache haben, gestaltet sich das Unterrichten schwieriger als gedacht. Ich unterrichte P1-P6, also Primary 1 bis 6, das ist hier die Grundschule. Ein Schüler aus der Secondary 1 ist auch dabei. Ich unterrichte jedoch keine ganzen Klassen, sondern aus jeder Klasse jeweils nur die Batwa-Kinder. Dabei handelt es sich in jeder Klassenstufe um 3-8 Schüler, eine sehr angenehme Zahl :) Der erste Tag war also ziemlich schwierig, ich unterrichtete die P2 alleine und leider verstanden die Kids nicht mal mehr einfache Arbeitsanweisungen wie: "Where is your notebook? oder"Do you understand what I just said?".  Außerdem war Nicki ziemlich deprimiert, da das Unterrichten eigentlich überhaupt nicht ihr Ding ist und da dies eigentlich auch nicht als ihre Aufgabe vorgesehen war und es nun so schien, als ob dies doch ihre Hauptaufgabe war. Ursprünglich war es so geplant, dass wir montags und donnerstags die Klassenstufen P1- P3 haben und dienstags und freitags P4 - P6. Eigentlich war geplant, dass wir parallel unterrichten, z.B. ich P1 plus die Hälfte der P2 und Nicki gleichzeitig P3 plus die Hälfte der P2 und, dass wir dann nach der Pause parallel Projekte machen, z.B. Sport. Am Montag war Enock bei Nicki beim Unterrichten dabei und ich habe alleine Unterricht gemacht, doch wir haben gemerkt, dass es nicht möglich ist, dass nur einer von uns Enock beim Unterrichten als "Übersetzer" dabei hat und der andere alleine unterrichten muss... Das ist vor allem bei den ganz jungen Schülern sehr schwierig.
Also haben Nicki und ich einen neuen Plan aufgestellt, der uns das Unterrichten erleichtern sollte, die Effektivität für die Schüler steigern sollte und vor allem eine Möglichkeit für uns sein, unsere Fähigkeiten bestmöglichst einzubringen.
Glücklicherweise ergänzen wir beide uns in diesem Punkt sehr gut, da mir das Unterrichten total viel Spaß bereitet und Nicki ein richtiges Sports-Ass ist. Somit haben wir unsere Aufgabenbereiche so aufgeteilt, dass ich komplett den Unterricht übernehmen werde und Nicki komplett die Projekte, was in ihrem Fall Sport ist. Ein normaler Schultag /z.B. Montag) sieht jetzt also so aus: Um 12:40 Uhr beginnt für uns die Arbeit. Ich unterrichte die Hälfte von P1, 2 und 3, während Nicki mit der anderen Hälfte Sport macht. Um 14:20 Uhr beginnt die Pause. Um 15 Uhr werden die Gruppen getauscht: Ich unterrichte Nickis Gruppe und Nicki macht mit meiner Gruppe Sport.

Seitdem wir diese Änderung in die Tat umgesetzt haben (schon am zweiten Tag) und seitdem ich meine Erwartungen zurückgeschraubt habe, lief alles viel besser. Enock ist nun mein Übersetzer im Unterricht, was für mich eine große Stütze ist und dazu beiträgt, dass die Kinder mich viel besser verstehen. Ich kann jetzt schon sagen, dass es mir großen Spaß bereitet, die Kinder zu unterrichten und den Unterricht vorzubereiten. Das ist genau mein Ding und auch Nicki ist total glücklich, dass sie jetzt das machen kann, das ihr Spaß macht und nicht gezwungen ist, etwas zu tun, dass sie eigentlich gar nicht möchte :)


Hier könnt ihr noch ein paar Bilder von der Schule sehen:


 
Hier ein Tafelaufschrieb einer Unterrichtsstunde. Eigentlich hieß es zu Beginn, dass wir Englisch, Französisch und Mathe unterrichten sollen, doch Enock meinte mehrmals zu mir, dass die Kinder gut Englisch sprechen wollen und dass dies sehr wichtig sei, sodass ich bisher nur Englisch unterrichtet habe,

Durch ein Gespräch mit Enock merkte ich auch, dass schon ein bisschen von dem, was ich vermitteln möchte, sowohl bei den Kindern als auch bei Enock angekommen ist. Als ich heute mit den Kindern der P4 Galgenraten (auf Englsich Hangman) spielte, um ein paar Wörter zu wiederholen, merkte ich schon währenddessen, dass die Kinder mit viel Spaß und Eifer an der Sache waren. Auch Enock bestätigte mir dies hinterher und meinte, dass die Kinder so etwas nicht gewohnt sind und dass meine Unterrichtsmethoden ganz anders wären, als die der ruandischen Lehrer. Spiele zum Beispiel finden keinen Platz in einer ruandischen Unterrichtsstunde. Mir macht es den Eindruck, dass das Mittel zum Weg der ruandischen Lehrer hauptsächlich ihre Strenge (inklusive Schläge oder Drohungen) ist. Dadurch bewirken sie jedoch, dass die  Kinder aus Angst lernen. Was aber meiner Meinung nach viel schöner wäre, wäre zum Einen wenn die Lehrer ihre Arbeit gerne und mit Liebe tun würden daraus resultierend, dass die Kinder dann merken würden, dass Lernen Spaß machen kann und sie somit nicht mehr aus Angst, sondern aus Freude lernen würden. Mein erstes Ziel ist soit, dass sie Schule mit etwas Schönem verbinden und dass diese krassen autoritären und hierarchischen Strukturen zumindest in meinem Unterricht ein bisschen aufgebrochen werden können. 


Auch sonst, abgesehen von meiner Arbeit, geht es mir hier sehr gut. Unser Haus fühlt sich schon wie ein richtiges zu Hause an und das obwohl wir erst seit ca. einem Monat hier sind.

Ich hoffe euch allen geht es auch gut. Viele liebe Grüße und bis bald! :-)


P.S. Hier noch ein Bild von unserer heutigen abenteuerlichen Moto-Fahrt, als wir von einem Restaurant auf dem Weg nach Hause waren und uns zu dritt auf ein Moto quetschten,









Freitag, 26. August 2016

Erste Schulwoche: check

Ich dachte, es macht Sinn, nochmal einen Post zu verfassen, bevor ich richtig in der Schule mit meinen Aufgaben beginnen werde.

Erste Eindrücke - der Unterricht

Von Montag (22.8.) bis heute, Freitag (26.8.) durften wir erstmal, wie ich es bereits erwähnt hatte, nur beim Unterrichten zusehen. Effektiv waren dies aber nur 3 Tage, da wir am Mittwoch frei hatten und heute anderweitig beschäftigt waren - dazu später mehr!
Wirklich oft durften wir bei Englischsstunden zusehen. Anfänglich hatte ich wirklich meine Probleme mit dem Englisch hier - vor allem mit der Aussprache, da auch beim Englischssprechen nicht auf das rollende R verzichtet wird, was vermischt mit der für mich seltsamen Aussprache, wirklich ein gewöhnungsbedürftiges Englisch ergibt. Der Akzent ist wirklich unüberhörbar, z.B. heißt es dann anstatt: "Are you ready?", "Al you leedi?", da muss man zwei Mal überlegen, bevor man versteht, was eigentlich gemeint ist. Auch mein Name wird oft einfach zu "Lebekka", weil hier die Buchstaben R und L austauschbar verwendet werden. Mittlerweile (ich bin wirklich erstaunt von mir selbst) komme ich aber schon recht gut damit klar und muss nicht mehr ganz so lange über die Bedeutung eines Satzes nachdenken wie davor.
Einen Französischunterricht habe ich bisher leider noch nicht besuchen dürfen (weil der Lehrer irgendwie nicht da war), was ich etwas schade fand, da es mit meinem eigenen Unterricht ja schon am Montag losgeht und ich gerne vorher nochmal gesehen hätte, wie denn Französisch hier so unterrichtet wird. Naja, vielleicht gibt es dafür auch noch eine Gelegenheit.
Dahingegen durfte ich jedoch schon bei zwei Mathestunden dabei sein, was mir echt, entgegen meiner Erwartung, Freude bereitet hat. Ich werde ja nur in der Primary-School eingesetzt, die hier von der 1. bis 6. Klasse geht, also hält sich die Abstraktheit der Mathematik wirklich in Grenzen und macht sogar mir, als "Mathemuffel", ziemlich Spaß. Ich könnte mir sogar vorstellen, auch Mathe zu unterrichten, denn wenn ich es selbst verstehe, geht es im Prinzip ja nur darum, es so einfach wie möglich zu erklären und das ist wiederum etwas, das ich sehr gerne mache.

Zu den Unterrichtsmethoden hier: Die Schüler werden hier geschlagen. Wir haben es schon einige Male beobachtet, dass Lehrer die Schüler mit einem Bambusstock auf den Hintern geschlagen haben, z.B. wenn die Schüler nach dem Lehrer das Klassenzimmer betreten.
Andere Methoden wiederum finde ich nicht schlecht, z.B. das Loben. Wenn ein Schüler etwas richtig gesagt hat, heißt es z.B. "clap for him" und dann bricht die ganze Klasse in einen Klatschrhythmus aus, der dem Schüler gewidmet ist.
Mir ist aufgefallen, dass hier sehr viel über das Auditive gelehrt wird und weniger über das Schriftliche, was mir als Schüler wahrscheinlich schwer fallen würde. Es wird generell viel im Unterricht gesprochen und die Schüler haben, im Vergleich zu dem Unterricht, den ich aus Deutschland gewöhnt war, weniger längere Arbeitsphasen, in denen sie selbst schriftlich aktiv werden müssen. Wenn dann sind es Mini-Aufgaben, die so, oder so ähnlich bereits an der Tafel besprochen wurden. Für mich hat es auch den Eindruck gemacht, dass die Lehrer ein ziemlich unpersönliches Verhältnis zu den Schülern haben - teilweise kennen sie nicht mal mehr ihre Namen. Das halte ich für ein großes Manko. Der Lehrer ist hier die Autoritätsperson, aber auch nicht mehr. In den Klassen herrscht aber (vielleicht sogar genau deswegen?) eine ziemliche Stille und die Schüler sind sehr aufmerksam und motiviert dabei. Sonst ist der Unterricht aber auch eher eintönig, aber auch wahrscheinlich deswegen, weil den Lehrern weniger Materialien/ Möglichkeiten zur Verfügung stehen, als denen in Deutschland. CD's oder Videos können halt nicht abgespielt werden, weil man dafür einen CD-Player, Beamer usw. benötigen würde. Auch bei kreativen Aufgaben z.B. würden Materialien wie Buntstifte, Kleber, Papier/Karton usw. fehlen... Das macht das Ganze wirklich ein bisschen schwieriger.
Ich muss aber dazu sagen, dass dies mein ERSTER subjektiver Eindruck von ruandischem Unterricht ist, ich will nicht, dass mich jemand falsch versteht und meint, dass ich die Situation objektiv komplett richtig einschätzen kann und darüber urteilen kann. Generell fand ich aber auch das wirklich total interessant und bin mal gespannt, was ich sonst noch so für Eindrücke sammeln werde.

Hier mal ein paar Bilder von einem Klassenzimmer und ein paar Kindern:


Unser freier Tag 

An unserem freien Tag, dem Mittwoch, waren wir in Kigali, auf einer Party der Jumelage (das Büro, das die Partnerschaft zwischen Deutschland und Ruanda koordiniert und unser Ansprechpartner ist), die eigentlich wirklich ziemlich cool war. Wir Freiwillige waren für die Stände in Schichten eingetragen, ich war zuerst am Cocktail- und dann am Chapati- und Sambosastand. Chapati sind c-crêpe- bzw. pfannkuchenartige, leckere Nahrungsmittel und Sambosa sind Dreiecke aus Teig, die mit Fleisch oder Kartoffeln und Erbsen gefüllt sind. Beides total lecker! Nach unseren Schichten durften wir auch ein bisschen tanzen gehen, was wirklich total Spaß gemacht hat. Mit Ruandern zu tanzen ist wirklich ein tolles Erlebnis, da dies wirklich Lebensfreude pur verkörpert... und viele können wirklich gut tanzen ;) Danach haben wir noch in einem Geburtstag eines Freiwilligen reingefeiert. Nicki und ich haben in dem Ida-und-Spohie-Hotel übernachtet, wie immer, wenn wir in Kigali sind (kleiner Scherz, wir haben bei zwei anderen Freiwilligen übernachtet, die in Kigali wohnen). 

Unsere Tour nach Kinigi - Lebensumstände der Batwa hautnah mitbekommen 

Heute (Freitag, 26.8.) war wirklich ein total interessanter Tag! Wir haben mit Enock, dem 28-jährigen Sozailarbeiter unserer Schule, der bereits dreifacher Vater ist und der Hauptverantwortliche für die Batwa-Kinder ist und quasi unser Ansprechpartner, einen Ausflug nach Kinigi gemacht. Kinigi ist ein Stadtteil von Musanze, wenn ich das richtig verstanden habe. Die Fahrt dorthin war sehr abenteuerlich. Von unserem Haus aus sind wir mit dem Minibus zum Busbahnhof gefahren, von dort aus mit einem anderen Minibus ins Zentrum von Kinigi und dann haben wir für das letzte Stück (12 km) die Motos genommen, um eine andere Schule zu besuchen. Ich habe gemerkt, dass diese Schule unserer Schule sehr geähnelt hat, was die Gebäude angehen. Hier tragen übrigens alle Schüler an jeder Schule eine Schuluniform. Danach kam aber erst der richtig interessante Teil. Wir haben die Familien der Batwa-Kinder unserer Schule besucht. Dies gehört nämlich ebenfalls zu Enocks Aufgaben, um zu schauen, was mit den Kindern los ist, falls sie mal nicht zur Schule kommen, oder um einfach die Lebenssituation der Kinder besser zu verstehen. Somit sind wir von "Haus" zu "Haus" gezogen und haben nach dem Rechten gesehen. Die Lebensumstände der Kinder zu sehen war wirklich krass, anders kann man das nicht beschreiben. Ich hätte nicht gedacht, dass die Kinder in solch ärmlichen Verhältnissen leben. Sie leben in Hütten, die entweder aus Lehm mit Wellblechdach, oder einfach nur aus irgendwelchen Sträuchern und Pflanzen mit einem Holzgerüst bestehen. Aber es wurde uns ja bereits gesagt, dass deren Eltern wirklich kaum finanzielle Mittel haben, das jedoch mit eigenen Augen zu sehen, war nochmal was anderes. Was wir während unserem Weg immer wieder zu hören bekamen, war, dass zur Zeit in dieser gesamten Region, kaum Wasser zu finden ist, was wirklich ein großes Problem ist. Vom Äußerlichen her sahen die Kinder auch wirklich sehr sehr schmutzig aus und manche von ihnen, die kleineren, haben teilweise nicht mal mehr Hosen getragen, oder nur zerrissene Kleidung. Als wir dann unsere Runde gemacht hatten, sind wir, anstatt die Motos zu nehmen, den Weg zu Fuß zurückgelaufen. Das waren 12 Kilometer. Wenn man nicht darauf vorbereitet wird ist das schon ein Stück, aber für die Leute hier ist das Normalität einfach mal weitere Strecken zu Fuß zu laufen. 

Hier ein Bild von Nicki und mir gemeinsam mit einer sechs- oder siebenköpfigen Familie vor ihrem Haus: 

Wir haben uns länger mit dieser Familie unterhalten und durften sogar mit in ihr Haus kommen. Die Küche befindet sich draußen (eine Feuerstelle unter einem Holzgestell, das mit Blättern und Sträuchern bedeckt ist) und ebenfalls die Toilette. Die Familie hat hinter dem Haus einen eigenen Gemüsegarten, einen Avocado-Baum, zwei Papaya-Bäume und ein Kalb. Der Vater hat uns erzählt, dass er mit 13 Jahren geheiratet hat und jetzt 39 Jahre alt ist. Er gehört ebenfalls zu der Ethnie der Batwa und ist mit 16 Jahren aus den Bergen in die Stadt umgezogen. Die Batwa haben nämlich früher als Jäger und Sammler in den Bergen gelebt. 

Das Phänomen der frühen Hochzeit ist bei den Batwa immer noch sehr häufig vertreten, obwohl die Hochzeit normalerweise für Frauen ab 20 und für Männer ab 21 gestattet ist. Wir haben zwei weitere Beispiele mitbekommen, zwei Schüler, die in der dritten Klasse waren, beide 13 Jahre alt, haben vor kurzem die Schule abgebrochen, weil sie geheiratet haben. Auch sie haben wir auf unserer "Tour" getroffen, Zwei weitere Schüler, beide 15, haben jetzt ganz frisch die Schule abgebrochen, weil auch sie geheiratet haben. 

Nun habt ihr mal wieder einen kleinen Einblick in meine letzten Tage hier bekommen. Ich hoffe ihr fandet es aufschlussreich. Falls noch Fragen offen geblieben sind oder sonstige Interessen bestehen, könnt ihr mich auch gerne persönlich per Mai oder WhatsApp kontaktieren und ich werde versuchen eure Anregungen oder Fragen zu beantworten :) 

Bis bald! 

Montag, 22. August 2016

Umzug nach Musanze

Ach, wie schön fühlt es sich an, endlich "zu Hause" angekommen zu sein.
Ich bin nun stolze Besitzerin eines Internet-Sticks, sodass ich nun, nachdem ich ca. 2 Stunden die Böden geschrubbt und die Wäsche gewaschen habe, meinen  Blog mal wieder auf Vordermann bringen kann und euch von meiner letzten ereignisreichen Woche in Musanze berichten kann. Übrigens, wem es noch nicht aufgefallen ist, auf meinem Blog gibt es den Reiter "Berichte", wo man alle Posts, dem Datum entsprechend, geordnet aufrufen kann - das macht die Orientierung um einiges leichter.

Der lang ersehnte Tag für Nicki und mich war der letzte Mittwoch, der 17.8., denn an diesem Tag fand unser Umzug nach Musanze statt. Von Kigali aus fuhren wir mit einem, mit Möbeln voll bepackten Pick up, zwei Stunden lang über eine sehr hügelige Strecke (wie man sie auch vom Schwarzwald kennt) nach Musanze, der viertgrößten Stadt Ruandas. Vor dem Genozid hieß diese Stadt jedoch Ruhengeri, wovon auch heute noch teilweise im Internet die Rede ist.

Als wir in Musanze ankamen, gingen wir zunächst einmal unsere ersten essentiellen Haushaltsutensilien shoppen: Klopapier, Spül-, Putz- und Waschmittel, Schwämme, 2 Tassen und 4 Gabeln. Danach fuhren wir voll beladen zu unserem Haus. Ja, wir haben ein eigenes Haus!! Es ist wunderschön und gefällt uns mit jedem Tag mehr, da es immer wohnlicher und persönlicher wird und sich langsam auch schon ziemlich wie unser Zuhause anfühlt. Unsere erste eigene Wohnung-aufregend! Unsere Ersteinrichtung an Möbeln, die wir von der Organisation gestellt bekommen haben, besteht aus einem Bett, das Nicki bekommen hat (ich habe mir dann gleich noch eins für ca. 17€ gekauft), einem Herd, zwei Regalen als Schrankersatz, einem Küchenregal, zwei Tischen und vier Stühlen. Spärlich, aber immerhin besser als nichts.
Um mal einen Eindruck davon zu bekommen, hier ein paar Fotos von unserem neuen Heim:















Unsere Küche















Unser Bad



















Unser Wohnzimmer






 

Mein Zimmer


Die Schule

An diesem Tag hatten wir auch direkt unser erstes Gespräch mit unseren Verantwortlichen, dem Schulleiter der MINEDUC G.S. Saint Pierre Schule von Musanze, der Schwester Soeur Florida und dem Sozialarbeiter Enock. Das zweite Mal, an dem wir an der Schule waren, war der letzte Freitag, der 19.8., an dem wir eine Führung durch die Schule bekommen haben und den Stundenplan besprochen haben. Eine Woche lang werden wir uns jetzt "nur" beim Unterricht dazusetzen, um mal den ersten Eindruck davon zu bekommen, bevor wir dann selber mit dem Unterrichten beginnen werden. Heute durften wir beim Matheunterricht einer vierten Klasse zusehen, bei einem Englischunterricht und bei einem Kiyarwanda-Unterricht einer ersten Klasse, was für mich total interessant war. Ich liebe es zu sehen, wie in anderen Ländern unterrichtet wird, das hat mir wirklich Freude bereitet. Generell ist hier alles ziemlich locker, es gibt z.B. keinen Gong, sodass der Beginn der Unterrichtsstunde relativ flexibel ist. Bei dem System habe ich noch nicht ganz dahintergeblickt. In Mathe fand ich das Niveau der Schüler recht hoch - ich kann mich zumindest nicht daran erinnern, dass ich in der Grundschule schon Bruchrechnen geübt habe, in Englisch jedoch eher weniger. Das liegt bestimmt auch daran, dass die Lehrer teilweise selbst nicht mal mehr gut Englisch sprechen können.

Unsere Aufgaben

Was uns bisher, bezogen auf unsere Aufgaben, gesagt wurde, ist, dass wir mit den Batwa-Kindern arbeiten werden. Diese haben morgens ganz normal Schule und unsere Aufgabe ist, sie nachmittags zu beschäftigen, da sie sonst auf "dumme Gedanken" kommen würden, wie z.B. zu klauen. Da es bisher nicht genügend Möglichkeiten bzw. Personal gab, haben sie nachmittags einfach genau das gleiche gemacht wie morgens, was natürlich ziemlich langweilig für die Kids war. Die Batwa, oder auch Twa genannt, sind eine ethische Minderheit in Ruanda, die unglaublich arm sind und auch als die Vergessenen bezeichnet werden. Wir sollen den Kids von 12:40 Uhr bis 16:20 Uhr Mathe-, Englisch- und Französischunterricht geben, außerdem sind eigene Ideen immer willkommen. Ich werde den Französisch- und den Englischunterricht übernehmen, was eigentlich kein richtiger Unterricht sein soll, sondern eher Nachhilfe, in der wir mit den Kids nochmal das durchgehen und vertiefen, was sie davor im Unterricht gelernt haben, Außerdem habe ich noch an ein Theaterprojekt gedacht. Was mich jedoch ziemlich irritiert, ist, dass alles SO locker und flexibel ist. Und ein logistisches Problem kommt auch noch dazu: Es gibt zu wenige Klassenräume, somit müssen Nicki und ich draußen unterrichten! Die Regenzeit wird bestimmt toll (Ironie).
Auf der einen Seite freue ich mich schon unbeschreiblich arg darauf, den Unterricht zu gestalten, den Kindern zu helfen, dass sie im Unterricht mitkommen und etwas bei den Kindern zu bewirken, doch auf der anderen Seite habe ich auch großen Respekt vor dieser Verantwortung. Ich weiß nicht, wie ich den Kindern Englisch und Französisch beibringen soll, wenn sie kein Wort Englisch verstehen, sondern nur Kinyarwanda, oder wie ich mit einer einzigen Person ein Theaterprojekt starten soll.
Fragen über Fragen... wenn ich an meine bevorstehenden Aufgaben denke, habe ich schon ein mulmiges Gefühl im Magen und verspüre auch einen Druck, ja alles perfekt zu machen, doch ich habe ja zum Glück noch die Gewissheit im Hinterkopf, dass dies meine absolute Leidenschaft und mein Traum ist und dass ich bei den Kindern wirklich viel bewirken kann, denn ich werde keine ganze Klassen unterrichten, sondern nur kleinere Gruppen, wodurch mir dann hoffentlich die Möglichkeit gegeben wird, mich mehr oder weniger individuell um die Kinder zu kümmern und ein persönliches Verhältnis aufzubauen.


Nun ist aber genug für heute. Ich werde euch auf dem Laufenden halten. Bis bald! :)



Dienstag, 16. August 2016

6 Tage in Kigali

Dadurch dass Nicki und ich doch nicht schon heute (16.8.), sondern erst morgen nach Musanze fahren, weil es uns beiden nicht gut geht, habe ich heute ein bisschen Zeit, um von der ersten Zeit in Ruanda, genauer gesagt in Kigali, zu berichten:
Am Donnerstag, den 11.8. kamen wir sechs Volunta-Freiwillige um 8:20 Uhr am Flughafen in Kigali an. Am Tag davor sind zwei andere Freiwillige angekommen, mit denen wir in dem Humble-Gästehaus zusammen gewohnt haben. Im Laufe der Tage kamen noch drei weitere von einer anderen Organisation dazu, sodass wir am Ende zu elft waren. Dadurch dass drei Gepäckstücke von uns auf dem Flug nach Kigali verloren gingen (darunter mein großer Reiserucksack), die mittlerweile aber wieder aufgetaucht sind, hat sich alles ein wenig verzögert, da wir bei "Lost & Found" erstmal abklären mussten, wo unser Gepäck abgeblieben ist. Wie bereits gesagt, wurden wir von Mareike abgeholt, die uns dann in unser Gästehaus brachte. Am Mittag sind wir zur Jumelage gelaufen, das Büro, welches die Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda koordiniert. Dort wurde uns die Partnerschaft durch eine Präsentation kurz vorgestellt und die Räumlichkeiten gezeigt. Dieses Büro ist übrigens auch der Arbeitsplatz von einigen Freiwilligen von uns. Danach sind wir in einem Restaurant, wo es ein Buffet gab, essen gegangen, was übrigens echt lecker war. Auch am Abend waren wir wieder in einem Restaurant, dem "La Sierra", essen. Was mir bereits hier auffiel und was sich im Laufe der nächsten Tage auch bestätigt hat, ist, dass es wirklich extrem lange dauert, bis das Essen auf dem Tisch ist. So etwas wie Zeitdruck ist hier ein Fremdwort. Naja, dort haben wir uns ein typisch ruandisches Essen gegönnt (zwinker zwinker) ... Burger mit Pommes! In meinem Falle Grilled Cheese mit Pommes, weil der Veggie Burger nicht mehr verfügbar war. An dieser Nachhaltigkeit an Essen hat sich in den folgenden Tagen auch nichts geändert. Zu jeder Tageszeit haben wir warm gegessen. Jeden Morgen wurde uns Omelett bzw. Rührei von unseren Haushältern im Gästehaus serviert, meist auch mit Weißbrot und allen erdenklichen Obstsorten (die Ananas hier sind nicht zu vergleichen mit denen in Deutschland). Mittags und abends sind wir immer in einem Restaurant essen gegangen. Pommes gab es fast immer dazu... so viel Pommes habe ich echt noch nie hintereinander gegessen. Das erste Essen, was wirklich traditionell war, waren Fleisch- bzw. Fischspieße zusammen mit gebackenen Kartoffeln, gefüllt mit einer Zwiebel-Tomaten-Mischung. Yummy! Dann waren wir mal wieder in einem Restaurant mit Buffet, wo es u.a. Reis, Nudeln, Spinat, Bohnen und Pommes (welch ein Wunder) gab. Das Interessante ist, dass man sich beim Buffet so viel auf den Teller laden darf wie man will, aber ein zweites Mal darf man nicht laufen. Was auch wirklich lecker war, waren die Wraps im "Chap chap". Ich habe ein Veggie Wrap mit Avocado gegessen und natürlich mit Pommes als Beilage. Alles in allem wirklich unglaublich lecker, aber irgendwie ein bisschen too much für meinen Körper. In Deutschland habe ich höchstens zwei Mal pro Tag warm gegessen und dann auch nicht in solchen rauen Mengen oder so viel Fettiges/ Ungesundes hintereinander. Als sich mein Bauch dann gestern Mittag bemerkbar gemacht hat, habe ich zu Mittag lediglich ein Croissant und zwei Stücke von einem Trockenkuchen gegessen, am Abend habe ich das Essen ganz weggelassen und heute Morgen bestand es aus einer Baby-Banane. Naja, vor dieser körperlichen Umstellung wurden wir ja gewarnt und es hat ja auch etwas Positives, mal einen Tag komplett zum Ausruhen nutzen zu können.
Abgesehen vom Essen haben wir uns bereits SIM-Karten fürs Handy beantragt und unser Visum. Wir haben auch Infos über das Leben in Ruanda bezüglich Wohnung, Verhalten und Sicherheit bekommen und auch über die Partnerschaft als Partnerorganisation  bezogen auf Verantwortlichkeit usw. Auch für unsere Freizeitgestaltung haben wir Tipps bekommen. Die einzigen zwei Länder, in die wir nicht reisen dürfen, ist der Kongo und Burundi. Ansonsten gibt es wirklich tolle  Ausflugsziele für die Freizeit, auch in den Nachbarländern. Was auch total eindrucksvoll, aber vor allem auch sehr traurig war, war der Besuch im Genocide Memorial. Am Montag morgen stand eine Stadtralley auf unserem Terminkalender. Anhand von Quizfragen über Kigali, wurden wir, eingeteilt in Zweierteams, durch die ganze Stadt gejagt. Das war das erste Mal, wo wir tatsächlich mal mit den Menschen auf der Straße zusammentrafen und wir merkten, was es bedeutet weiß zu sein. Obwohl Kigali mittlerweile wirklich europäisch geprägt ist und auch viele teure Gebäude hat, werden wir als Weiße, trotzdem immer mit Wohlstand und Reichtum verbunden. Es sind nicht nur die Blicke oder die Sprüche im Vorbeigehen, die ich mittlerweile schon als störend empfinde, es ist auch der Fakt, dass man nie weiß, wer es ehrlich mit dir meint und wer nicht. Es ist uns nicht nur ein Mal passiert, dass wir Menschen nach der Antwort auf eine Quizfrage stellten und sie am Ende Geld dafür wollten. Uns wurden auch tragische Familiengeschichten erzählt und auch mein Ehering kam schon in Einsatz. Ein Motorradtaxifahrer fragte mich, ob ich single sei und ich verneinte dies, daraufhin fragte er, ob ich verheiratet sei und ich antwortete mit ja. Als er dann meinen Ring bemerkte, war die Sache geklärt.
A propos Motorradtaxi, dieses Fortbewegungsmittel habe ich mittlerweile schon ein paar Mal genutzt. Im Vergleich zu normalen Taxis sind die Motos sehr günstig. Das einzige, was mir etwas zu bedenken gibt, sind die Helme, die wirklich mehr Attrappe-Zwecken dienen, als der Sicherheit. Insgesamt fühle ich mich in der Hauptstadt aber wirklich sicher, es gibt mir auch den Eindruck, dass Überfälle und Unfälle wirklich eher selten sind, trotz dem stürmischen Verkehr und den Motos, die sowohl von links, als auch von rechts überholen. Auch das Ambiente ist, zumindest in der Gegend des Gästehauses, eher ruhig und angenehm. Außerdem ist die Stadt wirklich sauber, sie gilt sogar als die sauberste Hauptstadt Afrikas, soweit ich das noch im Kopf habe. Die krasseste Menschenansammlung habe ich bei der Stadtralley am Busbahnhof erlebt, das war wirklich wie aus dem Bilderbuch, oder wie sich viele Menschen vielleicht Indien vorstellen. Ansonsten gefällt mir das, was ich bisher von Ruanda gesehen habe, wirklich gut.
Ein großer Schritt für Nicki und mich wird jedoch der morgige Tag werden (falls es uns bis dahin wieder besser geht). Das ist der Tag, an dem wir endgültig, an unserem Wohn-und Arbeitsort ankommen. Quasi der Start in ein neues Leben. Wir dürfen endlich unser Haus einrichten (und müssen nicht mehr aus dem Koffer leben) und lernen unsere "Chefs" auf der Arbeit kennen. Wir werden übrigens in einer Doppelhaushälfte untergebracht mit 3-4 Schlafzimmern. Insgesamt wurde die Wohnung als "modern" beschrieben. Ich bin wirklich gespannt! Gestern haben wir schon unsere ersten Möbel rausgestellt, die wir dann mit dem Pick up auf unserer zweistündigen Fahrt nach Musanze transportieren.
Es gibt wirklich noch viel zu erzählen, doch jetzt muss ich mich mal wieder ausruhen, um fit für den großen Tag zu sein.
Liebe Grüße!